Renault hat am Mittwoch in seinem Technikzentrum im französischen Guyancourt die Details seines Formel-1-Comebacks vorgestellt. Das Werksteam wird unter dem Namen der Kernmarke auf die Strecke gehen und offiziell "Renault Sport F1 Team" heißen. Wie Konzernchef Carlos Ghosn verkündete, wird der bisherige Chef des DTM- und Formelsport-Teams ART Frederic Vasseur als Rennleiter fungieren. Als Fahrer wurden wie erwartet Jolyon Palmer und Kevin Magnussen, der den seiner Millionen ledigen Pastor Maldonado ersetzt, präsentiert.

Die Franzosen formulieren große Ziele für das Projekt: "Wir haben die Strukturen, das Knowhow und die richtige Einstellung, um zu gewinnen", unterstreicht Renault-Motorsportchef Jerome Stoll. Vasseur pflichtet bei: "Renault hat gezeigt, dass Siege die Vorgabe sind. Es ist für alle eine neue Herausforderung, aber wir sind voller Eifer. Der Konzern steht hinter uns", stellt er seine Zuversicht zur Schau und schwebt dabei auf einer Wellenlänge mit seinem Konzernboss Carlos Ghosn.

Der Renault-Nissan-Chef sagt mit breiter Brust: "Renault hat im Motorsport seine technischen Fähigkeiten demonstriert und Innovationen entwickelt. Unsere Rennsportaktivitäten werden enger mit unser Sportabteilung verbunden sein." Abiteboul betont, die Hybridtechnik weiterentwickeln zu wollen und stimmt bei seinen optimistischen Mitstreitern ein: "Wir wissen, wie es funktioniert", trommelt er. "Die Vorbereitung reichte aus, um sicherzustellen, dass wir alle Zutaten für unser Erfolgsrezept beisammen haben." Einen Seitenhieb auf Ex-Lieblingspartner-Red-Bull kann er sich nicht verkneifen: "Manchmal ist die Formel 1 zu exklusiv. Wir wollen als Mannschaft auftreten."

Renault wartet mit einer neuen Struktur für seine Motorsport-Aktivitäten auf: "Renault Sport Racing" kümmert sich um alle Sparten von der Formel 1 über die Formelsport-Serien und Markenpokale bis hin zu den Kundenteams aus sämtlichen Segmenten. Zugehörig sind auch die Fabriken in Enstone (vormals Lotus-Heimat) und Viry, wo die Antriebe gebaut wurden und weiter gebaut werden. "Renault Sport Cars" wird klar abgrenzt und kümmert sich um alles, was mit Sport- und Serienwagen zu tun hat. "Wir geben hier ein klares Signal, uns dem Wettbewerb zu stellen. Mit der Formel 1 wollen wir Marketing betreiben, unser Image aufbessern und uns in Ländern bekannt zu machen, in denen wir weniger prominent sind", erläutert Stoll.

Comeback des Bob Bell, Esteban Ocon kommt von Mercedes

Stoll fungiert weiter als Motorsportchef der Marke. Abiteboul, der bisher als Geschäftsführer der Formel-1-Motorenabteilung verantwortlich zeichnete, übernimmt in identischer Rolle die Gesamtverantwortung für den Einsatz in der Königsklasse, während sich Remi Taffin von seinem Posten als Einsatzleiter der Motorensparte verabschiedet und sich künftig als Technischer Leiter der Antriebsabteilung vorstellt. Bob Bell feiert nach Manor-Intermezzo wie erwartet sein Comeback als Technikchef, wenn der übernommene Lotus-Mann Nick Chester offenbar in das zweite Glied rücken muss.

Weiter als Markenbotschafter tätig sein wird Rennlegende Alain Prost. Als Teilhaber an Bord bleibt auch der frühere Lotus-Besitzer Gerard Lopez, der mit seiner Firma Gravity möglicherweise als Schnittstelle zu Bernie Ecclestone agiert. Das Renault-Aufgebot der Marke komplett macht GP3-Champion Esteban Ocon als Testfahrer, der bisher im Mercedes-Kader stand und für die Stuttgarter in der DTM testete. Der junge Franzose repräsentiert also als einziger Pilot die Grande Nation im Renault-Kader.

Das neue Auto hört auf den Namen "R.S.16", der V6-Hybridantrieb im neuen Auto wurde noch nicht abschließend benannt. Die Nissan-Luxusmarke Infiniti, die bis Ende 2015 noch Red-Bull-Sponsor war, fungiert als Technikpartner und Sponsor. Renault entscheid sich dagegen, das gesamte Team nach einer seiner Konzernmarken zu benennen. Im Gespräch waren neben Infiniti auch Nissan und Alpine. Das vorgestellte Design - auf einem Showcar basierend auf dem 2015er Chassis - präsentiert sich vorwiegend in Metallic-Schwarz mit gelben Elementen, doch daran könnte sich noch etwas ändern: "Es ist das Auto, das bei den Testfahrten in Barcelona zum Einsatz kommt", sagt Stoll.

Das sind die neuen Führungsfiguren bei Renault

Jerome Stoll ist seit 36 Jahren bei Renault und kommt aus dem Serienwagen-Management des Konzerns. Bis Ende der Achtzigerjahre steuerte er die Geschicke der Marke in Nigeria, wechselte anschließend in die Finanzabteilung und übernahm die Leitung des Einkaufs. 2013 wurde er zum Marketing-Vorstand und Motorsportchef befördert, an der Rennstrecke trat der 61-Jährige jedoch nie in Erscheinung.

Der studierte Ingenieur Frederic Vasseur ist Gründer und Chef des Rennstalls ART, der seit 1996 besteht. Nach Anfangsjahren in der Formel 3 stieg das Team 2005 in die neu gegründete GP2-Serie im Rahmen der Formel 1 ein. Dort stellte ART die ersten GP2-Champions der Geschichte: die heutigen Mercedes-Stars Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Im Verlauf ihrer Formel 3-Laufbahn starteten unter anderem Sebastian Vettel, Romain Grosjean, Nico Hülkenberg und Valtteri Bottas für ART. 2015 erfolgte mit Mercedes der Einstieg in die DTM. Dazu leitet Vasseur Sparks, das für den Aufbau der Formel-E-Fahrzeuge verantwortlich zeichnet und so mit Renault verbunden ist.

Bob Bell, ebenfalls ein studierter Ingenieur, begann seine Formel-1-Karriere 1982 bei McLaren und war in Woking als Aerodynamiker und als Entwicklungschef tätig. 1997 schloss er sich Benetton an und zog mit seinem langjährigen Weggefährten Flavio Briatore anschließend weiter in Richtung Renault, wo er an der Entwicklung der Weltmeister-Autos R25 und R26 beteiligt war. Nach dem "Crashgate"-Skandal war der heute 57-jährige Nordire kurzfristig Teamchef und ging zu Mercedes, ehe im Sommer überraschend ein Engagement bei Hinterbänkler Manor-Marussia verkündet wurde.

Dank der Übernahme des Lotus-Teams steht der französische Automobilhersteller Renault vor seinem dritten Werksengagement in der Formel 1. Zuvor war man bereits in den Jahren 1977 bis 1985 und 2002 bis 2011 mit einem eigenen Team vertreten. 2005 und 2006 feierte Renault mit Fernando Alonso jeweils den Fahrer- und den Konstrukteurs-WM-Titel. Zudem trat Renault ab 1983 für zahlreiche Teams als Motorenlieferant auf.© Motorsport-Total.com GmbH