Berlin/Hamburg (dpa) - Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird im 16. März die Vorentscheidung treffen, ob er mit Hamburg oder Berlin in den Wettbewerb um die Austragung Olympischer Spiele 2024 gehen wird. Was sind die wichtigsten Argumente der Befürworter und der Gegner von Olympia in Hamburg und Berlin?

Mit dem Slogan "Berlin kann Olympia" wirbt die Hauptstadt für die Bewerbung um die Spiele 2024 oder 2028. Doch die Olympia-Gegner lassen keine Gelegenheit aus, ihre Argumente in die Öffentlichkeit zu bringen. Seit sich der Berliner Senat offiziell für die Olympischen Spiele 2024 und 2028 bewerben will, beharken sich Befürworter und Gegner mit ihren konträren Einschätzungen.

Hamburg will es noch einmal wissen: Nach der Bewerbungsniederlage gegen Leipzig 2002 bewirbt sich die Hansestadt für 2024 oder 2028 als Austragungsort der Olympische Spiele. Dazu muss sie sich jedoch gegen Berlin durchsetzen, ehe sie gegen den "Rest der Welt" antreten kann.

Das spricht für Berlin:

DAS KONZEPT: In Berlin soll ein Konzept der Offenheit, Transparenz und Ökologie entstehen, das den Wünschen der Menschen entspricht. Olympische Spiele sollen ein Sportfest für alle Berliner sein, Spiele zum Mitmachen und Miterleben.

METROPOLE: Olympische Spiele dürfen nicht Diktaturen überlassen werden, die sich als Ausrichter im Glanz des Sportfestes sonnen wollen. Auch Demokratien wie Deutschland müssen sich einbringen. Mit Berlin als international beliebter Metropole hätte Deutschland die besten Chancen.

SPORTSTADT: Berlin hat große Erfahrungen mit sportlichen Großveranstaltungen. Das Finale der Fußball-WM 2006, die Leichtathletik-WM 2009 oder die Schwimm-EM 2014 waren Highlights. Jährlich zelebrieren die Berliner ihren Marathon oder das Internationale Stadionfest der Leichtathleten (ISTAF).

NACHHALTIGKEIT: Zwei Drittel der benötigten Wettkampfstätten in und außerhalb Berlins sind bereits heute vorhanden. Trainingsstätten gibt es bereits genug. Sie müssten für Olympia nur teilweise saniert werden.

INFRASTRUKTUR: In Berlin gibt es bereits die vom IOC geforderten mindestens 42 000 Hotelzimmer. Auch die Bus- sowie S- und U-Bahnverbindungen sind schon vorhanden. Teure Baumaßnahmen sind kaum nötig. In Berlin muss für die Spiele keine U-Bahn, kein Olympiastadion und auch kein Hotel neu gebaut werden. Das ermöglicht vergleichsweise günstige Spiele.

Das spricht gegen Berlin:

DIE KOSTEN: Die tatsächlichen Kosten für Olympische Spiele in Berlin sind noch völlig unklar. Der Bau und die Modernisierung der Sportanlagen kosten laut Senat 2,4 Milliarden Euro. Dazu kommen laut Konzept noch Milliarden-Ausgaben für das olympische Dorf, die Wettkämpfe, die Sicherheit, das Medienzentrum sowie Transport und Werbung. Die Gesamtkosten sind nach Angaben des Senats noch nicht zu beziffern. In London lagen die tatsächlichen Kosten weit über den Prognosen.

DIE POLITISCHEN GEGNER: Für die Grünen steht es fest: Die verschuldete Hauptstadt kann sich Olympische Spiele nicht leisten. "Berlin ist eine faszinierende Stadt ohne Olympische Spiele", sagte Bettina Jarasch, die Vorsitzende des Landesverbandes. Auch die Linken sind mehrheitlich dagegen, der Linke-Fraktionschef in Bundestag Gregor Gysi, ist aber dafür - allerdings ohne Eröffnungsfeiern "die Abermillionen kosten". Und auch das Bündnis NOlympia hat schon mit mehreren Aktionen gegen die Spiele von sich reden gemacht.

KEIN NUTZEN: Kitas, Schulen, Bäder und Sportanlagen sind zum Teil in einem sehr schlechten Zustand und müssen dringend saniert werden. Das ist für die meisten Berliner viel wichtiger als ein Großereignis im nächsten Jahrzehnt, das nur wenige Wochen dauert. Die für Olympische Spiele geplanten Neubauten und Sanierungen von Sportanlagen nützen dem Breitensport wenig. Auch die Turnhallen der Schulen und die Freizeitbäder profitieren von Olympia nicht.

