An Roger Schmidt scheiden sich die Geister. Er gilt als exzellenter Trainer und Fußball-Fachmann, aber auch als beratungsresistenter Dickschädel - wie beim Bundesliga-Eklat gegen den BVB zu beobachten.

Roger Schmidt ist ein Sturkopf. Das bewies er nicht nur mit dem von ihm provozierten Eklat beim Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund. Kompromisslos hält er seit seinem Amtsantritt als Cheftrainer von Bayer Leverkusen im Sommer 2014 auch an seinem Volldampf-Offensivfußball fest.

Rückschläge und Kritik lassen ihn keinen Deut von seinem taktischen Konzept abweichen. "In dieser Beziehung habe ich ein unerschütterliches Selbstbewusstsein", sagte der 48 Jahre alte gelernte Maschinenbauer.

Pep Guardiola ist ein "big, big fan"

Überzeugt hat er damit Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola, dessen Meisterteam er einst in einem Testspiel mit seinem Ex-Club Red Bull Salzburg 3:0 geschlagen hatte. Seitdem ist der Spanier ein "big, big fan" von Schmidt. Immerhin führte er Salzburg mit 110 Toren zum österreichischen Titel im Jahr 2014 - eine Bestätigung seines Powerstils und die Visitenkarte für die Bundesliga.

DFB zieht Leverkusens Trainer nach Schiri-Eklat aus dem Verkehr.

In Leverkusen hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Dort wird ihm immer wieder vorgeworfen, beratungsresistent und unnahbar bis zur Arroganz zu sein.

Der Sauerländer weiß, dass es Vorbehalte und Widerstände gegen ihn gibt - auch gegen seine sportliche Strategie. "Ich merke schon, über meine Witze lacht keiner mehr. Da weiß ich, welche innere Einstellung da ist", stellte Schmidt jüngst im Kreis von Medienvertretern fest. "Ich bin leidensfähig."

In der Hinrunde musste ihm schon Sportchef Rudi Völler zur Seite springen, als die Kritik nach einer Serie von drei Niederlagen immer vehementer geworden war. Völler versicherte, "welch guter Trainer er ist".

Experten werfen Schmidt taktische Eindimensionalität und zu wenig Variabilität in der Spielweise vor. "Mit diesem Stil können wir viele Tore schießen und Treffer verhindern", entgegnet Schmidt.

Und der Erfolg gibt ihm generell recht. In dieser Saison ist Bayer zwar im Viertelfinale des DFB-Pokals und in der Gruppenphase der Champions League ausgeschieden, liegt aber in der Europa League auf Achtelfinal-Kurs.

Außerdem hat der Bundesliga-Vierte weiter die Chance, nächste Saison in die Königsklasse zurückzukehren. Aktuell verbucht Leverkusen nur 23 Gegentore in 22 Liga-Partien - lediglich der FC Bayern (11) hat weniger kassiert. So entkräftete Schmidt auch den Vorwurf, mit seinem Hurra-Fußball eher Harakiri zu spielen.© dpa