Wolfsburg (dpa) - Der erste Auftritt von André Schürrle war eines Top-Stars würdig. Bei seiner Vorstellung beim VfL Wolfsburg ließ sich der 32-Millionen-Euro-Neuzugang reichlich Zeit und trat erst mit 32 Minuten Verspätung vor die über ein Dutzend TV-Kameras.

"Ich bin voller Tatendrang. Die Lust ist unheimlich groß", verkündete der 24 Jahre alte Weltmeister wenig später. Schürrle genoss das Blitzlichtgewitter der zahlreichen Fotografen und das Interesse an ihm sichtlich. Beim FC Chelsea war er unter Trainer José Mourinho zuletzt nur noch zweite Wahl, den Bundesligazweiten soll er in dieser Saison in die Champions League schießen.

"Der Transfer passt in die Aktivitäten der letzten zwei Jahre. Es ist die logische Konsequenz unseres Ansatzes, die Mannschaft qualitativ zu verbessern", sagte VfL-Sportchef Klaus Allofs. Ob der bisherige Chelsea-Reservist die hohen Erwartungen angesichts der Clubrekord-Ablöse erfüllen kann, muss Schürrle noch beweisen. Zuletzt hatte es aus der Liga Kritik am hohen Investment des VW-Clubs gegeben. Dem trat Allofs vehement entgegen: "Ich glaube, dass ein Engagement in dieser Höhe Sinn macht. Ich glaube nicht, dass wir den Rahmen sprengen, wenn man sich den internationalen Markt anschaut."

Allofs nahm der Wolfsburger Konkurrenz um die Champions-League-Plätze auch die Illusion, dass nach Luiz Gustavo (16 Millionen Euro) im Sommer 2013, Kevin De Bruyne (22 Millionen Euro) im Januar 2014 und nun Schürrle das Ende der Transferoffensive erreicht sei. "Wir wollen die Mannschaft weiter punktuell verstärken", kündigte Allofs an. Noch größere Transfers können folgen: "Da wird die Luft jetzt dünner. Wir sind inzwischen so gut besetzt, dass die Verstärkungen, die man der Mannschaft noch zufügt, sich auf sehr hohem Niveau bewegen."

Vielleicht erreichte genau dieses VfL-Konzept, dass Schürrle sich nach eigener Aussage "voll überzeugt" von Wolfsburg zeigte. Zudem gab auch Bundestrainer Joachim Löw sein 'Okay'. "Er war voll dabei. Er sagte, da wächst was zusammen. Deswegen hat der Bundestrainer gesagt: Ich kann das machen", berichtete Schürrle.

Volkswagen macht offenkundig Ernst, um sich dauerhaft nicht nur in der nationalen, sondern auch der europäischen Spitze zu etablieren. "Die Ziele sind klar definiert: Wir wollen langfristig in Europa mitmischen", sagte VfL-Aufsichtsratschef und VW-Vorstand Francisco Javier García Sanz der "Sport Bild". Dafür soll nach Möglichkeit auch demnächst mit Topstar De Bruyne vorzeitig verlängert werden - gegen ein noch üppigeres Jahressalär natürlich.

Dabei läuft der Vertrag mit dem Belgier noch bis 2019. Doch die Top-Leistungen des 23-Jährigen in den vergangenen Monaten haben offensichtlich das Interesse einiger Top-Clubs geweckt. "Grundsätzlich hat Kevin noch einen langfristigen Vertrag. Aber wenn eine Entwicklung außergewöhnlich ist, kann es durchaus sein, dass man sich zusammensetzt und die Rahmenbedingungen anschaut", sagte Allofs nach dem 1:1 am Dienstag in Frankfurt.

Die Partie verdeutlichte, warum die Niedersachsen trotz der 4:1-Gala gegen den FC Bayern zum Rückrundenauftakt noch kein Bayern-Jäger sind. "Das am Freitag war ein absoluter Sahnetag. Den hat man nur einmal in der Saison", meinte VfL-Trainer Dieter Hecking am Mittwoch.

Um die selbst geweckten Erwartungen künftig bestätigen zu können, wurde Schürrle von den Kameraden freudig empfangen. "Unsere Führungsspieler haben gesagt: Das ist gut. Das ist noch mal die Qualität, die uns näher an die Champions-League-Plätze heranbringt", berichtete Hecking, der aber noch offen ließ, ob Schürrle am Samstag gegen Hoffenheim von Beginn an spielt. Schürrle wäre bereit: "Ich weiß, was ich kann. Ich bin immer noch selbstbewusst und voller Tatendrang. Ich will Fußball spielen. Das konnte ich zuletzt nicht."© dpa