Die FIFA wird wieder von einem Skandal erschüttert. Ermittler nehmen sieben Funktionäre, darunter zwei Vize-Präsidenten fest. In der Zentrale werden wegen der WM 2018 und 2022 Dokumente beschlagnahmt. Die FIFA und ihr Chef Blatter wollen aber weitermachen wie gehabt. Die aktuellen Ereignisse von Tag zwei in unserem Live-Blog.

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21:23 Uhr: USA: Ermittlungen gegen FIFA haben nichts mit WM in Russland zu tun

Die USA haben den Vorwurf von Kremlchef Wladimir Putin zurückgewiesen, sie wollten Russland die Fußball-WM 2018 entziehen. Die Maßnahmen der US-Justiz gegen neun FIFA-Funktionäre hätten nichts mit dem geplanten Turnier in drei Jahren zu tun, sagte der Sprecher des Washingtoner Außenamtes, Jeff Rathke, am Donnerstag.

Die Anklagen seien «eine klare Botschaft der USA, dass korruptes Verhalten nicht akzeptabel ist». Einen anderen Grund hätten die Ermittlungen und Festnahmen nicht gehabt. Putin hatte zuvor die Korruptionsermittlungen gegen FIFA-Angehörige als Versuch der USA verurteilt, die Weltmeisterschaft in Russland zu verhindern.

20:40 Uhr: Webb nach Korruptionsskandal als CONCACAF-Präsident suspendiert

Nach der Festnahme von Jeffrey Webb im Zuge des neuen FIFA-Skandals hat der Fußball-Kontinentalverband Nord- und Mittelamerika seinen Präsidenten vorläufig des Amtes entbunden. Das teilte der CONCACAF am Donnerstag in Zürich mit. Neuer Präsident ist der bisherige Stellvertreter Alfredo Hawit aus Honduras. Auch der ebenfalls festgenommene Eduardo Li, Verbandspräsident von Costa Rica, wurde vom Kontinentalverband vorerst verbannt. FIFA-Vizepräsident Webb und Li waren am Mittwoch bereits vom Weltverband vorläufig von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen worden.

17:20 Uhr: Blatter eröffnet den 65. Fifa-Kongress

Die wichtigsten Aussagen aus der Rede des Fifa-Präsidenten:

  • "Sie werden mir zustimmen, dass dies schwierige Zeiten sind für die Fifa. Wir können nicht zulassen, dass der Ruf des Fußballs und der Fifa länger durch den Dreck gezogen wird."
  • "Die nächste Zeit wird nicht leicht werden für die Fifa. Es werden bestimmt noch mehr schlechte Nachrichten kommen. Aber das muss jetzt sein."
  • "Viele denken, ich bin verantwortlich für die Entscheidungen in der Fifa. Ich kann nicht jeden immer kontrollieren. Wenn Menschen Schlechtes tun wollen, werden sie immer versuchen, dies zu verbergen. Aber ich werde nicht zulassen, dass das Handeln einiger die Integrität derer zerstört, die so hart für den Fußball arbeiten."
  • "Wir haben einen großen Teil des Vertrauens verloren. Wir müssen uns dieses Vertrauen wieder verdienen. Durch die Art und Weise, wie wir uns verhalten. Jeder einzelne von uns."

15:13 Uhr: Platini fordert Blatter zum Rücktritt auf - Fifa-Turniere ohne Europa?
Uefa-Präsident Michel Platini hat den umstrittenen Fifa-Boss Joseph Blatter zum Rücktritt aufgefordert. "Ich habe ihm gesagt: 'Bitte verlasse die Fifa. Lass es sein'", berichtete der Franzose am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Zürich von der Unterredung mit Blatter und ergänzte: "Es wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Fußball ist wichtiger als Personalien, aber er hat gesagt: 'Es ist zu spät. Ich kann nicht aufhören, nicht zu Beginn dieses Kongresses.'" Platini gilt als großer Unterstützer von Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Die Uefa werde zum "allergrößten Teil" für den Jordanier stimmen, erklärte er. Für den Fall eines Wahlsiegs Blatters schließt Platini einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht aus. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagte der Franzose am Donnerstag in Zürich.

Platini fordert Blatters Rücktritt

Platini fordert Blatters Rücktritt © SPIEGEL ONLINE

14:30 Uhr: Uefa boykottiert Fifa-Kongress nicht

Die europäische Fußballunion Uefa wird entgegen ursprünglicher Überlegungen den Fifa-Kongress nicht boykottieren. Zu großen Teilen will der Verband bei der Präsidentschaftswahl am Freitag jedoch Prinz Ali bin al-Hussein votieren.

14:15 Uhr: Englischer und schottischer Fußballverband fordern Blatters Rücktritt

Sieben Funktionäre werden festgenommen, in der Fifa-Zentrale beschlagnahmt die Polizei WM-Dokumente. Der Weltfußballverband sieht sich mit dem größten Skandal seiner Geschichte konfrontiert. Mittendrin: Präsident Sepp Blatter. Und das kurz vor seiner wahrscheinlichen Wiederwahl.

