Newcastle/Australien (dpa) - Das 0:4 gegen Titelverteidiger Japan geriet für die Fußballer aus Palästina schnell zur unwichtigsten Nebensache der Welt. Alles andere als eine klare Niederlage gegen den viermaligen Asien-Cup-Champion wäre einer sportlichen Sensation gleichgekommen.

Doch weitaus bedeutsamer als das Ergebnis war an diesem historischen Tag im australischen Newcastle etwas ganz Anderes: Zum ersten Mal überhaupt durfte sich eine Auswahl Palästinas auf einer der großen internationalen Fußball-Bühnen präsentieren.

Als um 17.54 Uhr Ortszeit die Hymne erklang, sangen die Spieler von Torwart Ramzi Saleh über Khader Abuhammad bis zu Angreifer Ashraf Al-Fawaghra voller Inbrunst mit. Vor dem Stadion hatten schon Stunden vor dem Anpfiff palästinensische Fans den besonderen Augenblick gefeiert, auf der Tribüne schwenkten sie stolz ihre Fahnen.

"Der große Titelfavorit gegen die märchenhafte Geschichte dieses Turniers", hatte die Zeitung "Herald Sun" das ungleiche Duell überschrieben. Ungleich nicht nur in sportlicher Hinsicht mit dem fünfmaligen WM-Teilnehmer Japan auf der einen und einer Elf der international eher Namenlosen auf der anderen Seite.

Dass Yasuhito Endo (8. Minute), der Mainzer Bundesliga-Stürmer Shinji Okazaki nach Vorlage von BVB-Profi Shinji Kagawa (25.), Keisuke Honda (44./Foulelfmeter) und Maya Yoshida (50.) nach einem Kagawa-Eckball den erwartbaren 4:0 (3:0)-Erfolg für Japan herausschossen, geht als statistische Fußnote in die palästinensische Fußballgeschichte ein.

Durch einen 1:0-Sieg gegen die Philippinen im AFC Challenge Cup auf den Malediven qualifizierte sich die schlecht ausgestattete Auswahl erstmals für den Asien-Cup. Und das, obwohl es den von den Vereinten Nationen vor rund zwei Jahren anerkannten Staat Palästina nach dem erneuten Scheitern der Friedensgespräche mit Israel weiterhin nur auf dem Papier gibt. Wieder und wieder wies Trainer Ahmed Al Hassan in diesen Tagen von den Mühen und Schwierigkeiten in seinem Job hin.

"Alle Spieler haben Probleme. Es war sehr schwer, die Spieler an einem Ort zusammenzubekommen, weil einige Reise-Genehmigungen brauchten", erzählte Al Hassan am Tag vor dem Spiel in der Pressekonferenz. Viele seiner Profis leben im israelisch besetzten Westjordanland oder dem weitgehend abgeschotteten Gazastreifen.

"Wir müssen uns immer außerhalb Palästinas treffen, diese Situation hat keine andere Mannschaft auf der Welt", sagte Al Hassan. Da die israelischen Reisebeschränkungen zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland einen geregelten Trainingsablauf unmöglich machen, wichen die Palästinenser auf Nachbarländer wie Katar oder Bahrain aus, die den klammen Verband PFA auch finanziell unterstützen.

Trotz aller Schwierigkeiten wehren sich die stolzen Palästinenser aber dagegen, nur als Turnier-Touristen wahrgenommen zu werden. "Wir sind nicht nur für uns hier, sondern für 22 Millionen Palästinenser", sagte Kapitän Saleh und gab als Ziel aus: "Wir wollen die Vorrunde überstehen." Nach den Eindrücken vom Spiel gegen die überlegenen Japaner wird sich der Wunsch nicht erfüllen. Aber es gab Wichtigeres.© dpa