HSV-Vorbereitung: Sommertheater und Investoren-Angriff
Nach der Prügelei am Freitag und dem Van-der-Vaart-Theater durch Sponsor Klaus-Michael Kühne sind die Norddeutschen mit Anlauf in die Schlagzeilen gerasselt. Der Schreck muss dem Team wohl noch am Folgetag in den Knochen gesteckt haben: Beim Viertligisten Holstein Kiel gab es am Samstag nur ein dürftiges 1:1. "So kann man nicht auftreten", zürnte Torwart René Adler. "Darüber wird zu reden sein."
Mag sein, dass die Schützlinge von Trainer Thorsten Fink die neue Vereinsphilosophie fehlinterpretiert haben. "Die Spieler waren mir zu zu ruhig, zu brav. Sie haben sich nicht getraut, sich ehrlich die Meinung zu sagen", hatte Sportchef Frank Arnesen die Truppe für ihr mildes Betriebsklima in der vergangenen Saison kritisiert. Auch Fink hatte zu viel Harmonie ausgemacht: "Es bringt dich nicht voran, immer nur lieb zu sein."
Innenverteidiger Slobodan Rajkovic und Offensivspieler Son Heung-Min waren nun nicht mehr lieb. Sie prügelten sich im Training. Son hatte eine Torchance vergeben, Rajkovic fand das mies und brüllte den Koreaner an. Der keifte zurück. Das Ganze endete im Handgemenge mit Fußeinsatz, bei dem der unbeteiligte Mittelfeldmann Tolgay Arslan eine Platzwunde am Kopf erlitt. Die wurde mit vier Stichen genäht. "Positiv gesehen kann man sagen, es ist Leben in der Mannschaft", befand Fink. "Aber so etwas geht gar nicht. Das dürfen wir uns nicht bieten lassen." Rajkovic wurde ins Regionalliga-Team strafversetzt, steht zum Verkauf, Son erhielt eine Geldstrafe. Da kommt der "Friedens-Cup", zu dem der HSV an diesem Montag nach Südkorea reist, gerade recht.
Zeitgleich wurde an einer anderen Front eine Verbalschlacht geschlagen. Sponsor Klaus-Michael Kühne will Millionen Euro locker machen, aber nur dann, wenn seine Intentionen umgesetzt werden. Der 75 Jahre Hamburger Milliardär hat an Rafael van der Vaart einen Narren gefressen und will den Niederländer - "das Herzstück des HSV", wie er meint - partout zurück. Also übte der medienscheue Logistik-Unternehmer mit einer Telefon-Pressekonferenz Druck auf den Vorstand aus und warf ihm mangelndes Engagement vor.
Falls die HSV-Führung seinen Wünschen nicht folgt, will er seinen Anteil am Erlös aus dem Verkauf von Stürmer Paolo Guerrero von rund 1,5 Millionen Euro sofort zurück. Schließlich hatte er vor zwei Jahren 12,5 Millionen Euro in den HSV investiert und dafür anteilige Transferrechte an sechs Spielern erhalten. Für van der Vaart würde er das Guerrero-Geld jedoch reinvestieren und sich am Mammutgehalt des Holländers beteiligen. Das sollen übrigens auch die Fans mit Beiträgen zwischen 50 und 200 Euro, schlägt Kühne vor.
Investoren, gar Besitzer von Vereinen, sind im Profi-Fußball an der Tagesordnung. Wer das Geld gibt, will häufig auch die Richtung vorgeben. Kühne-Kritiker reiben sich die Hände. HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow schaut zwar in leere Vereinskassen, Kühnes Wünschen will er sich aber nicht beugen. "Ich weiß sein Engagement zu schätzen und genauso seine Fantreue. Aber wir lassen uns von niemandem zu etwas drängen und legen Wert auf unsere Eigenständigkeit."
