Frankfurt/Main (dpa) - Bundestrainer Joachim Löw hat vor dem wichtigen EM-Qualifikationsspiel in Polen plötzlich Personalprobleme.

Mesut Özil musste wegen Schmerzen im linken Knie zu einer Kernspinuntersuchung nach München reisen. André Schürrle blieb auch am zweiten Tag der Vorbereitung zu individuellen Einheiten im Hotel. Ob der grippekranke Schalker Julian Draxler noch rechtzeitig für das Duell am Samstag in Warschau zur Nationalmannschaft nachreisen kann, ist weiter unklar.

Löw hatte am Mittwoch somit nur noch 14 fitte Feldspieler und drei Torhüter im Training. Über eine mögliche Nachnominierung soll noch befunden werden. Gerade im Mittelfeld muss Löw nun angesichts des wahrscheinlichen Özil-Ausfalls improvisieren. Verletzt fehlen beim Doppelspieltag gegen Polen und drei Tage später in Gelsenkirchen gegen Irland ohnehin die Weltmeister Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sowie Marco Reus und Mario Gomez.

Robert Lewandowski findet sich nach kurzer Anlaufzeit bei den Bayern immer besser zurecht. Grund dafür ist eine kleine, aber wichtige Umstellung am Münchner Spielsystem - und Haudegen Xabi Alonso.

Ein Ausfall Özils und Schürrles würde Löw zu größeren Umbauarbeiten zwingen. Im Training rückte Lukas Podolski auf die linke Mittelfeldseite. Bei einer Übungsform agierte er mit Thomas Müller, Christoph Kramer und Toni Kroos in einer Viererkette. Gesucht würde allerdings ein weiterer Mittelfeldmann - sofern Mario Götze wie erwartet davor als Spitze agiert. Kandidaten wären der Hoffenheimer Sebastian Rudy als defensive Variante oder Neuling Karim Bellarabi.

In einem am Mittwoch veröffentlichten FIFA-Interview hatte Löw bereits vor der aktuellen Entwicklung über die generelle Personallage gesprochen. "Auf einigen Positionen haben wir schon auch Probleme. "Wie Sand am Meer", wie oft zu hören ist, gibt es auch bei uns keine Weltklasse-Spieler. Aber wir haben einige außergewöhnliche Talente, das stimmt schon", sagte Löw in dem Gespräch mit dem Weltverband.

Vor EM-Quali plagt sich Bundestrainer Löw mit Personalproblemen.

"Nach einer WM, die kräfteraubend für alle Spieler ist, gibt es immer mal Situationen, bei denen Spieler kurzfristig ausfallen, weil sie sich verletzen. Von daher bin ich nun in den Monaten Oktober und November auf Wechsel eingestellt", sagte Löw. Dennoch hatte er überraschend nur 20 statt 23 Akteure in sein mittlerweile reduziertes Aufgebot berufen.

Einen Weltmeister-Bonus kann Löw in der EM-Qualifikation nicht erkennen. "Sagen wir mal so: So schön der Titel ist und so viel er einem gibt, nun beginnen wir wieder bei Null. Eine WM-Teilnahme, noch dazu bis ins Finale, bringt natürlich einige Herausforderungen für die Zeit danach mit sich", sagte der 54-Jährige.© dpa