Zwei Kolosse, ein Ziel: Die beiden Deutschen Sebastian Vollmer und Björn Werner ringen im direkten Duell um das Ticket zum Super Bowl XLIX. Dem ersten "deutschen" NFL-Playoff-Duell könnten weitere folgen - denn der Sport ist hierzulande im Aufwind.

Es gibt tatsächlich Menschen, die über Nacht zum Millionär werden. Björn Werner war am 24. April 2013 noch ein 22-jähriger Student aus Berlin, der für die Universität Florida Football spielte. Er lebte von 900 Dollar im Monat in einer Vier-Mann-WG. Tags darauf war er NFL-Profi bei den Indianapolis Colts, ausgestattet mit einem Vier-Jahres-Vertrag über zwölf Millionen Dollar.

In den USA klagen NFL-Einheizerinnen faire Bezahlung ein.

Björn Werners Geschichte ist außergewöhnlich. Ein deutscher Star in der Eliteliga des American Football, das ist immer noch so wahrscheinlich wie ein Tischtennis-Olympiasieger aus Österreich. Aber das könnte sich ändern. Vier Deutsche spielen zurzeit in der NFL, so viele wie noch nie. Markus Kuhn machte jüngst den ersten "deutschen" Touchdown. Und ein Spieler made in Germany wird im Super Bowl XLIX am 1. Februar in Arizona auflaufen - entweder Björn Werner aus Berlin oder Sebastian Vollmer aus Karst.

Die beiden Kolosse treffen in der Nacht von Sonntag auf Montag (Kick-off 0:40 Uhr deutscher Zeit) im Conference-Finale der AFC zwischen den New England Patriots und den Indianapolis Colts aufeinander. "Ich freue mich total, dabei zu sein - Sebastian wird es genauso gehen", sagt Werner. Der junge Berliner spielt erst seine zweite NFL-Saison - der 30-jährige Vollmer, Spitzname "Sea Bass" (Wolfsbarsch), stand schon 2012 im Super Bowl, verlor aber mit den Patriots gegen die New York Giants.

Leibgardist vs. Jäger

Auf dem Kunstrasen werden sich die Deutschen hart bekämpfen. Vollmer spielt als Right Tackle in der Leibgarde für Patriots-Quarterback Tom Brady. Er sichert die "Blindside", also die Seite, die Brady nicht im Blick hat. Der Superstar muss sich blind auf Vollmer verlassen können. Patzt der 143-Kilo-Mann, wird Brady rüde abgeräumt. Aber Vollmer patzt sehr selten. Einige Experten halten ihn für den besten Right Tackle der ganzen Liga.
Werner gehört als "Pass Rusher" zu den natürlichen Feinden Vollmers. Der Offensive End will ihn überwinden und den Quarterback zu Fall bringen - einen sogenannten "Sack" landen. In dieser Saison gelang ihm das viermal. Zu selten für einen, der 2012 als bester College-Defensivspieler ausgezeichnet und "Germinator" getauft wurde. Sein ehemaliger Highschool-Trainer schätzt Werners Wert auf "nfl.com" trotzdem hoch ein: "Er tut alles, damit das Team gewinnt. Nur sehen die Leute diese Aktionen nicht."

Auf das direkte Duell freut sich Vollmer besonders: "Das ist cool, weil es selten vorkommt." Aber wer ist der Bessere? "Ich sehe die beiden auf Augenhöhe", sagt Peter Springwart. Der Koordinator der deutschen Football-Nationalmannschaft verfolgt die Karriere der Legionäre aufmerksam. Springwart erwartet Routinier Vollmer im Super Bowl: "Der Heimvorteil gibt den Ausschlag für die Patriots."

"Einen Nowitzki haben wir nicht"

Geht es nach Springwart, wird es bald mehr Deutsche in der NFL geben. Vollmer und Werner sind die ersten Spieler, die in deutschen Vereinen mit dem Football anfingen und den Sprung nach ganz oben schafften. "Wir haben das Grobe gemacht und die Amerikaner den Feinschliff", sagt Springwart. Ein Modell, das sich bewähren könnte: Der deutsche Verband wächst und hat knapp 50.000 Mitglieder. Und der Nachwuchs beginnt immer früher mit dem Sport: Springwart fing erst mit 25 Jahren an - "heute kommen die Jungs mit neun oder zehn zu uns". Im besten Fall spielen sie wie Werner und Vollmer in der Jugendnationalmannschaft, werden von Scouts für US-Colleges rekrutiert – und landen in der NFL.

Ihre Vorbilder können die Talente nicht nur im Internet sehen. Die wichtigsten Spiele der NFL werden im Free-TV übertragen, Sat.1 zeigt die Conference Finals im Fernsehen und im Livestream. Auch der Super Bowl wird übertragen. Wenn dann Sebastian Vollmer oder Björn Werner als erster Deutscher triumphiert - vielleicht wird Football "made in Germany" dann zum Exportschlager. Doch so schnell geht es wohl nicht, meint Springwart: "Einen Dirk Nowitzki haben wir noch nicht. Aber wir sind weiter als vor zehn Jahren."