Nach der ersten sieglosen Saison seit sechs Jahren will Red Bull die Trendwende schaffen und mit dem RB12 wieder ein Formel-1-Auto auf die Räder stellen, dass gut genug ist für die oberste Stufe des Podests. Dafür spricht, dass mit dem als TAG-Heuer-Motor gebrandeten Renault-Triebwerk ein altbekannter V6-Hybride den Boliden antreibt und die neuen Reifenregeln Raum für Strategiepoker schaffen. Dagegen steht, dass exzellentes Chassis und gewiefte Taktik ohne die nötigen PS wertlos sind.

Dass weiß auch Christian Horner, der nach der Präsentation der neuen Lackierung am Mittwoch in der kommenden Woche mit dem kompletten neuen Renner zum Testauftakt nach Barcelona reisen will. "Nur dank ihrer harten Arbeit sind wir überhaupt beim ersten Test dabei", atmet der Teamchef nach der Hängepartie um den Formel-1-Verbleib und der Suche nach einem Antriebspartner auf. Er meint zuversichtlich: "Wir haben Stärken des RB11 in den RB12 integriert, Schwächen hoffentlich ausgemerzt."

Als Ziel gibt Horner es aus, "ab Melbourne vernünftig unterwegs" zu sein. Bezüglich Platzierungen bleibt er zurückhaltend: "Wir geben einfach unser Bestes und müssen uns Rennen für Rennen an den Gegnern messen." Der Brite rechnet jedoch damit, dass Mercedes sowie Ferrari in der ersten Saisonhälfte weiter den Ton angeben werden und die Hackordnung im Vergleich zum Jahr 2015 unverändert. Gut möglich, dass Red Bull bei ausbleibenden Quantensprüngen alles auf eine andere Karte setzt.

Die Rede ist von der Regelnovelle für das Jahr 2017, die Einschnitte bei der Aerodynamik und den Reifen vorsehen soll . Horner schielt auf ein frühes Umschichten der Kapazitäten in Milton Keynes: "Sobald die Bestimmungen festgelegt sind, wird man ihnen seine Aufmerksamkeit zuwenden müssen." Nebenbei schließt er es nicht aus, in einem Jahr und nach Auslaufen des Vertrags weiter mit Renault zusammenzuarbeiten, wenn die Franzosen ein besseres Produkt zur Verfügung stellen sollten.

Wie Horner klarmacht, übernimmt Adrian Newey bei diesem Prozess weiter nur eine Teilzeitrolle, wenn er den Design- und Entwicklungsprozess als Berater überwacht: "Er behält ein Auge auf das Auto, kümmert sich aber weniger um die Details als dass er sich einen Überblick verschafft", sagt er über den in zweite Reihe gerückten Stardesigner. Newey selbst zeigt sich mit den Arbeiten am RB12 zufrieden: "Wir haben getan, was wir konnten, ohne zu wissen, welchen Antrieb wir erhalten werden."

Verbleib bei Renault-Power mehr Vor- als Nachteil

Dan Fallows betont, dass die vielen Fragezeichen sein Team vor eine knifflige Aufgabe gestellt hätten: "Es war doch komplizierter als in früheren Jahren", schnauft der Chef-Aerodyamiker durch, rasselt aber mit den Säbeln: "Wir sind aber überrascht, dass wir aus dem Reglement noch so viel herausholen konnten." Klar ist: Dass mit dem Renault-Antrieb letztlich das altbekannte Aggregat im Auto geblieben ist, war für Red Bull trotz der Zuverlässigkeitssorgen und de PS-Problem ein glücklicher Umstand.

"Das hat geholfen", unterstreicht Chefdesigner Rob Marshall mit Blick auf Kühlungsanforderungen, den Einbau in das Chassis sowie die Größe von Energiespeicher und Turbo. "Da sind uns einige große Änderungen erspart geblieben." Dennoch baute Red Bull für die Regeln 2016 um, wobei der (vorgeblich lautere) Auspuff im Vordergrund stand. "Die Autos sind vielleicht lauter, aber in Sachen Leistung wird sich nicht viel ändern. Mit den Auspuffgasen dürfen wir nach wie vor kaum etwas machen."

Dafür erlaubt Pirelli mit neuerdings fünf Reifenmischungen und individueller Wahlfreiheit für die Teams mehr Spielraum . Newey meint: "Wir haben ein Auto, dass die Pneus schont. Wir hatten zuletzt nur sehr wenig Abbau und Verschleiß zu verzeichnen. Hoffentlich profitieren wir." Fallows will mit Grips mehr Grip herausholen: "Zu Zeiten der Reifenkriege haben sich einige Teams richtig vergriffen, als es noch Wahlmöglichkeiten gab. Hoffentlich passiert uns das nicht, aber es wäre interessant, wenn wir wieder einige Veränderungen erleben", schielt er auf mehr Variablen in der Formel 1.© Motorsport-Total.com GmbH