Madrid (dpa) - Beim Countdown zum Jahreswechsel mag sich Rafa Benítez wie ein zu Boden geschlagener Boxer gefühlt haben, der ausgezählt wird.

Der umstrittene Trainer des spanischen Fußball-Rekordmeisters Real Madrid braucht nämlich nach Madrider Medien-Berichten beim Liga-Duell am Sonntag beim kriselnden FC Valencia unbedingt einen Sieg, falls er seinen Job behalten will. Und das gelte auch für jede einzelne der kommenden Begegnungen, heißt es. "Benítez läuft die Zeit davon. Jedes Spiel ist für ihn von nun an ein Finale", schrieb am Freitag zum Beispiel die Sportzeitung "Marca".

Der 3:1-Heimsieg der Königlichen über Real Sociedad San Sebastián am Mittwoch habe lediglich für eine "zerbrechliche Waffenruhe" bei Real gesorgt, meinte auch die Zeitung "AS". Benítez sei dabei von Cristiano Ronaldo und vor allem von Schiedsrichter José González González gerettet worden. Der Weltfußballer erzielte einen Doppelpack (42. per Handelfmeter/67.). Der Unparteiische habe derweil gar nicht unparteiisch agiert und Real zwei Strafstöße "geschenkt". Den ersten - einen Foulelfmeter - schoss Ronaldo jedoch übers Tor (24.).

Von den Rängen des Santiago Bernabéu gab es trotz des Sieges wieder einmal Pfiffe und Buhrufe. Weltmeister Toni Kroos, von Benítez zuvor auf die Bank versetzt, durfte diesmal 90 Minuten durchspielen und wünschte danach auf Twitter "Alles Gute für das neue Jahr!".

Wünsche, die vor allem Benítez bitter nötig hat. Auf die Frage nach seiner Zukunft meinte der 55-Jährige knapp: "Ich konzentriere mich darauf, mein Bestes zu geben." Medien schreiben unterdessen, das französische Idol Zinedine Zidane - derzeit noch Trainer des Reserveteams von Real - stehe auf dem Sprung, um schon bald den Job von Benítez zumindest bis zum Saisonende zu übernehmen.

In Valencia, das ohne Weltmeister Shkodran Mustafi am Silverstag 0:1 beim FC Villarreal verlor und nur Zehnter ist, steht für Benítez wohl schon die schwerste Probe der kommenden Wochen an. Dort hatte Real auch das erste Ligaspiel des Jahres 2015 bestritten - und beim 1:2 nach 22 Siegen in Serie erstmals wieder verloren. Es war wie eine Wende zum Schlechten, denn nach vier Titeln im Jahr 2014, darunter die Champions League, holte Real 2015 nichts mehr.

Das gerade zu Ende gegangene Jahr war für das Starensemble, wie "Marca" schreibt, "ein Horror". Es gab unter anderem einen peinlichen Pokalausschluss wegen einer Einwechselpanne und auch 0:4-Pleiten gegen Stadtrivale Atlético und daheim im Clásico gegen den FC Barcelona - der zu allem Übel nicht weniger als fünf Titel gewann und nach einem 4:0 gegen Betis Sevilla die Tabelle der Primera División mit 38 Zählern und einem weniger absolvierten Spiel vor dem punktgleichen Verfolger Atlético und zwei Punkte vor Real anführt.

Die Spieler seien alle - mehr oder weniger - gegen Benítez, versichern die Medien. Verteidiger Pepe wurde danach gefragt, und der Portugiese sprach sich energisch gegen einen Trainerwechsel aus. Ob sich Benítez allerdings über die Worte des Abwehrmannes freuen kann, sei dahingestellt, denn ein Lob für den Trainer kam Pepe nicht über die Lippen. Er sagte nur: "Ein Wechsel des Trainers zu diesem Zeitpunkt bringt gar nichts."© dpa