Köln (dpa) - Jörg Schmadtke wirkt völlig entspannt. Im sportlichen Outfit sitzt der ehemalige Fußballprofi da und philosophiert über die Entwicklung des 1. FC Köln, den er gemeinsam mit Trainer Peter Stöger wieder in die Bundesliga führte.

Seit Juli 2013 ist der gebürtige Düsseldorfer Schmadtke als Sport-Geschäftsführer für den FC verantwortlich. Und es macht ihm viel Spaß. "Im Geißbockheim herrscht ein Klima, in dem man vernünftig arbeiten kann", sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Schmadtke, der für Fortuna Düsseldorf und den SC Freiburg als Torwart 266 Erstligabegegnungen bestritt, hat nicht erst in Köln den Beweis antreten können, dass er ein Könner der Managerzunft ist. Als er Ende 2001 bei Alemannia in Aachen seinen ersten Job in diesem Bereich übernahm, gab es kein Geld, keine vernünftige Mannschaft, kaum Aussichten, etwas Gutes zu etablieren.

Schmadtke verstand es, aus einer höchst misslichen Situation nahezu ein Optimum zu machen. Auch dank seiner Tätigkeit stieg die Alemannia wieder in die 1. Liga auf, stand zuvor als Zweitligist im DFB-Pokalfinale, spielte im Europapokal, baute Schulden ab. Nach seiner Aachener Zeit wurde er (2009 bis 2013) Manager bei Hannover 96 und wechselte dann als gebürtiger Düsseldorfer die Seiten: Er entschied sich für den 1. FC Köln - eine "Wunschlösung" des Clubs.

Max Kruse ist nicht nur auf dem Rasen auf der Überholspur.

Indes: Es gab und gibt auch in Köln intensive Herausforderungen für Schmadtke. Der Schuldenstand, der nach seinen Angaben aktuell bei etwas mehr als 24 Millionen Euro liegt, macht die Dinge nicht leicht. Seine These deshalb: Der FC muss eine "Politik der kleinen Schritte" betreiben, das Team behutsam in der Weltmeister-Liga etablieren.

"Aber dafür brauchen wir Zeit", gibt Schmadtke zu bedenken. "Wir können nicht erzählen, morgen steht hier ein Schlaraffenland und wir brauchen nur reinzugehen." Die Schulden müssten abgebaut werden, der Verein brauche Eigenkapital - zuvorderst gilt eine Prämisse: "Wir müssen sportliche Stabilität reinbekommen, und dann bekommen wir auch die wirtschaftlichen Dinge in den Griff. Aber das dauert drei bis fünf Jahre."

Schmadtke hat ein Positiv-Beispiel vor Augen: Borussia Mönchengladbach, an diesem Samstag (15.30 Uhr) Gastgeber für die Kölner. "Die Gladbacher haben einen deutlichen Vorsprung, weil sie in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht haben, die Mannschaft entwickelt haben, die Wirtschaftskraft entwickelt haben, die man auch braucht." Dort würden "viele Dinge gut zusammenpassen". Schmadtke: "Auch wenn es als Kölner schwer fällt, aber man kann es ruhig sagen: Die Gladbacher sind weiter als wir."

Dennoch ist Schmadtke guten Mutes. "Wir gehen das Spiel wie jedes Spiel an, das heißt: Wir wollen schon gewinnen." Die FC-Auswärtsbilanz gibt vor dem 99. Pflichtspielderby zwischen der Borussia und dem FC Anlass zur Hoffnung. Hinter den Bayern (21) ist das Stöger-Team mit 16 Punkten zweitbeste Auswärtsmannschaft. Dennoch warnt Schmadtke: "Wir wissen, dass wir auf einen starken Gegner treffen, der gut in seiner Struktur agiert und mit viel Tempo nach vorne umschalten kann."

Die Stöger-Elf hätte aber "auch ein paar Dinge, die wir dagegenstellen können". Am Karnevals-Samstag erwartet Schmadtke ein "emotionsgeladenes, stimmungsreiches Spiel", in dem von den Verantwortlichen für die oftmals heißblütigen Fans eines deutlich gemacht werden soll: "Wir können ein deutliches Signal nach draußen geben, dass wir nicht verfeindet sind." Ausschreitungen sollen bitteschön unterbleiben, fordert der mit Borussia-Manager Max Eberl befreundete Schmadtke: "Am Ende sind wir Vereine aber nicht wirklich Herr des Verfahrens. Alle Dinge kannst du nicht kontrollieren."© dpa