Das dürften viele Fußball-Fans nicht gerne hören: Ausgerechnet Ralf Rangnick, Sportdirektor des bei vielen unbeliebten und als Retortenklub angesehenen RB Leipzig, hat Mitleid mit den Traditionsvereinen. Grund dafür ist ein Vorfall, der sich am Sonntag in Karlsruhe zutrug: Fans des 1. FC Nürnberg hatten die "Club"-Profis nach der 0:3-Niederlage beim Karlsruher SC dazu gezwungen, ihre Trikots auszuziehen.

Der Grund für die ungewöhnliche Forderung der "Club"-Fans: Aus ihrer Sicht waren die Nürnberger Spieler nach dem schwachen Auftritt nicht mehr würdig, das Trikot "ihres" Klubs zu tragen.

Kurz darauf tauchte ein Foto auf einer Fan-Homepage auf, in dem die Trikots dann als eine Art "Trophäe" auf einer Wäscheleine hingen. Dazu stand der der Satz: "Sie sind in guter Verwahrung und die Mannschaft hat so wenigstens ihre Demut gegenüber Verein und Kurve gezeigt."

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Eine in den Augen vieler Beobachter unverschämte Aktion, die in der deutschen Fußball-Landschaft Empörung hervorrief - auch bei Ralf Rangnick, Sportdirektor des "Dosen-Klubs" RB Leipzig. "Das sind die Geister, die ich rief", sagte der 56-Jährige der "Bild"-Zeitung und ergänzte: "Mir tun diese Traditionsklubs in der Hinsicht fast schon ein bisschen leid."

Rangnick sieht die Schuld für solch ein Verhalten aber nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Vereinen. "Ich finde schlimm, was in Nürnberg passiert ist. Dass Fans die Trikots wie Skalps an einer Wäscheleine aufhängen", so Rangnick. "Aber das passiert, wenn man solchen Leuten über Jahre und Jahrzehnte die Macht gibt. Die so viel Druck machen, dass man Freundschaftsspiele wie gegen uns vor Jahren absagt."

Der Leipziger Sportdirektor ist sich sicher: "Das würde bei uns nicht passieren." (tfr)