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04.12.2012, 14:30 Uhr

"Nacktzelte absolut vernünftig"

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, begrüßt im Interview den Einsatz der umstrittenen Nacktzelte: "Sie sind bei bestimmten Spielen absolut richtig und vernünftig." Zudem kritisiert er die Gewaltexplosion gegen Polizisten und fordert erneut eine Kostenbeteiligung von DFL und DFB bei den Einsätzen an Spieltagen.

VonWEB.DE Redaktionsmitglied Christian Aichner

Laut der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze sind die Gewalttaten rund um Fußballspiele gestiegen. Ist es für Familien mittlerweile gefährlich ins Stadion zu gehen?

Rainer Wendt: Ganz und gar nicht. Wir sind weit davon entfernt, eine Stimmung erzeugen zu wollen, die dazu führt, dass Familien nicht mehr ins Stadion gehen. Das sind ja genau die Fans, die wir brauchen. Ohnehin sind aus unserer Sicht nahezu 99 Prozent der Fans absolut friedlich. Für Panikmache gibt es überhaupt keinen Anlass.

Fankrawalle

Fanexperte Pilz im Interview über die Hooligan-Problematik im Fußball. >

Werden die Einsätze für die Polizisten gefährlicher?

Rainer Wendt: Es gibt eindeutig eine Tendenz zu mehr Gewalt, die sich direkt gegen die Polizei wendet. Beamte werden zum Teil ganz bewusst in Hinterhalte gelockt und dann gezielt angegriffen. Fußball ist dabei aber nur der äußere Anlass für die Krawallmacher, die nicht mehr nur die Konfrontation mit den gegnerischen Fans suchen.

DFB und DFL sollen sich an Kosten beteiligen

Die Polizei wird auch bei den Einsatzzeiten immer mehr gefordert. Mit 1,9 Millionen Arbeitsstunden ist ein neuer Höchststand erreicht worden. Was bedeutet das in der Praxis?

Rainer Wendt: Das heißt, dass wir mehr als elf Hundertschaften der Polizei im Jahr ausschließlich bei Fußballspielen einsetzen. Bedenkt man, dass eine Hundertschaft etwa 130 Mann stark ist und eine Stelle Personalkosten von 80.000 Euro mit sich bringt, sind wir bei Gesamtkosten von deutlich über 100 Millionen Euro.

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder gefordert, dass sich die Vereine an diesen Kosten beteiligen sollen.

Rainer Wendt: Das halte ich für nicht machbar. Das würde vor allem für unterklassige Teams das finanzielle Aus bedeuten. Ich finde aber, dass sich DFB und DFL wenigstens mit 50 Millionen Euro in Form einer Sicherheitsgebühr an den Kosten beteiligen müssen. Das ist bei Privatleuten im Übrigen längst der Fall. Jedes Bundesland hat eine eigene Gebührenordnung für Polizeieinsätze. Und für jeden Einsatz werden Privatpersonen zur Kasse gebeten. Das Geld für die Einsätze rund um Fußballspiele sollte dann aber nicht in irgendwelchen Länderhaushalten verschwinden, sondern direkt der Polizei zugutekommen, beispielsweise sollten die abgeleisteten Überstunden vergütet werden.

Werden 'Nacktzelte' bald obligatorisch?

Das klingt so, als fühle sich die Polizei vor allem von der Politik und den Verbänden alleine gelassen?

Rainer Wendt: In der Zusammenarbeit gibt es positive und negative Aspekte. Ich bin jetzt seit gut fünf Jahren im Amt. Seitdem diskutieren wir über Maßnahmen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Einsatzstunden der Polizei von 700.000 auf 1,9 Millionen gestiegen. Passiert ist aber nichts. Mit dem DFL-Sicherheitskonzept bewegt sich nun aber endlich was.

Das soll am 12. Dezember auf der Vollversammlung des Ligaverbandes verabschiedet werden.

Rainer Wendt: Dazu muss es auch kommen. Die Politik hat ja auch klargemacht, dass die Zeit der Runden Tische langsam aber sicher vorbei sein muss. Der Dialog ist wichtig, aber er darf nicht zum Selbstzweck werden. Im Dezember müssen wir nun zu einer Entscheidung kommen, sonst wird die Politik entscheiden. Dann könnten die Ordnungsbehörden den Vereinen konkrete Auflagen machen, etwa zur Sperrung von Tribünenbereichen oder bei der Gestaltung der Einlasskontrollen.

Gerade beim Thema Einlasskontrollen kam es zuletzt zu heftigen Debatten - Stichwort "Nacktzelte". Sind solche Maßnahmen nicht überzogen?

