Nach Informationen der BBC sollen 16 Tennisprofis aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein.

Das berichteten die BBC und das US-Medium "BuzzFeed" am Montag kurz vor Beginn der Australian Open in Melbourne. Die Informationen basieren auf geheimen Dokumenten, allerdings werden darin keine Namen genannt.

Auch Partien in Wimbledon sollen von den Manipulationen betroffen, sogar Grand-Slam-Turnier-Sieger unter den Beschuldigten sein.

Einige der beschuldigten Spieler sollen auch bei den diesjährigen Australian Open am Start sein.

Glatte Niederlage schon in der ersten Runde in Melbourne.

ITF kündigt Stellungnahme an

Die International Tennis Federation (ITF) kündigte an, sich im Laufe des Tages zu den Vorwürfen zu äußern.

In der Vergangenheit hatte es bereits immer mal wieder Berichte über vermeintliche Absprachen bei Tennisspielen gegeben.

So wurde der ehemalige russische Profi Nikolai Dawydenko beschuldigt, in einigen Begegnungen absichtlich aufgegeben zu haben. Bei Wettanbietern waren hohe Einsätze auf eine Niederlage des Russen eingegangen.

BBC und BuzzFeed kritisieren, dass die Tennis-Verantwortlichen zu wenig gegen vermeintliche Wettmanipulationen getan hätten. Bislang wurden lediglich einige unbekannte Profis bestraft.

"Es gibt einen harten Kern von ungefähr zehn Spielern, die, wie wir glauben, die Wurzel des Problems sind", sagt Mark Philipps, einer der Chef-Ermittler, der BBC. Er habe die ITF immer wieder über diese Spieler informiert. Passiert sei jedoch nichts. Und dass, obwohl die "Beweise sehr stark gewesen seien", wie der Ermittler erzählt.

ATP-Chef weist Vorwürfe zurück

Chris Kermode, Chef der ATP, hat indes dementiert, dass Informationen über vermeintliche Absprachen von Tennisspielen zurückgehalten würden. "Wir weisen jeden Vorwurf, dass Beweise über Wettmanipulationen verdrängt wurden, absolut zurück", sagte Kermode in Melbourne am Eröffnungstag der Australian Open.

Bildergalerie starten

Boris Becker, Steffi Graf oder Michael Stich: Was machen die Tennis-Stars von damals heute?

Anlässlich des 47. Geburtstags von Michael Stich zeigen wir Ihnen, was aus den deutschen Tennis-Legenden geworden ist.

Kermode sagte, man benötige Beweise, um gegen irgendwelche Spieler vorgehen zu können. Auf Gerüchten und Vermutungen basierend könne man keine Ermittlungen aufnehmen.

"Null-Toleranz-Politik" der Verbände

Im Zentrum der Enthüllungen von BBC und BuzzFeed steht eine Partie zwischen dem Russen Nikolai Dawydenko und Martin Vassallo Arguello aus Argentinien bei einem Turnier im polnischen Sopot aus dem Jahr 2007. Die Ermittlungen dazu wurden damals ergebnislos eingestellt.

Kermode machte im Namen der Herren-Organisation ATP, der Damen-Organisation WTA, der vier Grand-Slam-Turniere und des Weltverbandes ITF deutlich, dass es in Bezug auf Manipulationen eine "Null-Toleranz-Politik" gebe.

Anti-Doping-Agentur wirft Weltverband komplettes Versagen vor.

Djokovic bestätigt Manipulations-Versuche

Der Weltranglistenerste Novak Djokovic befürchtet derweil nicht, dass nun ein Schatten auf den Tennissport fällt. "Es gibt keine richtige Bestätigung oder einen Beweis dafür, das ein aktiver Spieler verwickelt ist", sagte der Serbe am Montag in Melbourne.

Dennoch bestätigte Djokovic Berichte aus dem Jahr 2007. Damals sei er über Leute in seinem Umfeld angesprochen worden, ein Spiel bei einem Turnier in St. Petersburg zu verlieren. "Es ist gar nicht direkt an mich herangebracht worden, sondern direkt zurückgewiesen worden", erinnerte sich Djokovic. "Für mich ist das ein Akt von Unsportlichkeit, ein Verbrechen im Sport", sagte der Schützling von Boris Becker. "Ich denke, für so etwas ist kein Platz im Sport, vor allem nicht im Tennis."© dpa