Nach sieben Spieltagen ist Borussia Dortmund am Tiefpunkt angekommen. Mit lediglich sieben Punkten liegt der selbsternannte Bayernjäger auf dem 13. Tabellenplatz - zehn Punkte hinter den Münchnern. Jürgen Klopp muss seine Mannschaft jetzt aus der Krise führen. Der BVB-Trainer zeigt sich vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln optimistisch. Zurecht?

"Der Rest der Saison beginnt jetzt. Wir wollen dranbleiben", kündigte Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp im Gespräch mit der dpa an. Nach vier Niederlagen, einem Remis und lediglich zwei Siegen aus den ersten sieben Partien wollen die Dortmunder nach der Länderspiel-Pause verbessert in der Fußball-Bundesliga auftreten. Tatsächlich sprechen vor dem Auswärtsspiel am Samstag beim 1. FC Köln einige Anzeichen für eine wiedererstarkte Dortmunder Elf.

BVB-Trainer lässt Verletztenliste nicht als Ausrede für Krise gelten.

Wichtige Spieler kehren zurück

Nachdem die Borussia in den vergangenen Wochen und Monaten mit einer außergewöhnlichen Verletzungsserie zu kämpfen hatte, kehren am Wochenende einige zuvor angeschlagene oder verletzte Spieler in den Kader zurück. Unter anderem stiegen während der Woche Marco Reus, Henrich Mchitarjan, Shinji Kagawa, Sven Bender, Sebastian Kehl und nach 14 Monaten auch Ilkay Gündogan wieder ins Training ein. "Alle sind auf einem guten Weg", stellte Klopp auf einer Pressekonferenz am Donnerstag fest. Beim 3:2-Testspielsieg gegen den Regionalligisten Viktoria Köln am Dienstag stand ein Großteil der Rekonvaleszenten wieder auf dem Platz. Reus und Mchitarjan schossen jeweils ein Tor. Insbesondere das Comeback von Gündogan, der wegen eines entzündeten Nervs im Rücken zuletzt am 10. August 2013 in der Bundesliga zum Einsatz kam, wird nicht nur vom Verein sehnlichst erwartet. "Er hat richtig Bock zu spielen. Das sieht man jeden Tag", sagte Teamkollege Kevin Großkreutz dem Fachmagazin "kicker".

Klopp vertraut auf seine Rückkehrer, warnt allerdings bei allem Optimismus vor überhöhten Erwartungen. "Sie sind wieder da, aber wir werden nicht automatisch Spiele gewinnen, nur weil jetzt andere Namen auf dem Aufstellungsbogen stehen", meinte der Coach.

Sehnsucht nach Reus

Sehnsucht nach Reus - Nationalspieler vor Rückkehr ins BVB-Team © SPIEGEL ONLINE

Nationalspieler profitierten von ihren Einsätzen

Besonders freute sich Klopp darüber, dass die Dortmunder Nationalspieler ihre Länderspiele ohne größere Blessuren überstanden haben. "Alle sind einen Schritt weiter. Die körperliche Robustheit hilft den Spielern, um einen besseren Zugriff auf die Festplatte zu bekommen", sagte der Trainer am Donnerstag. Das gelte vor allem für Mats Hummels, der ebenso wie Erik Durm für die deutsche Nationalelf in der EM-Qualifikation gegen Polen (0:2) und Irland (1:1) zum Einsatz kam: "Mats haben die Spiele mit der Nationalmannschaft gut getan", sagte Klopp.

BVB-Boss Watzke nennt Holper-Start "Anhäufung von Missverständnissen".

Gleichzeitig nutzte er die Länderspielpause um sich intensiv mit den verbliebenen Akteuren zu beschäftigen. Taktische Übungen waren aufgrund der dünnen Personaldecke nur beschränkt möglich. Dafür arbeitete Klopp verstärkt auf der psychologischen Ebene. Um die verunsicherten Spieler aufzubauen, führte er zahlreiche Einzelgespräche mit den Profis. Die Chefetage nahm dies wohlwollend zur Kenntnis. Zweifel, dass Klopp die Mannschaft aus der Krise führen kann, bestehen offensichtlich nicht. "Er weiß genau, was er zu tun hat", sagte Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung, der Zeitung "Die Welt".

Fans stehen weiterhin zu ihrem Team

Auch die Fans stärken der kriselnden Mannschaft und dem Trainer in dieser schwierigen Phase den Rücken. Eine noch größere Verunsicherung wird so verhindert. Die üblichen Reflexe, die in der Bundesliga häufig auf eine sportliche Misere folgen, sind in Dortmund nicht zu beobachten. Jürgen Klopp wurde von den Anhängern zu keiner Zeit in Frage gestellt. Stürmer Ciro Immobile zeigte sich positiv überrascht über das Verhalten der Fans: "Mir war bekannt, dass sie immer die Mannschaft unterstützen. Ich hätte jedoch niemals gedacht, dass dies in einem so unglaublichen Ausmaß geschehen würde", sagte er der "Bild".