Rainer Wendt: Nein. Die sind bei bestimmten Spielen absolut richtig und vernünftig. Die Aufregung der Fans verstehe ich nicht. Auch am Flughafen gibt es ja solche 'körpernahen Durchsuchungen'. Wenn es dort um die Sicherheit geht, regt sich keiner auf. Verstehen Sie mich aber nicht falsch: Wir fordern nicht, dass wie am Flughafen jeder Fan vor dem Einlass ins Stadion durchsucht wird. Das geht auch vom Aufwand her gar nicht. Es gibt aber Spiele, bei denen intensive Kontrollen, beispielsweise der Stehplatz-Fans, sinnvoll sind. Aber das muss auch aus unserer Sicht die Ausnahme bleiben.

Rainer Wendt (56) ist seit 2007 Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG). Zwischen 1997 und 2010 war er zudem Vorsitzender der DPoIG in Nordrhein-Westfalen. Polizeibeamter ist er seit 1973.

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358 Meinungen zu ""Nacktzelte absolut vernünftig""

  • Luna09
    Donnerstag, 20.12.2012, 09:41 Uhr
    Pixdau58 schrieb @ich58 schrieb: "Meine Meinung steht schon voll und ganz bei Harka,denn jeder Verein ist eine Firma die nur die Sprache des Geldes versteht." ........................... Deine Aussage ich nicht ganz richtig! Das mag seine Gründe darin haben, dass dir der Terminus Firma im rechtlichen Sinne nicht bekannt ist. Nicht jeder Bundesligist ist als Firma (rechtsfähige Person) in der Liga aktiv. @beide Dafür ist die BR(v)D eine Firma. Die steht sogar im Handelsregister. Deswegen sind wir ja auch nur Personal mit nem Personalausweis (nicht Personenausweis) und haben nur "Beamte" mit Dienstausweisen. Oder fragt doch mal nen Polizisten nach seinem Amtsausweis, den er ja als Beamter haben müsste. Ihr werdet keine zu sehen bekommen. :D:D:D
  • Luna09
    Donnerstag, 20.12.2012, 09:34 Uhr
    @Hartz0815 S.50 Sehr guter Beitrag. Damit ist eigentlich alles gesagt. leider laufen viele mit Scheuklappen durch die Welt und glauben der Springer/Bertelsmann- und wie sie noch heißen Medien-Propaganda. Lasst euch nur immer mehr kontrollieren und überwachen, irgendwann wird es dann verboten sein, im Stadion zu husten. Es könnte sich ja jemand anstecken.
  • Hutberg
    Samstag, 15.12.2012, 17:49 Uhr
    Herr Wendt, gehts ihnen gut? Bei diesen Äußerungen muss man ja mal nachfragen... Absoluter Schwachsinn! Als Fußballfan ist man nicht automatisch ein Verbrecher!!! Fangen sie bei sich an!
  • Dschab
    Mittwoch, 12.12.2012, 15:23 Uhr
    Dieser Wendt will mich doch verarschen? Es wurden keine ganz Körperscanner an Flughäfen eingeführt weil die allgemeine Bevölkerung ein Problem damit hat, sicht nackt zu zeigen. Hier reden wir von Menschenleben, wenn dann das nächste mal irgendwelche Terroristen in Gebäude fliegen, bewaffnet mit Knarren, Messern und Sprengstoff. Beim Fussball sprechen wir "lediglich" von Pyro und Knallkörpern, die definitiv auch gefährlich sind und meiner Meinung nach nichts im Stadion verloren haben. ABER das steht in keiner Relation...... Mal abgesehen davon ist der Fussball nicht gefährlicher oder gewalttätiger geworden, ganz im Gegenteil. Man schaue sich doch mal Spiele in den 80er und 90er Jahren an National und International Deutschland- Holland da gab es förmlich Strassenschlachten, selbst die Derbys die heute schon fast keine mehr sind 1860 - Bayern München, da sind früher die Fetzen geflogen. Noch eins zur Polizeigewalt... Die gibt es defininitv, Stuttgart 21, da werden Rentner und Schüler mit Pfefferspray bearbeitet nur um die Masse zurück zu treiben. Ich bin selbst von der Münchner Polizei im Stadion mit angelegtem Schlagstock zurück in den Block gedrängt worden, völlig Überzogen so eine Reaktion, da muss man ersteinmal Ruhe bewahren. Dieses ganze Konzept ist nicht unbedingt verkehrt, nur meint die Politik nun aufgrund der Medienpräsenz hier tätig werden zu MÜSSEN und das nur aufgrund der Bundestagswahlen. Um das nochmal ein wenig auf die Spitze zu treiben, den Politikern geht es nicht um die SIcherheit im Stadion sondern um Wählerstimmen, das und NUR das zählt
  • esip
    Mittwoch, 12.12.2012, 09:35 Uhr
    Gossensport
  • Dante182
    Montag, 10.12.2012, 09:08 Uhr
    "Es gibt aber Spiele, bei denen intensive Kontrollen, beispielsweise der Stehplatz-Fans, sinnvoll sind." Na dann mal viel Spaß in Stadien die zu 85% aus Stehplätzen bestehen! Schön wie dort wieder eine Gruppe von Leuten zu vermeindlichen Straftätern mutiert!
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