Peking (dpa) - Alles an einem Tag, mitten in Metropolen der Welt und das mit einem Hauch von Hollywood: Die neue Formel E startet nach monatelanger Werbe- und PR-Tour am 13. September mit der Rennpremiere der ersten vollelektronischen Serie durch.

Kein Geringerer als Hollywoodstar Leonardo di Caprio gehört zu den Teambesitzern, einer seiner Fahrer heißt Nick Heidfeld. "Jeder mit dem Du sprichst, sogar Sponsoren, sind sehr interessiert, weil es viel umweltfreundlicher ist. Das ist es auch, warum ich es mag: Es kann etwas Großes daraus werden", betonte der ehemalige Formel-1-Pilot (37) in einem ESPN-Interview.

Der 183-malige Grand-Prix-Starter ist neben Daniel Abt einer von zwei deutschen Piloten und gehört zu einer Reihe einstiger Fahrer der Motorsport-Königsklasse, die nun in der Formel E die 270 PS starken Wagen mit einer Spitzengeschwindigkeit von 225 Stundenkilometern steuern werden. Zwei Tage vor dem ersten ePrix in Peking gab die FIA-Rennserie den Einsatz von Takuma Sato bekannt - der ebenfalls 37 Jahre alte Japaner kann 90 Formel-1-Auftritte vorweisen. "Definitiv werde ich dort mit Gänsehaut in die Startaufstellung fahren", sagte Abt, der mit 21 Jahren der jüngste Starter im Feld ist.

Jarno Trulli, Jaime Alguersuari, Karun Chandhok, Bruno Senna, Nelson Piquet Junior, Jerome d'Ambrosio, Lucas di Grassi, Sébastien Buemi - sie alle fuhren auch schon in der Formel 1. Zwei Frauen sind ebenfalls am Start: Die Britin Katherine Legge, einst auch schon Testpilotin in der Formel 1 und Stammfahrerin in der DTM, sowie die Italienerin Micela Cerruti, die für das Trulli-Team antreten wird.

Über die quälende Sounddiskussion in der Formel 1 können Formel-E-Verantwortliche nur lachen. "Natürlich wird man die Motorengeräusche hören. Es ist ein Klang, den ich als cool und modern bezeichnen würde", sagte Rennserien-Chef Alejandro Agag der "Welt" in einem Interview. Beim Topspeed erreicht der von allen Teams eingesetzte Standardwagen SRT_01E rund 80 Dezibel. Herkömmliche Straßenautos kommen im Durchschnitt auf 70 Dezibel.

"Die Formel E ist erst der Anfang, und es ist notwendig, die erste Saison genau zu betrachten, um zu sehen was und was nicht funktioniert", sagte FIA-Präsident Jean Todt, der ebenfalls mit Spannung der Premiere in China entgegenblickt. "Das erste Rennen in Peking wird unsere Prüfung sein. Wir haben sehr hohe Erwartungen geweckt, und wenn Du das im Leben machst, darfst Du nicht enttäuschen."

Technologie der Zukunft kombiniert mit Rennsport zum Anfassen - und das weltweit. Um die Fans einzubinden, können diese sogar unmittelbar Einfluss nehmen: Vor dem Rennen stimmen sie ab, welche drei Fahrer während des Rennens den sogenannten FanBoost bekommen. Für fünf Sekunden werden die auf 202,5 PS im Rennen limitierten PS dann auf 243 geschaltet.

In Peking werden Heidfeld & Co im Park der Olympischen Spiele von 2008 fahren, weiter geht es in Malaysia, Uruguay, Argentinien, Miami und Long Beach in den USA, Monte Carlo und: Berlin. Auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof wird am 30. Mai 2015 gefahren, am 27. Juni steigt in London das Finale der insgesamt zehn Rennen umfassenden Serie. Dabei spult die Formel E das volle Programm mit Training, Qualifikation und Rennen an einem Tag ab. Weil die Batterie-Power für die Renndauer von etwa einer Stunde nicht reicht, wechseln die Piloten zwischendurch die Autos. Insgesamt 40 Wagen wurden daher nach Peking transportiert.

Zehn Teams haben für die Premierensaison gemeldet. Darunter auch Venturi, der Rennstall von Mitgründer di Caprio. "Die Zukunft unseres Planeten hängt davon, ob wir Benzin sparende, saubere Auto bauen", betonte der Hollywoodstar. Die Formel E will mit bestem Beispiel vorangehen.© dpa