Unglaublich: Superstar Lionel Messi könnte den FC Barcelona für schlappe 250 Millionen Euro verlassen. Noch unglaublicher: Manchester United soll tatsächlich ein Paket schnüren, um den viermaligen Weltfußballer von Barca loszueisen. Sollte das Interesse Uniteds ernsthaft sein, stellt sich unweigerlich die Frage - ist der Fußball angesichts dieser finanziellen Auswüchse überhaupt noch zu retten?

250 Millionen Euro, eine Viertelmilliarde, eine Zahl mit neun Stellen. Mit 250 Millionen Euro könnte man den Frankfurter Messeturm kaufen oder 25.000 Dorfbrunnen in Äthiopien bauen.

Barcelonas Superstar sorgt bei Fifa-Gala für neuen Wechselwirbel.

Manchester United würde eine Viertelmilliarde Euro offenbar aber am liebsten für die Dienste eines einzigen Spielers auf den Tisch legen. Exklusive des opulenten Jahresgehalts von geschätzten 20 Millionen Euro. So viel verdient Lionel Messi nämlich seit etwa einem Jahr beim FC Barcelona. In Katalonien ist aus einem schmächtigen Bengel mit Wachstumsproblemen der teuerste - und für manche auch der beste - Spieler der Welt geworden. Der Marktwert des Argentiniers bewegt sich irgendwo zwischen 130 und 170 Millionen Euro, wer will das schon genau beziffern. Gesichert ist, dass der FC Barcelona bei einem möglichen Verkauf von "La Pulga" ("Der Floh") die Wahnsinnssumme von 250 Millionen Euro aufruft.

Könnte sich Manchester United Lionel Messi leisten?

Manchester United hat vor der aktuellen Saison bereits eine satte Transferoffensive gestartet. Knapp 200 Millionen Euro haben die "Red Devils" im Sommer in die Spieler Angel di Maria, Ander Herrera, Luke Shaw, Marcos Rojas, Daley Blind und Radamel Falcao investiert, das Transfersaldo wies am Ende rund 150 Millionen Minus aus.

Die Anhänger des Financial Fairplay zeigten sich gelinde gesagt irritiert. Der Messi-Vorstoß jetzt wirft noch mehr Fragen auf. Am Ende dürfte sich United aber trotz aller Vorwürfe im gesetzlichen Rahmen bewegen. Aus den horrend hohen Fernsehgeldern, die vor zwei Jahren erst auf ein neues Rekordhoch von vier Milliarden Euro für drei Jahre geschraubt wurden und ab 2016 fünf Milliarden Euro bringen sollen, erhält United etwa 100 Millionen Euro pro Saison.

Dazu kommen 65 Millionen Euro pro Jahr von Hauptsponsor Chevrolet und ab der kommenden Saison rund 100 Millionen pro Saison von Ausrüster Adidas. Rechnet man dann noch die rund 100 Millionen Euro aus Merchandisingerlösen dazu, bekommt man eine ungefähre Ahnung von der Finanzkraft des englischen Rekordmeisters.

Die Wahl zum Weltfußballer des Jahres sorgt mal wieder für Aufsehen: Mit Cristiano Ronaldo gewinnt der größte Showact den Titel, nicht unbedingt der beste Fußballer. Das Wahlprozedere schreit förmlich nach einer Reform. Aber selbst dann bleiben Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Veranstaltung.

Messi dürfte insgesamt rund 400 Millionen Euro kosten

Messis Vertrag in Barcelona läuft bis 2018, der 27-Jährige dürfte noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen. Bisher ist er erst einmal in seiner Karriere gewechselt: Als 13-Jähriger von seinem Heimatklub Newell’s Old Boys zum FC Barcelona. Ein Kontrakt bei einem anderen Klub als den "Blaugrana" wäre eine langfristig angedachte Angelegenheit. Inklusive seines Jahresgehalts für sieben Jahre pendelt sich das komplette Finanzvolumen für den Spieler Lionel Messi bei etwa 400 Millionen Euro ein - bei vorsichtiger Kalkulation.

Es dürfte nur sehr wenige Klubs auf der Welt geben, die solch eine Summe stemmen können. Neben United aus der Premier League allenfalls noch Manchester City und vielleicht der FC Chelsea. Der war im Sommer in Barcelona abgeblitzt: Die angebotenen 150 Millionen Ablöse für Messi rangen den Barca-Bossen nicht mal ein müdes Lächeln ab.

Paris St.-Germain würde man einen Transfer dieser Größenordnung noch zutrauen. Oder eben Real Madrid. Aber Lionel Messi im königlichen Trikot? Eher dürfte der Argentinier zu Arminia Bielefeld wechseln. Ein deutscher Klub als Bieter ist nicht in Sicht, der FC Bayern München würden sich auf einen derartigen Irrsinn nicht einlassen. Und ManCity, PSG und Chelsea bewegen sich derzeit ohnehin schon am Rande des Financial Fairplay.

Das schlechte Beispiel Donis Avdijaj

Dass die Preisspirale im Profifußball seit dem Bosman-Urteil vor 20 Jahren kräftig an Fahrt aufgenommen hat, ist keine neue Erkenntnis. Im konkreten Fall scheint die überdimensionierte Ablöseforderung aber vor allem eines zu sein: Das erste und ziemlich probate Mittel zur Abschreckung. Real Madrid hat erst vor wenigen Monaten die fiktive Ablöse für Cristiano Ronaldo auf eine Milliarde Euro beziffert. Ernst kann man das schon lange nicht mehr nehmen, am Ende handelt es sich bei diesem Gebahren um klassisches Säbelrasseln gepaart mit einer völlig überzogenen Götterverehrung.

Die Gerüchte über den genialen Argentinier überschlagen sich.

Lionel Messi gehört dem FC Barcelona, und das soll auch so bleiben. Vermutlich wird der Floh auch immer in Katalonien bleiben. Wie viel eine hoch angesetzte Ablösesumme wert ist, konnte man vor wenigen Tagen in Gelsenkirchen feststellen.

Donis Avdijaj hat Schalke eine 49-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel in den Vertrag gezimmert. Da war der Spieler 17 Jahre jung. Mittlerweile hat Avdijaj die Knappen vorübergehend verlassen. Das Riesentalent kickt jetzt leihweise bei Sturm Graz, dem Tabellenfünften in der österreichischen Bundesliga.