London (dpa) - Für Aufsehen sorgen eher Sensations-Spitzenreiter Leicester City, Manchester United mit seinen Krisen oder der FC Liverpool mit Jürgen Klopp - doch im Schatten der anderen haben sich die Tottenham Hotspur heimlich zum Titelanwärter in England gemausert.

Mit tollem Offensiv-Fußball und vielen Top-Talenten hat der Tabellenzweite der Premier League bei drei Zählern Rückstand auf Leicester die Chance auf die erste Meisterschaft seit 1961.

Mit einem Sieg im Londoner Derby an diesem Samstag (13.45 Uhr) gegen den FC Arsenal kann Tottenham einen weiteren großen Schritt im Titelrennen machen. Dem Gäste Team mit Mesut Özil und Per Metersacker fehlt dabei der verletzte Star-Torhüter Petr Cech.

Noch wichtiger für die Fans der Spurs: Der sogenannte St. Totteringham's Day könnte in diesem Jahr erstmals seit 1995 ausfallen. Die Arsenal-Anhänger haben diesen "Feiertag" ins Leben gerufen, wenn ihr Club in der Tabelle uneinholbar vor Tottenham in der Tabelle steht. Vor dem Europa-League-Hinspiel bei Borussia Dortmund am Donnerstag kann die Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino die Gunners nun fast schon aus dem Titelrennen schießen. Der Coach gilt als wichtigste Säule bei Tottenham. Der Argentinier ist seit 2014 im Amt und hat in dieser Saison eine Top-Mannschaft geformt. Nicht ohne Grund wird der Ex-Profi bei Vereinen wie Manchester United oder Real Madrid gehandelt.

Mit 49 Treffern haben die Spurs die zweitbeste Offensive der Premier League. Die Hintermannschaft um den französischen Nationalkeeper Hugo Lloris kassierte lediglich 22 Gegentreffer - Bestwert auf der Insel. Dabei setzte der Club nicht auf zahlreiche millionenschwere Neuzugänge, sondern hauptsächlich auf junge Talente.

In Harry Kane, dem 22 Jahre alten englischen Nationalstürmer, haben die Nord-Londoner den zweitbesten Torjäger der Liga in ihren Reihen. Unterstützt wird der Angreifer vom dänischen Spielmacher Christian Eriksen (24) und dem früheren Bundesligaprofi Heung-Min Son, der in dieser Spielzeit fünfmal traf.

Shootingstars im Mittelfeld sind der 19-jährige Dele Alli und Eric Dier (22), die bereits für die Three Lions ihr Debüt gaben und für die Zukunft des englischen Fußballs stehen. Mit Erik Lamela, Moussa Dembele und Nacer Chadli besitzt der Club weitere erstklassige Alternativen.

Kein Rückschlag soll die 0:1-Niederlage am Mittwoch bei West Ham United gewesen sein. Trainer Pochettino sprach "von einem Ausrutscher" und sendete deutliche Signale an den FC Arsenal. "Wir werden zurückschlagen, und ich denke, wir werden das am Samstag machen", erklärte der 44-Jährige.

Für Leicester-Trainer Claudio Ranieri ist Tottenham ohnehin der Titel-Favorit. "Alles spricht über uns, aber niemand über sie. Sie sind stark in jeder Situation", erklärte der italienische Coach. "Wenn sie verteidigen und angreifen, wissen sie, was sie machen müssen." Vielleicht wollte Ranieri mit dem Lob aber auch nur den Druck ein wenig auf den einstigen Club von Jürgen Klinsmann abwälzen.© dpa