München (dpa) - Nach einem langen Anlauf hat Jerome Boateng dem FC Bayern München doch noch einen erfolgreichen Start in die Champions League beschert. Der herausragende Weltmeister erzielte in der 90. Minute den umjubelten Treffer zum hoch verdienten 1:0 (0:0) gegen Manchester City.

Zuvor hatte der deutsche Fußball-Meister eine Vielzahl an Tormöglichkeiten vergeben, war dabei aber auch mehrfach am guten City-Torwart Joe Hart gescheitert. Zum elften Mal nacheinander gelang den Bayern damit ein Auftakterfolg in der europäischen Königsklasse.

"Wir sind glücklich, dass wir uns in der harten Gruppe im ersten Spiel durchgesetzt haben", meinte Bayern-Trainer Pep Guardiola im TV-Sender Sky. Der Spanier, der nach dem Treffer den Torhelden Boateng wild umarmte und liebkoste, ist überzeugt: "Diese Gruppe wird sich erst am allerletzten Spieltag entscheiden." Deshalb meinte auch Matchwinner Boateng: "Es war super wichtig zu gewinnen. Das war ein hartes Stück Arbeit. Am Ende haben wir verdient gewonnen."

"Ich liege mit einem Lächeln im Bett"

Verteidiger erzielt Last-Minute-Tor gegen Manchester City.

Thomas Müller hatte vor Boateng einige Chancen zur Führung vergeben, doch er nahm das gelassen: "Solange die Mannschaft gewinnt, liege ich heute Abend mit einem Lächeln im Bett."

Der Sieg vor 68 000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena war umso wichtiger, da auch der AS Rom mit einem 5:1-Kantersieg gegen den ersten Münchner Auswärtsgegner ZSKA Moskau in die knifflige Gruppe E starten konnte.

Wie groß der Respekt von Guardiola vor dem englischen Meister war, drückte sich in seiner Aufstellung aus. Mit einem dichten Mittelfeld mit dem nach sechs Wochen von einem Bänderriss wiedergenesenden Rafinha, Philipp Lahm, Xabi Alonso und Juan Bernat versuchte er, das Zentrum zu kontrollieren und Manchesters Offensivwucht zu dämpfen. Dahinter postierte er eine Dreierkette mit 26-Millionen-Einkauf Mehdi Benatia, der sein Bayern- und Champions-League-Debüt gab, Boateng und David Alaba.

Früher Treffer war möglich

Der Matchplan von Guardiola wäre beinahe schon wenige Sekunden nach dem Anpfiff aufgegangen. Nach 38 Sekunden setzte Müller nach schöner Kombination mit Mario Götze und Robert Lewandowski den Ball ans Außennetz.

Nach dem frühen Aufreger sahen die Zuschauer zunächst einen zerfahrenen Beginn auf beiden Seiten. "Wir hatten Probleme mit der Ballkontrolle, deshalb haben wir von der Dreier- auf die Viererkette umgestellt", berichtete Guardiola später.

Das zahlte sich aus. Nach einer Viertelstunde bekam das Bayern-Spiel mehr Struktur. Mit kontrolliertem Offensivspiel und vielen Positionswechseln kam der deutsche Champion immer wieder zu Abschlüssen gegen die starke Deckung der Gäste.

Einziges Manko: die schwache Chancenverwertung. Vor allem City-Keeper Hart erwies sich mehrfach als unüberwindbar. So scheiterte Müller (19.) per Kopf nach Flanke des offensiv starken Bernat an dem Torhüter. Auch gegen Götze (21.) nach Müller-Zuspiel war der englische Nationalspieler zur Stelle.

Hart pariert glänzend

Alabas (32.) Fernschuss parierte Hart ebenfalls glänzend, eine Minute zuvor hatte der Österreicher in Bayern-Diensten beinahe von der selben Stelle knapp verzogen. Lewandowski (36.) traf wenig später aus spitzem Winkel nur das Außennetz.

Das Offensivspiel von Manchester, dessen Trainer Manuel Pellegrini wegen einer Sperre die Partie von der Tribüne aus sah, bestand hingegen vor allem auf dem Ex-Wolfsburger Edin Dzeko, der in der 13. und 22. Minute zweimal vor dem Tor von Manuel Neuer gefährlich auftauchte.

Auch nach der Pause diktierten die Münchener das Spiel, doch fehlte ihnen die letzte Tor-Gier. Nur Götze (55.) und Bernat (60.) kamen aussichtsreich zum Schuss. Von Manchester war zunächst nach vorn kaum etwas zu sehen. Erst in der 63. Minute meldete sich ManCity wieder im Strafraum der Gastgeber bei einem Flugkopfball Jesus Navas.

In der Schlussphase wollte Bayern-Trainer Guardiola mit den Einwechselungen der Offensivkräfte von Arjen Robben und Claudio Pizarro den Sieg erzwingen. Doch die Erlösung schaffte ausgerechnet Bayerns Abwehrchef Boateng mit einem Traumschuss.© dpa