Berlin (dpa) - Das Mercedes-Team ist bereit für die "intensivste Phase" der Formel-1-Saison 2014.

"Die Motivation innerhalb der Mannschaft ist jetzt stärker denn jemals zuvor in diesem Jahr", betonte Motorsportchef Toto Wolff vor dem Großen Preis von Japan, wo sich der Rennstall rechnerisch mit dem Konstrukteurstitel krönen kann.

Mindestvoraussetzung dafür: Auf dem legendären Kurs in Suzuka müssen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und sein Titel-Widersacher Nico Rosberg am Sonntag den achten Doppelerfolg für Mercedes in diesem Jahr einfahren.

Wolff gibt den Weg vor, Schritt für Schritt ist das Motto. "Die Konstrukteurs-WM ist natürlich eines unserer großen Ziele für dieses Jahr. Aber man darf sich nicht ablenken lassen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. "Unser Fokus gilt nur diesem Wochenende in Japan. Wir wollen unser Potenzial voll und zuverlässig ausschöpfen. Danach kommt es, wie es kommt."

Gelingt den Silberpfeilen ein weiterer Sieg und ein zweiter Platz, während die Red-Bull-Verfolger mit Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel und Dreifach-Saisonsieger Daniel Ricciardo zusammen nicht über zwei Zähler hinauskämen, wäre Mercedes die Konstrukteurs-WM nicht mehr zu nehmen. Der erste Team-Titel in der Geschichte von Mercedes als eigener Rennstall wäre perfekt, die vier Jahre dauernde Dominanz von Red Bull auch in der WM-Wertung endgültig gebrochen. Mercedes käme auf 522 Punkte, Red Bull auf 307, bei 215 noch zu vergebenden Zählern wäre rechnerisch nur noch ein Gleichstand möglich.

"Für unser Team beginnt mit dem letzten Viertel die intensivste Phase der Saison", betonte Wolff nach einem bereits über 14 Rennen währenden packend-hitzigen Zweikampf seiner beiden Piloten um Punkte, Siege und vor allem den Fahrertitel. "Jeder von uns möchte die Saison 2014 stilgerecht beenden", meinte der österreichische Motorsportchef des deutschen Herstellers.

Vor allem die Probleme mit der Zuverlässigkeit - zuletzt in Singapur erwischte es Rosberg - machen den Silberpfeil-Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Selbst wenn die Titel sowohl in der Fahrer-, als auch der Konstrukteurswertung dem Rennstall nur äußerst schwer noch zu nehmen sind.

"Die Zuverlässigkeit ist ein Gebiet, auf dem wir bereits in den vergangenen zwölf Monaten intensiv gearbeitet haben und an dem wir künftig noch mal doppelt so hart arbeiten werden", versprach der Technische Direktor Paddy Lowe. Im neuen Formel-1-Zeitalter der hoch komplizierten Antriebsstränge mit den Turbomotoren und der zusätzlichen Hybridpower soll nichts den Ruhm für den schwäbischen Autobauer trüben.

"Für einen Hersteller wie Mercedes-Benz ist es wichtig zu zeigen, dass wir die Fähigkeiten besitzen, uns erfolgreich solchen technologischen Herausforderungen zu stellen", sagte Wolff. Erfreut stellte er mit Blick auf die weltweite PR-Plattform Formel 1 fest: "Bisher konnten wir unsere Expertise in der neuen Hybrid-Technologie eindrucksvoll zur Schau stellen."

In der Saugmotor-Zeit durfte Mercedes beim Gewinn des Konstrukteurstitels 2009 von BrawnGP zuletzt mitjubeln. Damals als Motorenpartner. Es folgte die Übernahme des Rennstalls durch Mercedes, nach drei durchwachsenen Jahren mit Rekordweltmeister Michael Schumacher und Rosberg wurde Personal ausgetauscht. Der langjährige Motorsportchef Norbert Haug wurde durch Wolff ersetzt, Teamchef Ross Brawn hörte auf, als Oberaufseher wurde Niki Lauda installiert, und Lewis Hamilton kam anstelle von Schumacher. Mitte 2013 stieß auch noch Lowe dazu.

Nach Platz zwei in der Konstrukteurswertung in der vergangenen Saison hinter Red Bull übernahm Mercedes in der neuen Turbo-Ära das Kommando. In Suzuka soll das nicht anders werden. "Ich freue mich auf das Wochenende, speziell mit dem Auto, das wir im Moment haben. Die Chance auf ein großartiges Ergebnis ist gegeben", prophezeite Rosberg, der mit einem eigenen Sieg auch wieder die Spitze in der Fahrerwertung übernehmen könnte. "Wir bleiben einfach auf jedes einzelne Rennwochenende konzentriert", betonte Wolff und warnte noch einmal: "Es ist noch nichts entschieden, und es stehen harte Rennen vor uns."© dpa