Pep Guardiola vertraut in der heißen Phase der Saison immer mehr jenen Spielern, auf die er auch in den Spielzeiten davor setzen konnte. Mario Götze oder Sebastian Rode gehören da momentan nicht dazu. Denn selbst der Fußball-Purist Guardiola ordnet dem Erfolg letztlich alles unter.

Die Messlatte hat Pep Guardiola dieses Mal selbst hoch gelegt. "Die wichtigste Woche der Saison" rief der Katalane vor den drei Vergleichen in der Bundesliga gegen Wolfsburg, Mainz und Dortmund aus.

Die drei Spiele in acht Tagen dürften über den Ausgang der deutschen Meisterschaft entscheiden, besonders der Vergleich mit dem BVB am Samstag ist geradezu prädestiniert, um die Verhältnisse in der Bundesliga noch einmal mit Nachdruck klarzustellen.

Guardiola hat es ja immer geschickt vermieden, vom Triumph in der Champions League zu sprechen oder gar vom Triple - obwohl das von ihm seit fast drei Jahren stillschweigend erwartet wird.

Allenfalls sei die vierte Meisterschaft in Folge das nächste große Ziel, besonders aber die Weiterentwicklung der Mannschaft. "Titel sind nur Nummern", hat er noch in der Winterpause erzählt.

Sebastian Rode ist außen vor

Nach den Vergleichen mit Juventus in der Königsklasse ist das Spiel gegen Borussia Dortmund am Wochenende das nächste große Ding in einer Saison, die für den Rekordmeister jetzt erst so richtig Fahrt aufnimmt.

Das Leben in Haft soll aus Hoeneß einen anderen Menschen gemacht haben.

Dortmund ist der letzte ernsthafte Kontrahent und Stolperstein auf dem Weg zum historischen vierten Meistertitel in Folge. Dazu wäre es für Guardiolas Wirken in München durchaus statthaft, dem aufkommenden Konkurrenten in seinem letzten Spiel noch einmal die Grenzen aufzuzeigen und das Revier klar abzustecken.

Der Druck nimmt merklich zu in München. Und er fordert derzeit seine ersten "Opfer". Sebastian Rode ist eines davon. Der Mittelfeldspieler hat im letzten Vierteljahr kaum noch Einsatzzeiten bekommen und stand in der kompletten Saison erst ein einziges Mal von Beginn an auf dem Platz.

Rode scheint für den Trainer in den wichtigen Spielen keine echte Option (mehr) zu sein, für den ehemaligen Frankfurter dürften allenfalls noch ein paar Einsätze in der Endphase der Bundesliga-Saison drin sein, wenn die Bayern es unter Umständen wie in den Jahren davor ausklingen lassen können.

Mario Götze schmort - Franck Ribery spielt

Mario Götze ist auch so ein Problemfall. Der Nationalspieler ist nach seinem Sehnenausriss im Adduktorenbereich längst wieder fit, trainiert seit vier Wochen wieder mit der Mannschaft und stand nun auch schon ein paar Mal im Kader. Gespielt hat Götze aber nach seiner Verletzung keine Minute.

"Mario hat gut trainiert, aber hat eben noch keinen Rhythmus", erklärte Sportvorstand Matthias Sammer die Nichtberücksichtigung Götzes nach dem 2:0 in Wolfsburg am Wochenende. Guardiola wird ganz sicher Gründe dafür haben, Götze zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wieder einzusetzen.

Auf der anderen Seite kann der Spieler aber auch nur Rhythmus und Sicherheit zurückgewinnen, wenn er auch spielen darf. Und gespielt hat Götze nun schon seit fast fünf Monaten nicht mehr.

Pikanter wird die Konstellation gewiss auch dadurch, dass etwa Franck Ribery in den ersten Spielen nach dessen langer Verletzung sofort zündet. Der Franzose stieß in etwa zeitgleich mit Götze zurück zum Team, hat nun aber von der Bank aus in den gewiss nicht unwichtigen Partien gegen Juventus und in Wolfsburg sofort Dampf gemacht und bei den Wölfen sogar den Sieg eingeleitet.

"Für Mario vielleicht ein bisschen unangenehm", gestand Sammer immerhin noch ein und führte weiter aus: "Aber für mich vollkommen plausibel. Es ist keine Zeit für Experimente. Er wird seine Spielminuten bekommen."

Keine Zeit für Einzelschicksale (mehr)

Dass Guardiola in dieser Phase der Saison keine Vabanquespiele mehr eingehen will, ist die eine Sache und auch verständlich. Er verkleinert damit aber auch den Kreis derer, die in den entscheidenden Sequenzen die entscheidenden Momente liefern könnten. Jedenfalls traut er dies Ribery derzeit offenbar eher zu als Götze.

"Wir haben sieben Außenstürmer, und ich muss eine Entscheidung treffen. Wenn Mario mal spielt, dann fragt ihr, warum Thomas nicht gespielt hat oder Lewandowski oder Arjen Robben", lieferte Guardiola eine durchaus plausible Erklärung für seine Entscheidungen.

Er gesteht sich damit aber auch ein, dass auch für ihn letztlich der Erfolg der Mannschaft über allem steht. Und nicht nur deren Entwicklung als Kollektiv oder die einzelner Spieler. Spätestens jetzt zählen nur Ergebnisse und keine Einzelschicksale. Offenbar fürchtet Guardiola in seiner letzten Saison beim FC Bayern nichts mehr als den Misserfolg.

Das könnte am Ende auch noch ein Problem für die deutsche Nationalmannschaft werden. Um sich für die Europameisterschaft zu empfehlen, muss Götze spielen. Und einen fitten Götze mit ordentlich Spielpraxis in den Füßen dürfte sich Joachim Löw wohl auch am ehesten wünschen.

Pep Guardiola kann, will und wird darauf keine Rücksicht nehmen. Er will das Beste für den FC Bayern München und setzt beim Streben nach Erfolg momentan auf jene Spieler, auf die er auch in seinen bisherigen zweieinhalb Jahren vertrauen konnte.

Götze, der damals mit Guardiola nach München kam und sicherlich größere Ziele hatte als die, die er bisher verwirklichen konnte, gehört da derzeit nicht dazu - wieder einmal.