Als Manor am Mittwochmittag die Verpflichtung Pascal Wehrleins für die Saison 2016 bekanntgab , saß der frisch gebackene Formel-1-Pilot längst in der Fabrik in England - und hatte ein ganz breites Grinsen auf dem Gesicht. "Es geht ein riesiger Traum in Erfüllung", freut sich Wehrlein über seinen ersten Drive in der Königsklasse und denkt an Tage im Kinderzimmer zurück: "Ich habe mit vier oder fünf Jahren angefangen, mit meinem Vater Formel 1 zu schauen. Ganz egal, wie die Zeitverschiebung war, wir sind immer aufgestanden."

Seitdem sei für ihn klar gewesen, dass er Berufsrennfahrer werden will. Dann gab es für den Baden-Württemberger keine Zweifel mehr, dass es die Beletage sein müsste: "Seit ich 1999 oder 2000 in Hockenheim bei einem Formel-1-Rennen war, wusste ich: 'Eines Tages will ich da unten mal mitfahren.'" Sein Idol Michael Schumacher ist nicht unschuldig daran, dass es nach einer rasanten Laufbahn im Formelsport für den heute 21-Jährigen mit dem großen Coup beim kleinen Team geklappt hat.

2008 begleitete Schumacher die Sichtung für den ADAC-Förderkader, bei der Wehrlein ausgewählt wurde. Im Jahr darauf startete er als Dreikäsehoch für das Kartteam KSM, bei dem der Formel-1-Rekordweltmeister seine eigene Laufbahn initiierte sowie Teilhaber war und ist - heute mit Bruder Ralf. "Auf jeden Fall", so Wehrlein auf die Frage, ob Schumacher Wegbereiter seiner Karriere gewesen sei.

Auf den Spuren der Rennlegende ist Wehrlein jedoch klar, dass er bei Manor zunächst kleinere Brötchen backen muss. Von seinem Förderer Mercedes ist er anderes gewöhnt: "Es ist kleiner, es sind weniger Leute hier, aber es ist alles kompakt und effizient", beschreibt er seine Eindrücke aus der Fabrik, in der er am Mittwoch eine Sitzprobe absolvierte und Meetings mit Ingenieuren hatte. Jedoch sind ihm die Resultate aus der Saison 2015 eine Warnung: "Was ich bisher gesehen habe, stimmt optimistisch. Man darf nicht vergessen, dass der Abstand im vergangenen Jahr sehr, sehr groß war."

Damals fuhr Manor noch mit Ferrari-Power, im neuen Auto stecken die Hybrid-PS von Mercedes im Heck. "Ich glaube, dass das Team einen riesigen Schritt machen wird. Wie groß er sein wird, weiß ich aber nicht", schätzt Wehrlein, der noch auf die Bekanntgabe eines Teamkollegen wartet. Ob er mit einem weiteren Neuling oder mit einem Routinier die Box wird teilen müssen, sei ihm "relativ egal". Wichtiger: "Ich hoffe, dass es ein guter Fahrer wird und wir uns gegenseitig pushen", so Wehrlein.

Dass der Deal, der vertraglich über ein Jahr vereinbart ist, glückte, sei Mercedes-Sportchef Toto Wolff und seinem viel beachteten Tourenwagen-Erfolg 2015 zu verdanken: "Hätte ich den DTM-Titel nicht gewonnen", glaubt Wehrlein, "wer weiß, ob ich die Chance erhalten hätte." Ob er Test- und Ersatzfahrer der Silberpfeile bleibt, sei noch unklar. Fest stehe nur, dass die Verbindung nach Stuttgart weiter Bestand hätte - nicht nur wegen der Antriebspartnerschaft: "Natürlich bleibe ich weiter ein Teil."© Motorsport-Total.com GmbH