Freiburg (dpa) - Die Profis von Hertha BSC freuten sich über einen glücklichen Punkt und feierten ihren Doppeltorschützen Ronny, die Freiburger Verantwortlichen tobten.

Ihr Ärger traf Florian Meyer: In ihren Augen hatte der Schiedsrichter dem SC Freiburg beim 2:2 (1:1) gegen die Berliner zwei Punkte gestohlen.

Statt des verdienten ersten Saisonsieges muss der Fußball-Bundesligist aus dem Breisgau nun einen weiteren Nackenschlag verdauen, nachdem Spielmacher Ronny in der sechsten Minute der Nachspielzeit für den Ausgleich der allerdings schwachen Gäste gesorgt hatte.

"Ich fühle mich heute im wahrsten Sinne des Wortes beschissen", sagte der völlig verärgerte SC-Präsident Fritz Keller. "Er pfeift erst, als unser Torwart den Ball hält. Und das in der sechsten Minute. Das geht nicht", warf der Winzer, dessen Club nun wie die Hertha weiter sieglos im Tabellenkeller steht, Meyer vor. Statt der geplanten vier Minuten hatte der Burgdorfer am Ende sogar rund acht nachspielen lassen, nachdem er kurz zuvor noch Berlins Nico Schulz wegen einer Notbremse vom Platz gestellt hatte und es vor Ronnys Ausgleich fast zu Tumulten auf dem Rasen gekommen war.

Der Brasilianer war zunächst mit einem Gewaltschuss an SC-Torwart Roman Bürki gescheitert, dabei aber gefoult worden. Den anschließenden Freistoß verwandelte er dann. Eben diesen hätte es aus Freiburger Sicht jedoch nicht geben dürfen. Denn Meyer habe zuvor den Vorteil für Ronny laufen lassen, argumentierte Keller sinngemäß. Ein "Dreckstor", wie Freiburgs Mittelfeldspieler Felix Klaus meinte, der das 2:1 erzielt hatte (79.). Der kämpferisch starke Sportclub, dem in der Offensive aber merklich der verletzte Torjäger Admir Mehmedi fehlte, war durch Marc-Oliver Kempf zunächst in Führung gegangen (30.). Für das zwischenzeitliche 1:1 hatte ebenfalls Ronny mit einem weiteren Freistoß gesorgt (36.).

"Wir wissen, dass er einen fantastischen linken Fuß hat", sagte Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger und sprach von zwei "Wahnsinnstoren". Dabei ist Ronny zwar bei den Fans beliebt, war bei Trainer Jos Luhukay aber nicht immer unumstritten. Doch dieses Mal sprach der Niederländer von dem "Glück", den 28-Jährigen auf dem Platz zu haben. Die Talfahrt der besonders in spielerischer Hinsicht schwachen Berliner ist nach nun saisonübergreifend acht Auswärtsspielen ohne Sieg aber noch nicht gestoppt.

"Das war heute für uns nicht der große Erfolg", räumte Luhukay ein. Aber für die Mannschaft sei der späte Punktgewinn vor der englischen Woche mental wichtig gewesen. "Solche Momente können im Laufe einer Saison eine positive Wirkung haben", betonte er.

Sein Kollege Streich stand dagegen "ein klein bisschen unter Schock, nachdem was da alles passiert ist". Denn vor dem Freistoß in der Nachspielzeit hatte Berlins John Heitinga auch noch massiv versucht, SC-Torwart Bürki zu irritieren. Zudem stürmte Hertha-Keeper Thomas Kraft nach vorne, um die Freiburger Mauer "auseinanderzureißen", wie er selbst sagte.

Seine Mannschaft habe nun drei Spiele erlebt, "die an die Nerven gehen", erklärte Streich und spielte damit auch auf das unglückliche 0:1 zu Saisonbeginn in Frankfurt und einen verschossenen Elfmeter beim 0:0 gegen Mönchengladbach an. "Das war jetzt aber der Höhepunkt. Ich hoffe, dass ich das, was ich in den letzten sechs Minuten erlebt habe, nie mehr erleben muss."© dpa