Leverkusen (dpa) - Die mitgereisten HSV-Fans tobten im Gästeblock der BayArena und beschimpften nach der 0:4 (0:2)-Pleite die Hamburger Fußball-Profis.

"Man kann es verstehen, sie haben ja recht. Wir haben nicht genug gekämpft", meinte Kapitän Johan Djourou zu den Rufen: "Wir haben die Schnauze voll". Auch Peter Knäbel konnte bei seiner Bundesliga-Trainerpremiere den Negativtrend nicht stoppen. Die Hanseaten sind nun seit sieben Spielen sieglos und kommen dem ersten Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus immer näher. "Insgesamt gibt es an der Niederlage nichts zu deuteln. Das war enttäuschend", lautete Knäbels Kommentar.

Die Werkself wurde dagegen von den 30 210 Zuschauern im heimischen Stadion für den fünften Liga-Erfolg in Serie ohne Gegentor gefeiert. Dies gelang den Leverkusenern zuletzt in der Saison 1983/84. Für den ungefährdeten und für die Gäste noch schmeichelhaften Erfolg sorgten mit ihren Doppelpacks Gonzalo Castro (7./63.Minute) und Stefan Kießling (44./56.).

"Wir wollten ein Signal setzen, dass wir auch in der nächsten Saison Champions League spielen wollen", sagte Leverkusens Chefcoach Roger Schmidt. Sein Vereinsboss Michael Schade freute sich nicht nur über die Fortsetzung der Siegesserie, sondern auch über die starke Generalprobe für den Pokal-Hit am Mittwoch gegen Bayern München: "Das war gut für das Selbstbewusstsein. Wir freuen uns auf das Fußballfest."

Allerdings machten es ihnen die harmlosen und durch den Trainerwechsel keineswegs beflügelten Hanseaten auch nicht besonders schwer, sich für die Bayern warm zu schießen. Zumal das schnelle 0:1 in der 7. Minute auch noch das Resultat eines Fehlpasses von Djourou auf Heiko Westermann war: Nationalspieler Karim Bellarabi fischte sich den Ball, sprintete allein auf den Ex-Leverkusener Torwart René Adler zu und spielte im letzten Moment quer auf Castro, der aus Nahdistanz einschoss.

Der HSV war mit dem 0:2 zur Halbzeit noch gut bedient. Nach einem 18-Meter-Schuss von Bellarabi (28.), den Adler glänzend parierte, und einem wuchtigen, aber nicht präzisen Kopfball von Kyriakos Papadopoulos (30.) konnte nur Kießling kurz vor dem Pausenpfiff noch das zweite Bayer-Tor per Kopfballverlängerung erzielen. Die Halbzeitbilanz des HSV: 1:5-Ecken, 1:8-Torschüsse, keine Chance.

Und besser wurde es auch in der zweiten Hälfte nicht - im Gegenteil. In der 48. Minute konnte Adler den dritten Treffer noch verhindern: Den Schuss von Julian Brandt aus 16 Metern wehrte er gekonnt zur Ecke ab. Machtlos war er in der 56. Minute, als Kießling im Nachschuss zum zweiten Mal einnetzen konnte. Fünf Minuten später vollendete auch noch Castro seinen Doppel-Pack zum 4:0.

Der HSV, mit 16 Toren abschlussschwächstes Team der Liga, blieb wie auch im ersten Durchgang ohne Tormöglichkeit - und hatte sogar Glück, nicht noch stärker unter die Räder geraten zu sein. "Die Niederlage hätte auch ein, zwei Tore höher ausfallen können", gab Knäbel zu. So traf Papadopoulos zum Beispiel in der 68. Minute per Kopf nur den Pfosten.

Spieldaten:

Ballbesitz in %: 49,9 - 50,1

Torschüsse: 25 - 4

gew. Zweikämpfe in %: 56,2 - 43,8

Fouls: 10 - 17

Ecken: 7 - 2

Quelle: optasports.com© dpa