Die angeblich geplante Einführung einer europäischen Superliga stimmt viele Fußballfans nachdenklich. Was würde das für den Fußball bedeuten? Was wären die Vor- und die Nachteile? Eine Einschätzung.

Kommt es jetzt wirklich, das Schreckgespenst des Fußballs? Die europäische Superliga, in der nur finanzstarke Klubs wie etwa Bayern München, Real Madrid oder Manchester United antreten dürften, wird aktuell (erneut) heiß diskutiert. Und große Teile der Fans sind darüber nicht begeistert.

Die Klubvereinigung ECA, deren Chef Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ist, ist laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einigermaßen entschlossen, den schon lange gehegten Wunsch der Top-Vereine nach der Bildung einer Superliga umzusetzen.

Fünf Premier-League-Klubs wollen Konkurrenz zur Champions League.

"Das Thema befindet sich bei Vereinen und der UEFA gerade in der Diskussionsphase", sagte Rummenigge der "FAZ". Es herrscht also Unklarheit darüber, wie die Superliga konzipiert sein soll. Sicher scheint aber, dass die teilnehmenden Teams viel mehr Spiele darin bestreiten würden als in der Champions League.

Auch gäbe es wohl einen festen Grundstock an Teams, die sich neben ihren sportlichen Erfolgen vor allem durch ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten für die Liga qualifizieren würden. Kann das wirklich Sinn machen? Wir blicken auf die Vor- und die Nachteile:

Was wären die Vorteile einer Superliga?

Geld: Der alles entscheidende Vorteil berührt weniger die Fans als vielmehr die daran interessierten Klubs. Im Profifußball, das ist nun nicht die neueste Erkenntnis, geht es vorwiegend ums Geld. Und wesentlich mehr Geld versprechen sich die Herren um Rummenigge bei der ECA durch die geplante Superliga.

Derzeit werden in der Champions League rund 1,3 Milliarden Euro von der UEFA an die Klubs ausgezahlt. Mehr als das Doppelte ist nach ECA-Berechnungen offenbar möglich - wenn die Liga nach ihren Bedingungen gestaltet wird.
Mehr Ausgeglichenheit: Competitive Balance ist ein zentraler Begriff im US-amerikanischen Sport, der zumindest in bestimmten Bereichen Vorbild für die europäische Superliga ist. Competitive Balance bedeutet nichts anderes als Ausgeglichenheit des Wettkampfes.

Diese ist, wie zuletzt verstärkt in der Bundesliga deutlich wurde, in den europäischen Ligen nicht gegeben. So mutete es in den vergangenen Wochen bizarr an, wenn Bundesliga-Spieler absichtlich Gelbe Karten provozierten, um gegen die dominierenden Bayern nicht auflaufen zu müssen.

Das Spiel gegen die Münchner ist für fast alle Teams inzwischen mehr oder weniger entschieden, bevor der Anpfiff ertönt. Zu stark sind die Bayern besetzt, zu groß ist der strukturelle Vorteil. Eine Superliga könnte dem entgegenwirken, wenn für die darin teilnehmenden Mannschaften die Bedeutung der nationalen Ligen stark abnimmt und sie ihre personelle Ressourcen vor allem für das Ziel einsetzen, in der Superliga erfolgreich zu sein.
Raus aus der Sackgasse: Sollten die dominierenden Teams ihr Engagement in den nationalen Ligen - in welcher Form auch immer - reduzieren, könnte dies andere Mannschaften aus einer Art Sackgasse führen, aus der sie derzeit nicht herausfinden. Für die Mannschaften auf den Plätzen drei bis sechs wären endlich wieder Titel in den nationalen Ligen möglich. Damit verbunden ist die Chance, wieder schwarze Zahlen zu schreiben - vielen Klubs in Europa (vor allem in England, Spanien und Italien) gelingt das nicht mehr. Zu groß ist die Dominanz der absoluten Top-Teams.

Was wären die Nachteile einer Superliga?

Abwertung der nationalen Ligen: Würden die Top-Mannschaften der Ligen nur noch eine B- oder gar C-Elf im nationalen Fußballbetrieb auflaufen lassen, würde das die nationalen Ligen extrem abwerten. Denn Fakt ist: Auch wenn Real Madrid oder Bayern München fast alle ihre Heimspiele gewinnen, die Stadien sind meist ausverkauft. Stars ziehen immer, auch wenn die Partie keine Spannung verspricht.
Abkehr vom gemeinen Fußballfan: Der Zuschauer, der Fan - er gehört zum Fußball. Davon lebt der Sport. Noch immer.

Seit Jahrzehnten wird der zunehmende Werteverfall im Fußball kritisiert, die zunehmende Eventisierung und damit verbunden der Verlust an Emotionen.

"Niemand faltet Zlatan": Fußballstar bürdet Kurier Schwerstarbeit auf.

Man kann sich vorstellen, was eine europäische Superliga bedeuteten würde: Kaum noch Derbys und dazu Auswärtsreisen, die sich der gemeine Fußballfan zeitlich und finanziell kaum leisten könnte. Es mag sein, dass sich die Bayern-Bosse über die Einnahmen freuen würden. Die treuesten Anhänger hätten damit aber ihre Probleme.
Eintönigkeit in der Superliga: Sollte sich die europäische Superliga nach dem amerikanischen Sportmodell organisieren und nur einen festen Stamm der umsatzstärksten Klubs aufnehmen, hätte das eine ermüdende Eintönigkeit zur Folge. Schließlich würden dann stets dieselben Vereine den Wettbewerb untereinander ausspielen. Es ist mehr als fraglich, ob das amerikanische Modell im europäischen Sportraum funktionieren würde. Denn hier lebt der Sport auch von Überraschungsteams.
Kapitulation vor dem Kapitalismus: Den Klubs geht es um Profitmaximierung. Eine Liga unter der Regie der Klubs würde immer in erster Linie die Vereinsinteressen, dann erst die Interessen der Zuschauer berücksichtigen. Nun kann man Verbänden wie der FIFA oder der UEFA zurecht vorwerfen, die Interessen der Zuschauer nur unzureichend berücksichtigt zu haben.

Tatsächlich aber wäre ein von den Klubs organisierter Spielbetrieb diesbezüglich nochmals eine Verschärfung - es wäre die völlige Unterwerfung des Spiels unter kapitalistische Prinzipien, in der nur noch Vereine und damit die Sponsoren das Sagen haben. Es wäre die Kapitulation vor dem Kapitalismus.

Cristiano Ronaldo: Datet er Topshop-Erbin Chloe Green?

Topshop-Erbin Chloe Green soll es dem Real-Superstar angetan haben. © Promiflash