WOHNRAUMBEDARF: Berlin braucht ganz schnell ganz viele neue Wohnungen. Das Olympische Dorf würde voraussichtlich erst nach den Sommerspielen 2028 als Wohnraum zur Verfügung stehen. Das ist viel zu spät.

Allerdings ist natürlich auch die Hansestadt "Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg". So lautet das Motto für die Bewerbung der Elbmetropole um Olympische Spiele 2024. Doch es gibt nicht nur Argumente für eine Austragung in der Hansestadt.

Das spricht für Hamburg:

DAS KONZEPT: Die Stadt plant kompakte Spiele der kurzen Wege mit den Olympia-Stätten und dem Athletendorf auf einer Elbinsel. Weitere Trainings- und Wettkampfstätten sollen von hier nur zehn Kilometer entfernt liegen. Auch die benötigten Segelreviere auf der Ost- oder Nordsee sind nah.

BREITENSPORT: Nur wenige Wettkampf- und Trainingsstätten müssten neu gebaut werden, heißt es bei den Planern. Zur Freude der Sportvereine sollen bestehende Anlagen modernisiert werden, was auch dem Schulsport zugutekommt.

DIE NACHNUTZUNG: Die neue Olympia-Anlage soll nach den Spielen in einen neuen Stadtteil integriert werden. Das Stadion wird von 70 000 auf 20 000 Plätze zurückgebaut, die Olympia-Halle zum Kreuzfahrtterminal. Die Sportlerquartiere werden zu 3000 Wohnungen umfunktioniert.

DIE EFFEKTE: "Wir könnten das, was wir ohnehin planen, beschleunigen", betont Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Die Investitionen, auch in Verkehrsanlagen, werden als "riesiges Konjunkturprogramm" gesehen. Für die Bürger soll es Transparenz von der Planung bis zur möglichen Olympia-Durchführung geben.

DAS ANSEHEN: Die Hansestadt erhofft sich einen Imagegewinn - vor allem im Ausland. In Europa liegt sie mit jährlich 12 Millionen Übernachtungen an zehnter Stelle. Die Hotelbranche will bis Ende 2016 über mehr als 62 000 Betten verfügen.

Das spricht gegen Hamburg:

DIE KOSTEN: Sie stehen für das Großprojekt noch nicht fest. Für den Sportstättenbau und Modernisierung werden bislang rund 2,1 Milliarden Euro (2024) genannt. Genauer soll erst gerechnet werden, wenn Hamburg den DOSB-Zuschlag erhält. Für die Spiele dürfen schon wegen der von 2020 an geltenden Schuldenbremse keine neuen Schulden gemacht werden.

DIE POLITISCHEN GEGNER: Die Grünen - derzeit mit der SPD in Verhandlungen zur Regierungskoalition - sagen zur Bewerbung "Ja, aber". Für sie darf es nicht zu einer Kostenexplosion wie beim Bau der Elbphilharmonie (knapp 800 Mio Euro) kommen. Die oppositionelle Linke ist gegen das Projekt ("Finanzielles Abenteuer"). Hinzu kommen die (N)Olympia-Aktivisten, die voraussichtlich erst nach einem Zuschlag für Hamburg prominenter in Erscheinung treten dürften.

SPORTLICHE GROßEREIGNISSE: Die Hansestadt hat bis auf die Triathlon-WM 2007 nur wenige internationale Meisterschaften zu Gast gehabt. Berlin hat da mehr zu bieten, wie die Leichtathletik-WM 2009 und die Schwimm-EM 2014.

HAFENWIRTSCHAFT & UMWELT: Für den Bau der Olympia-Stätten müssen auf der Elbinsel noch ansässige Hafenbetriebe (2500 Mitarbeiter) umgesiedelt werden. Die Stadt will die Kosten übernehmen. Die Grünen warnten daher vor einem "Blankocheck". Der Unternehmensverband Hafen Hamburg bezweifelt, dass die Verlegung bis 2024 zu schaffen ist. Naturschutzverbände befürchten dabei die Ausweitung des Hafengebietes in Naturräume. Für Nabu und BUND ist der Umweltschutz bei der Olympia-Planung und Bewerbung ohnehin nicht genügend berücksichtigt.© dpa