Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusens Flügelflitzer Karim Bellarabi ist seit seiner Rückkehr zum Werksclub ein begehrter Mann - für Nationaltrainer. Deshalb hat Bayer-Sportdirektor Rudi Völler den schnellen Offensivspieler indirekt Bundestrainer Joachim Löw noch einmal empfohlen.

"Ich weiß, dass der marokkanische Fußball-Verband ihn will. Nationaltrainer Badou Zaki war bereits in Leverkusen", warnte Völler via "Sport Bild" vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Benfica Lissabon.

Für Löw ist Bellarabi, der neunmal für deutsche U20- und U21-Mannschaften spielte, kein unbekannter. "Er ist auf unserem Radar und das schon seit längerer Zeit", hatte der DFB-Teamchef unlängst erklärt. Da es dem Weltmeister angesichts der namhaften Riege um Götze, Müller, Reus oder Schürrle gerade an Offensivkräften nicht mangelt, hat Löw wohl noch nicht beherzt zugegriffen.

Mit Blick auf diese beeindruckende Konkurrenz vertagte auch Bellarabi selbst, immerhin schon im fortgeschrittenen Fußball-Alter von 24 Jahren, seine Entscheidung. Der gebürtige Berliner ist Sohn einer deutschen Mutter und eines marokkanischen Vaters - außerdem hat er noch einen ghanaischen Stiefvater. Bayer will sich bei der Länderwahl nicht einmischen. "Das muss er selbst entscheiden", sagte Völler, der Bellarabi dabei in einer "komfortablen Situation" wähnt.

Der Bayer-Sportchef hätte hingegen beinahe eine falsche Entscheidung in Sachen Bellarabi getroffen, der 2011 von den Leverkusenern engagiert wurde, sich aber zunächst nicht durchsetzen konnte. Mit seinen Treffern im März 2012 gegen Bayern München und dem Tor bei seiner Champions-League-Premiere beim FC Barcelona (1:7) machte er kurz auf sich aufmerksam. In den zwei Spielzeiten nach seinem Wechsel von Eintracht Braunschweig zu Bayer kam er jedoch nur auf 18 (Kurz-)Einsätze. Daraufhin wurde Bellarabi zu den Niedersachsen ausgeliehen, die unter seinem Förderer Torsten Lieberknecht in die Bundesliga aufgestiegen waren - und gleich wieder abstiegen.

Als Anfang der Saison 2014/15 seine Rückkehr an den Rhein bei Bayer und mit dem neuen Cheftrainer Roger Schmidt diskutiert wurde, war keineswegs klar, ob Bellarabi einen Platz in dem mit rund 30 Millionen Euro erneuerten Kader finden würde. Bayer-Vereinschef Michael Schade verhehlte nicht, dass es "unterschiedliche Meinungen" über den Rückkehrer gab. Nach dem starken Comeback des Fußball-Sprinters - nach Messungen soll er schon mal 34,95 km/h schnell gewesen sein - möchte Schade den bis 2015 datierten Vertrag mit Bellarabi gern und rasch verlängern.

"Karim hat von der ersten Sekunde der Saison an sehr stark gespielt, ist in einem guten Zustand und hat für Aufmerksamkeit gesorgt", sagte Schmidt in Anspielung auf Bellarabis Liga-Rekordtor. Am ersten Spieltag erzielte er bei Borussia Dortmund nach neun Sekunden das 1:0. "Ich hoffe, dass er im mittleren Fußball-Alter, in dem er jetzt ist, noch einen richtigen Leistungssprung machen kann", sagte der Chefcoach. Die Herausforderung sei, dass er das, was er auf dem Platz mache, konstant zeige.

"Im Moment sieht es so aus", urteilte Schmidt, der in Bellarabi einen herausragenden Protagonisten seines modernen Tempo- und Eroberungsfußballs hat. "Er hat die Spielidee zu seiner Spielidee gemacht und setzt seine Schnelligkeit für Balleroberung und Gegenpressing gut ein", freut sich der Trainer. "Da sieht man, dass man als Spieler viel facettenreicher, komplexer und für eine Mannschaft wertvoller werden kann."© dpa