Frankfurt/Main (dpa) - Von der Brisanz der Derbys Dortmund gegen Schalke, Mönchengladbach gegen Köln oder Bremen gegen Hamburg ist das Nachbarschaftsduell Frankfurt gegen Mainz weit entfernt.

Zwar behaken sich die beiden Rhein-Main-Rivalen auch immer mal wieder gerne in der Öffentlichkeit, doch eine Rivalität wie bei den anderen Vergleichen hat sich zwischen der Eintracht und dem FSV bislang nicht entwickelt. "Ich weiß nicht, ob das als Derby angesehen wird", sagte selbst der neue Frankfurter Trainer Thomas Schaaf.

Und so zieht die Begegnung an diesem Dienstag (20.00 Uhr) ihren Reiz aus einigen anderen Komponenten. Vor allem das Aufeinandertreffen der beiden Trainer ist interessant. Es ist ein Duell der Gegensätze, wie sonst kaum ein anderes in der Liga. Hier Thomas Schaaf, ein Kind der Bundesliga, nach 14 Jahren als Coach von Werder Bremen nun in seinem ersten Jahr bei Eintracht Frankfurt. Und da Kasper Hjulmand, erstmals in Deutschland tätig und mit dem FSV Mainz 05 in seiner kurzen Zeit in der Weltmeister-Liga schon durch zahlreiche Höhen und Tiefen gegangen.

Nach dem peinlichen Aus in der Qualifikation zur Europa League und dem kläglichen Scheitern in der ersten Runde des DFB-Pokals hatten die ersten Experten bereits begonnen, den Nachfolger von Thomas Tuchel in Mainz öffentlich anzuzählen. Doch nach der Generalüberholung des noch unfertigen Kaders kurz vor dem Ende der Transferperiode startet Hjulmand mit den 05ern inzwischen durch. Erst der Auswärtssieg in Berlin, dann der bemerkenswerte Erfolg gegen Vizemeister Borussia Dortmund. Auf einmal reist der FSV als Zweiter der Tabelle und als leichter Favorit an den Main.

"Das freut mich sehr für Kasper. Er ist ein sehr angenehmer Kollege", sagte Schaaf über den Skandinavier, den er von internationalen Trainertagungen kennt und schätzt. "Da sieht man mal, wie schnell es gehen kann."

Derby hin oder her - Schaaf und Hjulmand freuen sich auf die Partie der beiden Nachbarn. "Das ist schon was Besonderes", sagte der Däne. "Wir sind bereit für ein gutes Spiel." Das glaubt auch Schaaf von seiner Mannschaft, eine spezielle Ansprache will er an sein Team aber nicht richten. "Ich sage ihnen vor anderen Begegnungen ja auch nicht, dass sie es heute etwas ruhiger angehen lassen sollen."

Personell muss die Eintracht wieder einige Rückschläge verkraften. Constant Djakpa fällt nach seinem Kreuzbandriss monatelang aus, Slobodan Medojevic ist nach seiner unberechtigten Gelb-Roten-Karte aus dem Schalke-Spiel gesperrt. "Wir werden sehen, wie wir das kompensieren", sagte Schaaf. Für Djakpa wird Bastian Oczipka in die Startelf rücken, in die zudem der von seiner Magen-Darm-Grippe genesene Bamba Anderson zurückkehren wird. Aber auch den Mainzern fehlen in Kapitän Nikolce Noveski, Jo-Hoo Park, Philipp Wollscheid und wahrscheinlich auch Niko Bungert wichtige Spieler.

Einen ungewöhnlichen Plan für die beiden Duelle zwischen Frankfurt und Mainz hatte Eintracht-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen ausgeheckt. Auf dem Rückflug vom gemeinsamen Besuch in der Fernsehsendung "Doppelpass" bei "Sport1" schlug Bruchhagen seinem Kollegen Christian Heidel vor, dass jedes Team sein Heimspiel doch gewinnen könne - weil das besser sei als zwei Unentschieden. Heidel ließ sich auf den scherzhaften Deal aber nicht ein.© dpa