Heerenveen (dpa) - Umarmungen und Küsschen auch von der Konkurrenz: Mit ihrer 60. internationalen Medaille hat sich Claudia Pechstein im Alter von fast 43 Jahren erneut den Respekt der Eisschnelllauf-Welt verdient.

Dank Bronze über 5000 Meter bei der Einzelstrecken-WM in Heerenveen erfüllte sich die Altmeisterin nach Platz fünf über 3000 Meter im zweiten Anlauf ihren WM-Traum.

"Ich freue mich total, mein Ziel erreicht zu haben und mit einer Weltmeisterschafts-Medaille nach Hause zu fahren", sagte sie strahlend. Es war bereits die zweite deutsche Medaille in den Niederlanden nach Bronze für Patrick Beckert über 10 000 Meter. Damit ist die Ausbeute der vorigen WM 2013 bereits erreicht.

Pechstein musste sich nur der Tschechin Martina Sablikova und Carlijn Achtereekte aus den Niederlanden geschlagen geben. Sablikova siegte einen Tag nach ihrem 3000-Meter-Titel in 6:52,73 Minuten, Achtereekte folgte in 6:54,49 Minuten, Pechstein lief im letzten Paar starke 6:56,53 Minuten. "Unter sieben Minuten habe ich eine Weile nicht gehabt", stellte sie stolz fest. "Riesenrespekt und Bewunderung, das ist eine wahnsinnige Leistung", stellte auch der neue Sportdirektor Robert Bartko fest.

Zuletzt hatte Pechstein 2013 bei der WM ebenfalls Bronze über 3000 und 5000 Meter gewonnen. Sablikova konnte sie jedoch nicht gefährden: Ihre Freundin holte bereits ihren siebten WM-Titel in Serie auf dieser Strecke neben zweimal Olympia-Gold. Beide lagen sich im Innenraum in den Armen, nach dem Zieldurchlauf herzte Pechstein als Ersten ihren Lebensgefährten.

Enttäuscht war Stephanie Beckert: Die Erfurterin belegte drei Jahre nach WM-Silber an gleicher Stelle den achten Platz. Die Olympia-Zweite von 2010 lief 7:16,19 Minuten und war damit nicht zufrieden. "Dass ich keine Wunder erwarten konnte, das wusste ich. Ich bin schon enttäuscht mit dem Lauf, weil ich mir eigentlich mehr vorgenommen hatte", sagte die 26-Jährige. Eine angebliche Trennung von Trainerin Gunda Niemann-Stirnemann zum Saisonende wollte sie nicht kommentieren. "Dazu sage ich nix", meinte sie.

Sprinterin Judith Hesse startete mit dem achten Platz über 1000 Meter in die WM und erreichte damit ihr bestes WM-Ergebnis auf dieser Strecke. Die Olympia-Elfte lief 1:15,86 Minuten. Hesse nutzte das Rennen zur Einstimmung auf die 500 Meter an diesem Samstag. "Das war der schnellste und beste WM-Lauf. Wir wollen mal ganz zufrieden sein, wir sind genau im Plan", sagte die 32-Jährige. Den Titel holte sich Brittany Bowe aus den USA in Bahnrekordzeit von 1:13,90 Minuten.

Die 1500 Meter der Herren gewann der russische Titelverteidiger Denis Juskow in der Bahnrekordzeit von 1:43,36 Minuten. Bei der Siegerehrung erklang jedoch nicht die russische Hymne. Juskow schaute irritiert und hob fragend die Arme. Die Ehrung wurde dann wiederholt. Deutsche Läufer waren auf dieser Strecke nicht qualifiziert.© dpa