38 Meinungen zu "Sommertheater beim HSV"
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krempelrot
Montag, 16.07.2012, 10:20 Uhr Schickt mal die gesamte Führungsspitze des HSV für ein paar Wochen nach München zu den Bayern, da kann man lernen, wie führe ich einen Proficlub... -
Sunofmay
Montag, 16.07.2012, 08:02 Uhr owlebowle "habt IHR die entscheidenden Spiele gerade gegen uns von der Weser noch immer VERLOREN! Ich sage nur "Papierkugel" ... ROFL" War übrigens eine tolle Saison von Werder damals: 16 Punkte hinter Hamburg, wochenlang Stammkräfte in der Liga geschont für die 3 Duelle im DFB-Pokal und Euro-League, in keinem dieser 3 Spiele die bessere Mannschaft gewesen.... Im Pokal gegen 10 Mann ins Elferschießen gerettet..... In der Euro-L. weiter dank Papierkugel und geklautem Tor für Hamburg.... Darauf kann man als Werder-Fan auch Jahre später noch wirklich stolz sein! -
terraweit
Sonntag, 15.07.2012, 17:59 Uhr Wer es bis jetzt nicht begriffen hat, dass der HSV, nach wie vor, eine dillettantische Führung (Vorstand, Sportchef, Trainer) besitzt, der wird es dann hoffentlich verstanden haben, wenn der HSV nach der neuen Spielzeit endgültig in Liga 2 angekommen ist. Herr Kühne hat absolut Recht (bis auf die Tatsache der geforderten Fanspenden), nur stehen ihm die selbst- herrrlichen, arroganten und sich überschätzenden Herren an der Spitze des HSV im Wege. Das Führungsverhalten ist unverständlich und schade - das sportliche Ende des HSV ist lange eingeläutet! -
ellosch
Sonntag, 15.07.2012, 17:43 Uhr Moin! van der Vaart wäre doch nur eine kurzfristige Angelegenheit. Herr Kühne sollte mal gucken wo der Tellerrand ist und dann mal 'Ausschau' halten. Ich denke, dass die Herren Arnesen & Fink genau wissen was sie tun und die Spieler brauchen sich lediglich an der 'Einstellung' der Dortmunder orientieren. 'HummelHummel' -
Buerste01
Sonntag, 15.07.2012, 17:27 Uhr Ja es ist schlimm mit dem HSV die letzte Zeit Punkt! Und die Häme der grünweißen ja auch verständlich.... aber getreu dem Motto der klügere gibt nach, werd ich die Werderaner besser nicht an ihre Spitzentransfers der letzten Jahre und die vergangene Saison erinnern. Noch weniger an ihr "hübsches" Stadion und die folgende Saison ohne Lebensversicherrung Pizarro, ohne Marin dafür mit Sympathieträgern wie Astronautovic und Co. Soll jeder auf seinen Verein schauen und auf eine gute vor allen Dingen friedliche Saison hoffen. -
Kobelt
Sonntag, 15.07.2012, 17:00 Uhr Na ja, den Blödsinn mit dem FC Hollywood beim FC Bayern hatten sich halt einige Journalisten ausgedacht. Im ersten Moment mal ganz amüsant, weil die Leistungen der Mannschaft auf dem Rasen weit hinter den Vorstellungen (allerdings der gleichen Journalisten) an die Stars zurückblieben. Spätestens ein paar Jahre später war das Gerede vom FC Hollywood aber wie abgestandenes Bier zeigte mir nebenbei bemerkt auch, dass diese Journalisten ziemlich einfallslos sind) und das dieser Spruch jetzt auch auf den HSV angewendet wird macht es kein bisschen besser. Hallo Journalisten, strengt Euch mal ein bisschen. Ihr berichtet über Bundesliga, Champions League und nicht über die Kreisklasse. Da kann man auch von Euch etwas mehr erwarten. Im übrigen sind in Europa und ggf. auch weltweit immer die Mannschaften am bekanntesten, die in der Champions League spielen. Nicht weil die immer so toll ist, sondern weil die Spiele halt in vielen Ländern gezeigt werden. Nicht in allen Ländern natürlich, denn in Deutschland müssen die Zuschauer bis zu einer bestimmten Phase des Wettbewerbs verzichten, denn von ihnen erwartet man, dass sie nicht nur GEZ-Gebühren zahlen, sondern als Abonnenten auch noch einen Obulus an Sky hinlegen. Finde dass immer aufschlussreich, wenn es heißt dieses oder jenes Spiel mit deutscher Beteiligung wird in 120 Länder übertragen, nur bei uns nicht. In den 80er Jahren kannte man deshalb halt europaweit Bayern und den HSV, später Bayern und Werder (insofern müssen die Grün-Weißen ihr Licht auch nicht unter dem Scheffel stellen) und heute halt Bayern und den BVB. Ok , mittlerweile kommen z.B. noch Schalke und evtl. Gladbach hinzu, weil es wegen lauter Geldscheffelei nicht mehr darauf kommt nur die sportlich am besten platzierten Teams in der Champions League spielen zu lassen, sondern möglichst viele Mannschaften.
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