Darmstadt (dpa) - Wie groß der Druck und die Unruhe beim FC Schalke 04 mal wieder sind, ließ sich am besten am Verhalten von Ralf Fährmann ablesen. Mehr als 80 Meter lief der königsblaue Torwart aus seinem Kasten, um das wichtige erste Tor seines Team gegen den SV Darmstadt 98 zu feiern.

Am Ende stand ein wenig überzeugender, aber enorm erleichternder 2:0 (1:0)-Sieg beim Bundesliga-Aufsteiger. "Druck ist immer da, aber den haben wir heute besonders gut gemeistert. Dieser Sieg ist enorm wichtig. Wir können stolz auf uns sein", sagte Mittelfeldspieler Johannes Geis.

Besonders wichtig war das Ergebnis für Schalkes Trainer André Breitenreiter. Über dessen Arbeit war nach der 1:3-Niederlage gegen Werder Bremen besonders heftig diskutiert worden, er selbst sprach sogar von "Rufschädigung". Doch da der ambitionierte Club nach diesem Erfolg wieder Tabellenfünfter ist und nur einen Punkt Rückstand auf einen Champions-League-Platz hat, dürfte der 42-Jährige zumindest in den nächsten Tagen wieder etwas ruhiger weiterarbeiten.

"Wir sind sehr zufrieden, dass wir die verlorenen Punkte aus der letzten Woche zurückgeholt haben. Großes Kompliment an die Mannschaft", sagte Breitenreiter nur. Um ihn selbst sei es gar nicht gegangen, jeder Frage zu seiner Person wich er nach dem Spiel aus. Stellung bezog auch hier nur Geis: "Wenn man sieht, wie wir heute gespielt haben, erübrigt sich die Diskussion", sagte er. "Jeder tritt für jeden ein. Der Trainer erreicht uns. Wenn er uns nicht erreichen würde, hätten wir heute nicht so ein Spiel abliefern können."

Trotzdem ist es durchaus pikant, wer dieses Spiel vor 17 000 Zuschauern entschied. Das wichtige 1:0 (43. Minute) erzielte Maximilian Meyer selbst. Beim 2:0 durch Leroy Sané (53.) leistete der 20-Jährige die Vorarbeit. Die Debatte über das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer war auch deshalb so hochgekocht, weil Meyer gegen Bremen so ungehalten auf seine Auswechselung reagiert hatte. Am Samstag musste er wieder vorzeitig raus, aber diesmal lag das an einem stark angeschwollenen Knöchel. "Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist. Er hat heute gezeigt, welche großen Qualitäten er besitzt", sagte Breitenreiter.

Der Trainer hatte auf die Unruhe der vergangenen Tage mit Nachsicht und Härte reagiert. Auf der einen Seite vertraute er jener Elf, die gegen Bremen so einbrach - und damit auch Meyer. Auf der anderen Seite strich er Stürmer Franco di Santo aus dem Kader.

Am Ende wurde diese Partie nur durch die individuelle Klasse von Spielern wie Meyer und Sané entschieden. Schalke hatte sie, Darmstadt nicht. Die Gäste waren zwar von Beginn an überlegen, wirkten aber bis zu ihrem Führungstor noch stark verunsichert und ideenlos. Bei den "Lilien" verhielt es sich umgekehrt. Solange es 0:0 stand, stimmten der Einsatz, das Zweikampfverhalten und das Konterspiel. Nach je einem Gegentor kurz vor und kurz nach der Pause kam vom Aufsteiger nichts mehr. Schalke hätte danach noch höher gewinnen können.

"Wir waren heute nicht in der Lage, dem Spiel noch eine Wende zu geben", meinte Trainer Dirk Schuster. Er kritisierte das "schlampige Passspiel" seiner Mannschaft und auch "Standards, die eher als U-Boot unterwegs waren". Doch unter dem Strich "ist es für mich die normalste Sache der Welt, gegen eine Mannschaft zu verlieren, die Champions-League-Erfahrung hat und mit Nationalspielern gespickt ist".

Einen Schockmoment gab es während der zweiten Halbzeit im Darmstädter Fanblock: Dort brach ein Anhänger der "Lilien" zusammen, er musste von einem Notarztteam zunächst reanimiert und dann ins Krankenhaus gebracht werden. Beide Fangruppen stellten zeitweise alle Gesänge und Anfeuerungsrufe ein. Als der Mann ins Krankenhaus transportiert wurde, standen hunderte Zuschauer auf und applaudierten.

Spieldaten

Ballbesitz in %: 37,7 - 62,3

Torschüsse: 6 - 11

gew. Zweikämpfe in %: 56,7 - 43,3

Fouls: 13 - 20

Ecken: 2 - 9

Quelle: optasports.com© dpa