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20.07.2012, 13:57 Uhr

Bayern reisen ohne Lahm und Schweinsteiger nach China

München (dpa) - Ungewohnt energisch hat ein verärgerter Jupp Heynckes den Verzicht auf seine Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger bei der China-Reise des FC Bayern begründet.

Vehement wie noch nie in seiner dritten Münchner Amtszeit wehrte sich der Coach zum Abschluss des Trainingslagers am Gardasee zudem gegen aus seiner Sicht zu negative Beurteilungen und Darstellungen in den Medien. Gleichwohl räumte der 67-Jährige aber auch ein, dass die seit zwei Jahren titellosen Münchner in der neuen Spielzeit mehr bringen müssen.

"Es ist nicht so, dass alles negativ war. Aber ich finde, dass wir die Siegermentalität wieder herauskramen müssen und da muss man mehr für tun als normal", betonte der Coach. "Das hat auch die EM gezeigt: Man darf sich nie zu sicher sein, darf sich nie zufriedengeben, muss immer eine Schippe drauflegen und das müssen unsere Spieler."

In seinem über zehn Minuten langen Eingangsstatement erklärte Heynckes, warum Schweinsteiger und Lahm nicht mit auf die Marketing-Reise nach Asien gehen. "Die Entscheidung bei Bastian hat während der Europameisterschaft bei mir Form angenommen", berichtete Heynckes. Er habe Schweinsteigers EM-Auftritte "sehr ausgiebig und aufmerksam beobachtet. Ich kenne Bastian sehr gut. Man kann vieles ableiten aus den Bewegungen, aus den Gesten, aus der Mimik. Ich habe dann die Schlüsse daraus gezogen." Die Verletzung am Sprunggelenk sei auskuriert, nur ein Nerv mache noch Probleme. "Wenn er eine ganz andere physische Verfassung hat, lässt er den Ballast, den er mit sich geschleppt hat, hinter sich."

Dass Schweinsteiger nicht mitreisen würde, hätten "einige Personen" gewusst, sagte Heynckes. Die Personalie Lahm habe er aber für sich behalten "und ich plaudere nicht"; so konnte er nun damit überraschen. "Philipp hat in den letzten Jahren alle Spiele mitgemacht und hat immer gepowert", begründete der Trainer. Nach der Rückkehr von der China-Reise (22. bis 27. Juli) stoßen beide zum Team - und dann soll an der Titelform für die neue Saison gearbeitet werden. "Auch wenn wir Einiges zu verarbeiten haben, können wir optimistisch in die neue Runde gehen, davon bin ich überzeugt."

Heynckes ärgerte sich darüber, dass kolportiert worden war, Schweinsteiger habe um die Maßnahme gebeten. Zudem kritisierte der frühere Stürmer, "dass heute nur noch bewertet wird, ob man Titel gewinnt. Die Arbeit wird überhaupt nicht bewertet." Die sei nicht schlecht gewesen, nur Borussia Dortmund eben besser.

In einer "umfangreichen Analyse" habe er im Sommer Dinge herausgefunden, die man noch besser machen kann. Darüber hinaus sollen auch die Neuzugänge einschlagen. "Nicht die Namen sind die Bomben, sondern die Leistungen, die die Spieler bringen", erklärte Heynckes. Nicht kommen wird nach aktuellem Stand der defensive Mittelfeldmann Javier Martínez (Athletic Bilbao). Denn die Ablöse ist zu hoch. "Wenn keine Bewegung reinkommt, können wir das nicht machen", sagte Sportvorstand Matthias Sammer bei Sky Sport News HD.

Zuvor hatte sich Heynckes ähnlich geäußert. "40 Millionen sind unanständig. Da geht nicht, das machen wir auch nicht", sagte Heynckes. In der rund 40-minütigen Pressekonferenz nannte der Bayern-Trainer aber auch den Namen eines anderen Spielern für diese Position: Zumindest drückte Heynckes seine generelle Wertschätzung für Lars Bender von Bayer Leverkusen aus - Kontakt haben die Münchner laut Sammer aber keinen.

Den FC Bayern verlassen wird Sportpsychologe Philipp Laux. Wie die Bayern mitteilten erfolgt dieser Schritt aus "familiären und persönlichen Gründen". Der ehemalige Bundesliga-Torwart wird künftig neue Aufgaben beim österreichischen Red Bull-Konzern übernehmen. Der Regionalligist RasenBallsport Leipzig engagierte den 39-Jährigen als Sportpsychologen.

"Ich habe beim FC Bayern eine unglaublich interessante, spannende und erfolgreiche Zeit erleben dürfen, die ich nie vergessen werde", sagte Laux auf der Internetseite des Vereins, "aber ich möchte mich nun neuen, anderen Herausforderungen stellen. Ich danke dem FC Bayern, dass er mir diese Möglichkeit gibt."

Der Verein wollte "seinem persönlichen Wunsch nicht im Wege stehen", sagte Sportvorstand Matthias Sammer. "Ich kenne Philipp noch aus meiner Zeit als Spieler. Ich weiß, dass er beim FC Bayern hervorragende Arbeit geleistet hat. Insofern bedauern wir natürlich seinen Weggang."

Das erste Testspiel in der Vorbereitung auf die neue Saison hat der FC Bayern München verloren. Nach drei Siegen gegen unterklassige Teams unterlag der deutsche Fußball-Rekordmeister zum Abschluss seines Trainingslagers in Italien am Freitag in Arco gegen den SSC Neapel mit 2:3 (1:1). Der Erlös der Begegnung kommt den Erdbeben-Geschädigten in Norditalien zugute.

