Diese Regel erhitzt schon seit Jahren die Gemüter der Fußballwelt: die Doppelbestrafung durch Rote Karte plus Elfmeter. Durch das Pokal-Spiel zwischen dem VfL Bochum und dem FC Bayern München bekommt die Diskussion neuen Zündstoff. Aber was besagt die Regel eigentlich genau? Und liegt nicht viel eher eine Fehleinschätzung des Schiedsrichters vor?

In der 43. Minute beim Viertelfinal-Spiel im DFB-Pokal zwischen dem VfL Bochum und dem FC Bayern München begeht Jan Simunek, der tschechische Verteidiger des VfL, ein Foul an Arjen Robben. Es ist kein schlimmes Foul. Er berührt ihn an der Hacke. Robben fällt. Und Schiedsrichter Bastian Dankert fällt eine harte Entscheidung: Elfmeter für die Bayern und Rot für Jan Simunek.

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Der Aufschrei im Lager der Bochumer ist groß - auch weil die Szene von vielen als spielentscheidend eingestuft wird. Arjen Robben wird mal wieder als Schwalben-König bezeichnet und natürlich wird über Sinn und Unsinn der Doppelbestrafung aus Roter Karte und Strafstoß diskutiert. Wobei sich die meisten Experte in dieser Sache sehr einig sind: Die Doppelbestrafung ist Unsinn.

Das findet Pep Guardiola ("Die FIFA muss das abschaffen"). Das findet auch ARD-Experte Mehmet Scholl ("Die Rote Karte macht das Spiel kaputt"). Und das findet der DFB schon lange. Nicht umsonst hat der Verband schon 2011 einen Antrag auf Regeländerung eingereicht.

Sogar Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer, der zwar Bochums Trainer Gertjan Verbeek scharf kritisiert, gibt zu: "Man kann gerne über die Rote Karte diskutieren." Dass Verbeek Robben einer Schwalbe öffentlich einer Schwalbe bezichtigt hatte, will Sammer jedoch nicht einfach so stehen lassen: "Was wir ungeheuerlich finden, sind die Aussagen von Herrn Verbeek. Das macht man nicht, dass man als gegnerischer Trainer Arjen Robben dermaßen diskreditiert - und auch ins Persönliche geht". Die Doppelbestrafung ist aber auch in Sammers Augen "völliger Schwachsinn".

Der Schiedsrichter darf entscheiden

Man mag nun von der Regelung halten, was man will. Dennoch wird bei der Diskussion häufig vergessen, dass dem Schiedsrichter bei seiner Entscheidung durchaus noch Spielraum eingeräumt wird.

Denn nur im Fall einer Notbremse (oder natürlich einer groben Unsportlichkeit) im Strafraum muss der Schiedsrichter zusätzlich zum Elfmeter die Rote Karte zeigen. Im Regelbuch des DFB wird eine Notbremse definiert, als das "Vereiteln einer offensichtlichen Torchance auf einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist."

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Ob eine Torchance nun aber offensichtlich ist oder nicht, muss immer noch der Schiedsrichter entscheiden. Genauso, wie die Einschätzung ob ein Foul rotwürdig ist oder nicht, bei ihm liegt.

Schiedsrichter Dankert hätte es gestern beim Spiel zwischen VfL und FCB nach Simuneks Foul an Robben auch bei einer Gelbe Karte für den Tschechen belassen können. Wahrscheinlich hätte nicht einmal Arjen Robben darüber ein Wort verloren.

Denn ob Simunek mit seiner Berührung eine glasklare Torchance vereitelt hat, darüber ließe sich wohl tagelang streiten, ohne dass man jemals zu einem endgültigen Ergebnis kommen würde. Dass sein Foul jedoch außerhalb des Strafraums keinesfalls rotwürdig gewesen wäre, da dürften sich die meisten einig sein.

Dennoch ist die Doppel- bzw. Dreifachbestrafung - immerhin wird jeder Spieler für eine Rote Karte auch mindestens ein Spiel gesperrt - eine problematische Regel. Sie verleitet die Schiedsrichter förmlich dazu, bei bestimmten Fouls im Strafraum automatisch zur Roten Karte zu greifen.

Aber wer weiß, vielleicht muss sich die Fußballwelt nicht viel länger mit dem Problem herumschlagen. Bei der Jahresversammlung der Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) am 5. März steht auch das Thema Doppel- bzw. Dreifachbestrafung auf der Agenda.

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