Auch die britische Regierung mit Premierminister David Cameron fordert Blatters Rücktritt. Cameron schließt sich damit der Forderung seines Sportministers John Wittingdale an.

Die Regierung unterstütze - wie auch der englische Fußballverband FA - die Gegenkandidatur von Prinz Ali bin al-Hussein bei der für Freitag geplanten Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands.

13:30 Uhr: Afrika unterstützt Blatter weiter

Die afrikanische Fußball-Konföderation CAF will die Fifa-Präsidentenwahl nicht verlegen. "Die CAF ist gegen eine Verlegung des Kongresses und der Wahl am 29. Mai. Bei einem Treffen am Mittwoch hat die CAF Sepp Blatter erneut ihre Unterstützung versichert", heißt es in einer Mitteilung.

13:00 Uhr: Südafrika weist Bestechungsvorwürfe zurück

Südafrika hat Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaft 2010 entschieden zurückgewiesen. Dem US-Justizministerium zufolge soll Südafrika den Weltverband FIFA mit zehn Millionen US-Dollar bestochen haben, um den Zuschlag für die Austragung des Turniers zu bekommen.

Der Fußballverband SAFA betonte am Donnerstag, alles sei strikt nach den Regeln abgelaufen. "Wir weisen die Vorwürfe zurück", sagte Sprecher Dominic Chimhavi der Deutschen Presse-Agentur. "Die Bewerbung wurde von Menschen höchster Integrität gemacht, darunter der verstorbene Nelson Mandela und (der frühere Präsident) Thabo Mbeki", sagte Chimhavi. Es sei eine ehrenhafte Bewerbung gewesen.

12:09 Uhr: Justizminister Maas greift die Fifa an

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat dem Fußball-Weltverband FIFA mangelndes Engagement bei der Aufklärung des Korruptionsverdachts vorgeworfen. "Die Fifa muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Korruption in den eigenen Reihen seit Jahren nicht wirklich untersucht hat", sagte Maas der "Saarbrücker Zeitung". Mit Blick auf mögliche Bestechung bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland und Katar betonte der Minister: "Alle Fußballfans haben ein Recht darauf zu erfahren, was besonders im Vorfeld der WM-Vergaben wirklich passiert ist."

11:45 Uhr: Blatter lädt zur Sondersitzung

Fifa-Präsident Blatter hat Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich eingeladen. Wie der Fußball-Weltverband der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, findet das Treffen zur Stunde in Zürich statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll.

Die Europäische Fußball-Union UEFA hatte eine Verschiebung des Kongresses und der für Freitag anberaumten Präsidentschaftswahlen gefordert. Dies wurde von der Fifa bislang strikt abgelehnt.

11:30 Uhr: Putin wittert Verschwörung

In Moskau mehren sich Stimmen, dass das Fifa-Beben eine amerikanische Verschwörung sei, um Russland um die Austragung der WM 2018 zu bringen. "Es gibt offensichtlich Kräfte in den USA, die versuchen alles Positive, das wir haben, zu einer neuen Konfrontation zu nutzen", sagte Kirill Kabanov, Chef des Anti-Korruptions-Komitees im Kreml, der amerikanischen "Time". Er ergänzt: "Und selbst wenn es Korruption bei der Fifa gäbe, weshalb bringt die USA gerade jetzt das Thema auf, nachdem die Fifa gerade die Forderung von US-Senatoren abgelehnt hat, Russland die WM wieder wegzunehmen?"

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich bereits hinter Fifa-Präsident Blatter gestellt. Putin sagte in Moskau, mit der Festnahme von sieben Fifa-Funktionären haben die USA ihre rechtliche Zuständigkeit überschritten. "Das ist schon wieder ein offenkundiger Versuch der USA, ihr Rechtssystem auf andere Staaten auszuweiten", sagte er und ergänzte, die Festnahmen seien lediglich ein Versuch, die Wiederwahl Blatters zu verhindern.

11:15 Uhr: Blatter sagt andere Auftritte ab

Blatter sagte angesichts der aktuellen Ereignisse alle seine geplanten Auftritte vor der offiziellen Kongress-Eröffnung am Donnerstag (17.00 Uhr) in einem Zürcher Theater ab. Unter anderem hätte er beim Medizin-Kongress der Fifa eine Rede halten sollen.

10:30 Uhr: Sponsoren drohen der Fifa

Die Topsponsoren üben zunehmend Druck auf den Weltverband aus. Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnte "rasche und sofortige Maßnahmen" an, um die Probleme innerhalb der Fifa zu beheben. "Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden", teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit. Auch der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai betonte in einer Mitteilung, dass man die Lage genau beobachten wolle. "Als Unternehmen, für das ethischen Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte Fifa-Führungskräfte."

9:00 Uhr: Früherer Fifa-Vize Jack Warner stellt sich der Polizei

Mit Material von dpa und AFP