Die letzte Olympia-Bewerbung endete mit einem Fiasko, das Großbauprojekt Berliner Flughafen hat sich längst zu einem Desaster entwickelt. Trotzdem traut sich die Stadt die Organisation der Olympischen Spiele 2024 zu. Aber kann das gut gehen?

"Ach du dickes B" hat Cornelia Tomerius ihr Buch über die Pleitengeschichten der Hauptstadt genannt und zählt darin fleißig Gründe auf, warum große Vorhaben in der Hauptstadt stets zu einem Flop werden. Schon bald könnte sie Stoff für einen weiteren Band bekommen, denn nun hat sich Berlin ein neues Großprojekt vorgenommen: Olympia 2024 oder – sollte es damit nichts werden – Olympia 2028.

"Ich bin zutiefst überzeugt, dass man international mit Berlin viel, viel bessere Chancen hätte, vom IOC die Spiele zu bekommen als mit irgendeiner anderen Stadt", sagte Berlins scheidender Bürgermeister Klaus Wowereit bei der Vorstellung der Bewerbung. Er nahm mit seinen Worten Bezug auf Konkurrent Hamburg, der ebenfalls als Austragungsort für die deutschen Spiele gehandelt wird.

Berlin oder Hamburg bewerben sich um die Ausrichtung der Spiele.

Aber wie würden die Olympia 2024 in Berlin aussehen? Welche Pläne gibt es schon? Und sind diese finanzierbar? Hier unsere Zusammenfassung:

Die Sportstätten:

In Sachen sportlicher Infrastruktur setzt der Berliner Senat auf eine Fifty-Fifty-Lösung. Mit einem Budget von rund zwei Milliarden Euro will er 15 bereits bestehende mögliche Austragungsstätten auf Vordermann bringen und dazu 15 weitere komplett neu bauen.

Zu den bestehenden zählen das modernisierte Olympiastadion mit 74.000 Plätzen, der benachbarte Olympiapark und die Olympiaschwimmhalle von 1936.

Das Olympische Dorf soll in Tegel entstehen, wo 5.000 Wohnungen gebaut werden sollen. "Wir brauchen ein Olympisches Dorf, gehen aber davon aus, dass sich das refinanziert", sagte Wowereit bei der Vorstellung der Bewerbung und wies auf den großen Bedarf an Wohnungen in Berlin hin.

Das Sportforum Hohenschönhausen könnte als zweites Zentrum genutzt werden. Segeln, Dressurreiten, Kanu oder Rudern sowie Fußball-Spiele sollen in den Ländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ausgetragen werden.

Die Unterbringung:

Sollten die Olympischen Spiele 2024 in Berlin stattfinden, würde dies einen Besucherandrang von 200.000 Menschen pro Tag bedeuten. Mit 130.000 Betten, deren Anzahl bis 2020 auf 160.000 erhöht werden soll, ist die Hauptstadt dafür vergleichsweise gut gerüstet.

Das Verkehrsnetz:

Der Senat setzt auf die bereits bestehende Verkehrsinfrastruktur, mit der täglich bis zu 1,5 Millionen und an Tagen mit starkem Verkehrsaufkommen sogar über zwei Millionen Fahrgäste transportiert werden. Die Stadt sei per Auto, Zug oder Flugzeug – und dabei wird auf den neuen Hauptstadtflughafen BER verwiesen - sehr gut zu erreichen heißt es in dem Bericht.

Die Kosten:

Grenzübergreifende Spiele und eigener TV-Kanal: der Reformplan des IOC.

Bei der Vorstellung der Pläne rechnete Wowereit vor: 50 Millionen Euro veranschlagte er für die Bewerbung, dazu zwei Milliarden für die Austragung der Spiele. "Plus Inflation", wie er hinzufügte, diese bezifferte er auf ungefähr 400 Millionen Euro. 250 Millionen Euro davon sollen in Um- und Ausbauten investiert werden, weitere 250 Millionen Euro für dauerhafte Neubauten, eine Milliarde Euro ist für temporäre Bauten veranschlagt, 250 Millionen Euro für Trainingsstätten und 200 bis 250 Millionen Euro für die Modernisierung von Bestandsgebäuden.

Was sagen die Kritiker?

Unter den Abgeordneten im Berliner Senat ist es vor allem die Linke, die sich kritisch gegen eine Kandidatur der Hauptstadt für Olympia ausspricht. Der frühere Wirtschaftssenator Harald Wolf sagte im RBB-Sender "Radio Eins": "Berlin braucht keine Investitionen in ein tolles Ereignis, das zwei Wochen dauert, sondern Investitionen in die Infrastruktur der Stadt."

Eine Milliarde Euro für temporäre Sportanlagen habe mit nachhaltigen Investitionen in den Breitensport nichts zu tun, kritisierte auch Fraktionschef Udo Wolf im "rbb". "Das ist nur für vier Wochen eine Milliarde Euro aus dem Fenster geworfen."

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ramona Pop bemängelte, dass der Senat bisher kein Finanzierungskonzept vorgelegt habe. "Wird das Geld in Berlin an anderer Stelle fehlen?" fragte sie.

Wowereit hingegen bekräftigte, dass er Olympia für "eine wichtige Zukunftsfrage" halte. "Für die Stadt ergibt sich damit eine große Chance. Ich würde es sehr bedauern, wenn Politik mutlos wird, nur weil man Angst davor hat, bei Bürger-Beteiligungen nicht die gewünschte Abstimmung zu bekommen."