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42 Meinungen zu "Ohne die Kapitäne nach China"

  • Tantomile
    Sonntag, 21.04.2013, 09:54 Uhr
    Auch gestern wieder ... ein souveräner Sieg der Bayern. In der Bundesliga kann der FCB befreit aufspielen, die Meisterschaft ist in trockenen Tüchern. Don Jupp kann gefahrlos rotieren und Spielern Einsätze geben, die sonst nicht so oft "an den Ball" kommen. Bei aller Freude über die momentane Dominanz ist das Chamions League Halbfinale aber trotzdem eine andere Geschichte. Da fängt man wieder bei 0 an und viele Dinge sind entscheidend. Die eigene Tagesform, die Form des Gegners und vor allem, dass man die Nerven im Griff hat.
  • Selina27
    Montag, 23.07.2012, 13:56 Uhr
    @MikeMolto44, danke für den Kommentar, endlich mal eine Meinung außerhalb vom dümmlichen Stammtisch Gemecker... daraus ließt man Erfahrung und nicht diese billige Meinungsmache der Medien. Ich persönlich finde es gut, dass Lahm und Schweinsteiger in Deutschland bleiben. Aber nicht, um sich auszuruhen, wie es hier in der Überschrift schon wieder falsch dargestellt wird, sondern, um ein spezielles Training zu absolvieren. Wie auch immer das aussehen mag. Ich nehme mal an, die körperliche und seelisch Fitness wird im speziellen überprüft. Herje, ist nicht überraschend und auch nicht tragisch. Jede Entscheidung wird hier verhohnepipelt, alles in die Waagschale geworfen und gerade bei Schweinsteiger die Perfektion vergessen, mit der er in den vergangenen Jahren sau gut gespielt hat. Jetzt gab es dieses Tief und ja, Pech hatte man auch noch, ist aber normal. Passiert! Warum neigen die Deutschen immer gleich zum Katastrophenorakel zu mutieren? Gejammer hier, Genöle da... Diese Titelgeilheit in Dtl. treibt uns regelrecht dazu, Fußball nicht mehr als Sport zu sehen, sondern als Wettlauf ums Überleben. Ich sehe lieber ein Fußballspiel, in dem gekämpft und schön gespielt wird, tolle Tore fallen, Kampf- und Teamgeist zu sehen ist, als langweilige Spiele, wo nur die Punkte am Ende zählen, nicht die Tore. Wie kann ein Elfmeter über ein komplettes Spiel entscheiden? Das ist wie eine Abiprüfung, jahrelang perfekte Noten, in der Abiprüfung ein Blackout und Pech gehabt. Das ist Fußball. Das Punktesystem muss viel flexibler werden, sodass die Leistungszählung mehr wiegt als Punkte. Wenn zwei Mannschaften 4:4 spielen und nur 1 Punkt erhalten, finde ich das nicht fair und nicht aussagekräftig. So passiert es dann eben, wie in der EM gesehen, dass manche Manschaften ne gemütliche Kugel schieben. 1:1 reicht ja... Das ist kein Fußball, den ich sehen will. Ich bin gespannt auf die kommende Saison und auch auf die Rückkehr von Schweinsteiger. Er wird wieder brillieren, davon bin ich überzeugt. Ich bin kein FCB Fan, nur ein Fußballfan, und Schweinsteiger gehört mit zu den Besten in Dtl. Um die Qualität wieder zu erlangen, ist ein verpasster China Trip hinnehmbar. Es ist sogar vorbildlicher dann zu Hause zu bleiben und sich wieder fit zu machen.
  • klausznn
    Samstag, 21.07.2012, 16:32 Uhr
    k
  • MikeMolto44
    Samstag, 21.07.2012, 13:10 Uhr
    Hallo @Multifighter ( Post Seite 5), ich kann deine Analyse nicht ganz bestätigen. Als Grund für den Verlust der DFB-Meisterschaft sehe ich 2 Heimspiele des FC Bayern München e.V. an. Borussia Dortmund UND Borussia M’Gladbach haben IN München (jeweils 1:0!)gewonnen – nicht weil sie den FCB (D) an die Wand gespielt haben, NEIN, weil sie wussten, dass der FC Bayern letzte Saison nicht über die spielerischen Mittel verfügte, gegen ein gut organisiertes Abwehr-Bollwerk zu punkten. Mathematischer Beweis: Betrachtet man die Schlusstabelle der Saison 2011/12: BVB - 81 Punkte, der FCB (D) – 73 Punkte! Nach Adam Riese wären es, wenn die 2 Heimspiele gewonnen worden wären, 6 Punkte mehr für den FCB – ERGO -3 Punkte weniger für den BVB. Fußball ist ein einfaches Spiel, auch mathematisch gesehen. Auch das CL-Endspiel wurde mit ähnlichen Kriterien vom FC Chelsea gewonnen, ob verdient oder unverdient, sollte nicht der Diskussionsgrund sein. PS: Die Weltklasse-Spieler, die dem BVB09 (lt. Uli Hoeneß) fehlen, spielten letzte Saison offensichtlich auch nicht in München. Es gibt zweifelsohne fußballerisches Potential in Deutschland, aber mangelnde Geduld und Titelgeilheit (vielleicht auch mangels eines flexiblen Spielsystems), behindert so manches Talent in Deutschland daran, sich frei zu entwickeln. So meine Meinung, ich bin ein BVB09-Fan, aber auch ein Fußballfan allgemein.
  • burost3
    Samstag, 21.07.2012, 12:52 Uhr
    Was für Vorbilder? die Führung darf sich entschuldigen. Es gibt nur zwei Leute ob in der National-Elf oder bei Bayern. Über die Leistungen anderer werden wenige Worte verloren die müßen ran, ohne Ausreden. Und Schweinsteiger hätte halb soviel Verletzungen wenn er selbst die Gegner nicht so oft Faulen würde. Ja-Profis können sich das halt leisten!!

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