José Mourinho wird so schnell nicht mehr nach Deutschland kommen, Thomas Müller macht alles wieder gut, Jürgen Kramny ist der schwäbische Jesus und Markus Weinzierl baut Luftschlösser. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Fußball-Bundesliga.

1. Erkenntnis: Nochmal kommt José Mourinho nicht nach Deutschland

Selten hat man Hans-Joachim Watzke so glücklich gesehen wie an diesem Samstag auf der Tribüne beim Spiel seiner Borussia Dortmund gegen Hertha BSC. Und das lag nicht etwa an der Leistung des BVB, sondern an dem Mann, der da neben ihm auf der Tribüne saß: José Mourinho.

Der Portugiese hat seit seinem Abschied vom FC Chelsea offenbar Zeit und Langeweile. Diese Langweile lässt ihn wohl langsam verzweifeln. Sonst hätte er sich kaum von seinem Freund Aki Watze zum Besuch der Nullnummer zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund überreden lassen. Wie sehr Mourinho seine Entscheidung mit jeder gespielten Minute bereute, sah man ihm an der Nasenspitze an.

Wobei, eigentlich hätte ihm zumindest das zerstörerische Defensivspiel der Hertha gefallen müssen. Schöner hat auch der FC Chelsea nur selten gespielt.

Fußballfans werfen Steine auf Polizisten - 23 Beamte verletzt.

Watzke jedenfalls merkte nicht, dass sein Gast äußerst unbeeindruckt neben ihm saß. Der BVB-Boss grinste fröhlich vor sich hin und rauchte seinen Halbzeit-Zigarillo, während Anti-Raucher Mou neben ihm angewidert das Gesicht verzog. Eine Freundschaft, die auf den Betrachter doch eher einseitig wirkte.

Wir halten es daher für äußerst unwahrscheinlich, dass Mourinho noch einmal freiwillig ein Spiel der Bundesliga besuchen wird - weder als Trainer noch auf Einladung von Watzke. Aber wer weiß, vielleicht löst er nächste Woche ja Thomas Tuchel ab? Dann werden wir natürlich leugnen, diesen Absatz je geschrieben zu haben.

2. Erkenntnis: Thomas Müller macht alles wieder gut

Was mussten sich die Bayern-Verantwortlichen in den vergangenen Tagen über die böse Presse aufregen. Matthias Sammer drohte mit Klagen und Pep Guardiola befand, es sei ja ohnehin egal, was ein Trainer sage, die Presse schreibe, was sie wolle. Peps Konsequenz, die nun allerdings nicht besonders neu ist: Er sagt kaum was. Und Interviews gibt er ja eh nicht.

FC Bayern geht torlos aus der Partie gegen Bayer Leverkusen.

Neu ist allerdings, dass die Bayern nach dem müden 0:0 bei Bayer 04 Leverkusen (Rechtfertigung für Herrn Sammer: Wenn nur ein Ball im ganzen Spiel auf das gegnerische Tor geht, dann darf man von "müde" sprechen. Also verklagen Sie uns bitte nicht!) zu äußerst perfiden Tricks greifen, um die Journaille nur ja nicht mit neuem Stoff für bösartige Artikel zu versorgen: Sie schicken Thomas Müller.

Den Mann also, dem niemand böse sein kann; der selbst nach einem Mord jedem Richter mit seinem schiefen Grinsen einen Freispruch abluchsen würde; der einzige Mann, der noch zwischen den verhärteten Fronten vermitteln kann.

Und wie er vermittelt! Sein Statement beginnt mit einer leichten Schelte. Die Medienlandschaft versuche, ein bisschen was zu inszenieren, meint er. Aber nur ein bisschen was. Also nicht so viel, dass man da schon böse sein müsste. Puh, denkt da der Journalist. Der Müller hat uns also noch lieb.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel fiel wenig euphorisch aus.

Die Mannschaft sei ohnehin ganz entspannt, erzählt Müller weiter und der Journalist entspannt sich gleich mit. Und dann endet Müller: "Ich verstehe ja auch, dass Restdeutschland sich vielleicht die Bundesliga mit einem kleineren Punktabstand wünscht zwischen Platz eins und zwei." Dann grinst er schief und alles ist wieder gut. Ärger beim FC Bayern? Haben wir nie behauptet!

3. Erkenntnis: Jürgen Kramny ist der schwäbische Jesus

Achtung, jetzt wird's theologisch leicht problematisch. Wer also verletzungsanfällige religiöse Gefühle hat, möge uns den nächsten Absatz vergeben. Vergebung ist ja etwas grundlegend Christliches.

Nachdem am Mittwoch die Fastenzeit beginnt und damit schon fast wieder Ostern ist, kann man ein bisschen biblisch werden, finden wir.

Vor allem weil uns der VfB Stuttgart derzeit doch arg an die Bibelgeschichte von Lazarus erinnert. Wir können uns richtig vorstellen, wie die Auferweckung der Schwaben zu biblischen Zeiten ausgesehen hätte:

Als Jürgen Kramny und sein Trainingsteam zur ersten Mannschaft des VfB Stuttgart kamen, lag die Motivation der Spieler schon seit vier Tagen im Grab.

"Der VfB wird auferstehen!", versicherte Jürgen dem trauernden Sportdirektor Robin Dutt.

"Ja, ich weiß", sagte Robin, "am letzten Tag, durch ein glückliches Tor in der Relegation. Wenn Gott will".

Darauf erwiderte Jürgen: "Ich bin der neue Trainer und ich bin das Leben. Wer mir vertraut, der wird leben, selbst wenn er stirbt."
Dann rief er laut: "Spieler, kommt heraus!"

Und die Spieler kamen heraus. Die Fußballschuhe noch nicht geschnürt und die Köpfe hängend. Da forderte Jürgen: "Schnürt euch die Schuhe und pack ma's!".

Da war die Motivation wieder da und der VfB Stuttgart arbeitete sich durch einen 4:2-Sieg bei Eintracht Frankfurt auf den elften Tabellenplatz vor.

Genau so muss es gewesen sein.

4. Erkenntnis: Weinzierl will in einer besseren Welt leben

"Fußball sollte gerecht sein", behauptete Markus Weinzierl nach der dezent unglücklichen Niederlage seines FC Augsburg beim FC Ingolstadt. Ein netter kleiner Gedanke, der direkt aus einer rosaroten Wölkchenwelt zu stammen scheint.

Hamburg trennt sich nur remis vom 1. FC Köln.

Einer Welt, in der es keine Schiedsrichter braucht, weil die Spieler immer sofort sagen, ob sie gefoult wurden oder nicht, oder mit der Hand am Ball waren, oder über ihre eigenen Beine gestolpert sind; in der den FC Bayern und den Rest der Tabelle nur drei und nicht acht Punkte trennen; in der Til Schweiger nicht zum Sport1-"Doppelpass" eingeladen wird; in der in Topspielen tatsächlich Tore fallen.

Einer Welt also, in der wir wirklich gerne leben würden. Vielleicht lädt uns Markus Weinzierl ja mal ein, wenn er sie gefunden hat.

Bundesliga: alle Ergebnisse in der Übersicht

Bundesliga: die Tabelle