Die FIFA-Sanktionen gegen Real Madrid und Atlético Madrid werden den Transfermarkt beeinflussen. Entweder sitzen die beiden Top-Klubs die Sanktion tatenlos aus, oder aber sie starten jetzt noch mal einen spektakulären Großangriff mit dem ganz großen Geld.

Nun hat es also ordentlich gekracht und selbst das große Real Madrid, der populärste Klub der Welt, wurde von der gerechten Strafe nicht verschont.

Die Königlichen und der wenig geliebte Stadtrivale Atletico Madrid dürfen in den anstehenden zwei Transferperioden unter den üblichen Umständen keine neuen Spieler verpflichten.

Verstöße bei Transfers von jungen Talenten

Die Madrider Klubs wurden für "Verstöße im Zusammenhang mit dem internationalen Transfer und der Registrierung von Spielern unter 18 Jahren bestraft", wie der Weltverband FIFA am Donnerstag in seinem Kommuniqué mitteilte.

Damit teilen Real und Atlético das "Schicksal" des FC Barcelona, das konkret in die Praxis umgesetzt in etwa so zu verstehen ist: Die Klubs dürfen zwar weiter Spieler unter Vertrag nehmen, aber nicht für Pflichtspiele registrieren oder melden, geschweige denn einsetzen.

Davon betroffen sind alle relevanten Wettbewerbe der UEFA und FIFA, sowie deren Verbände, in diesem Fall der spanische Fußballverband RFEF.

Der FC Barcelona, der seine Sperre mittlerweile abgesessen hat, hat Mittel und Wege gefunden, um die wachsweiche Regelung elegant zu umgehen.

Besonders bei Real, einem der Powershopper des Weltfußballs, gestaltet sich der Fall aber ein wenig anders.

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Großangriff noch in diesem Winter?

Immerhin haben die Blancos in der momentan laufenden Transferperiode noch Zeit, sich nach geeigneten Verstärkungen umzusehen.

Bis zum 1. Februar kann Real noch Spieler kaufen und diese sodann auch gleich einsetzen, die Sperre tritt erst ab dem Sommertransferfenster in Kraft.

Da wiederum können Real und Atlético aber nur bedingt beim großen Wettbieten nach der Europameisterschaft mitmachen.

So ein Großturnier verändert die Gemengelage auf dem Transfermarkt traditionell ganz entscheidend, und dass ein Big Player wie Real Madrid dann nicht ernsthaft ins Rennen einsteigen kann, wird Auswirkungen auf das Wettbieten haben.

Fest steht bisher, dass die Königlichen ihre verliehenen Spieler ohne Reglementierung zurückbeordern dürfen.

Aber Fabio Coentrao, Marco Asensio, Jesus Vallejo und Lucas Silva sind nicht die Kategorie Spieler, die nachhaltig für die großen Erfolge stehen werden und die - in Madrid ein elementarer Bestandteil des Konzepts - auch die Fans befriedigen.

Nun bleiben im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Entweder lässt Real inklusive der laufenden Periode bis zum Sommer 2017 die Finger aus den großen Geschäften. Oder aber Florentino Perez wagt in den kommenden zwei Wochen noch einen veritablen Großangriff.

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Lewandowski vorerst nicht erreichbar

Reals Präsident ist neben den vielen Oligarchen so etwas wie der Inbegriff des Chefeinkäufers, unter Perez wurden mit Luis Figo, Zinedine Zidane, David Beckham, Kaká, Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und zuletzt James Rodriguez Rekordmarken in Serie anvisiert oder geknackt.

Auf der einen Seite fällt für die Konkurrenz in der besonders wichtigen Transferperiode im kommenden Sommer ein Mitstreiter quasi aus. Klubs mit Spielern, die ins Beuteschema von Real Madrid passen, können ein wenig durchatmen.

Auf der anderen Seite besteht aber vielleicht auch die Gefahr, dass Perez seinem neuen Trainer Zinedine Zidane auf die Schnelle noch ein Antrittspräsent offerieren will.

Neben den zu erwartenden enormen Geldflüssen aus der Premier League wird Real also entweder in diesem Winter oder aber dann spätestens im Sommer 2017 noch stärker angreifen als das ohnehin schon erwartet wird.

Das wiederum wirft die Frage auf, wo in diesem Wettrüsten der Finanzprotze die Bundesliga bleibt und ob Deutschlands höchste Spielklasse spätestens in anderthalb Jahren um seine besten Spieler bangen muss?

Die Gerüchte um Robert Lewandowski vom FC Bayern Münchenn, der nicht erst seit gestern ein sehr interessanter Spieler für Real Madrid ist, dürften bis auf Weiteres in den Hintergrund rücken.

Ein Spieler dieser Güteklasse ist - wenn überhaupt - ein Sommertransfer und deshalb für Madrid erst wieder in 18 Monaten erreichbar.

In den Tagen vor der Transfersperre war von bis zu zwölf Millionen Euro Jahresverdienst die Rede, sollte Lewandowski bereits im Sommer von München nach Madrid wechseln.

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Schwierige Bedingungen für Madrider Klubs

Auch die übrigen Verdächtigen, die bisher auf Reals Liste standen, müssen sich nun umorientieren. Eden Hazard, Paul Pogba etwa oder David de Gea. Der Belgier, der Franzose und der Spanier waren eigentlich als fixe Transfers eingeplant.

Auf der anderen Seite soll Perez die Geduld mit Gareth Bale verloren haben und den Waliser verkaufen wollen. Angesichts der Tatsache, dass sich kaum adäquater Ersatz beschaffen lässt, dürfte diese Idee auch vom Tisch sein.

Die Bundesliga jedenfalls hat ein wenig mehr Ruhe vor Real. Das sollte man in München, Dortmund oder auf Schalke wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

Lewandowski, David Alaba, Ilkay Gündogan, Pierre-Emerick Aubameyang oder Leroy Sane verschwinden aus kurzfristiger Sicht aus dem Blickfeld Reals.

Und dass den Königlichen nun, mitten in der Saison, ein Spieler ins Auge sticht, der zum einen den Anforderungen entspricht und zum anderen auch für die K.o.-Runde der Champions League spielberechtigt wäre, ist nicht anzunehmen.

Die wirklich spektakulären Winter-Wechsel wird Real nicht vollziehen können. In einem Jahr geht der Spaß wieder von vorne los und dann womöglich noch skurriler als bisher.

Dann werden erste Sondierungsgespräche geführt und mit dem bis dahin eingesparten Geld dürften weder Real noch Atlético, das bereits im Sommer mit 140 Millionen Euro das meiste Geld aller spanischen Erstligisten für neuen Spieler ausgegeben hat, besonders zimperlich oder zurückhaltend umgehen.

Oder aber Real und Atlético setzen sich vorher doch noch am Grünen Tisch durch: Beide Klubs haben gegen das Urteil bereits Berufung eingelegt.