Das EM-Wunder der deutschen Handballer geht weiter. Mit einem Sieg gegen Norwegen zog die junge Mannschaft ins Finale ein. Nun winkt der erste Titel seit neun Jahren.

Erst jubelten die neuen deutschen Handball-Helden völlig ungezügelt, dann mussten sie doch noch um ihren EM-Coup zittern. Kurz nach dem Halbfinal-Sieg der DHB-Auswahl bei der Europameisterschaft in Polen legte Norwegen am Freitagabend in Krakau Protest ein.

Am Samstagmorgen dann die Entwarnung: Norwegens Verband hat nach eigenen Angaben seinen Protest zurückgezogen. Damit spielt die deutsche Mannschaft an diesem Sonntag in Krakau bei der Europameisterschaft um Gold.

Gegner ist erneut Spanien

Gegner im Endspiel am Sonntag (17:30 Uhr/ARD) ist erneut Spanien, das Kroatien mit 33:29 (18:14) bezwang. In der Vorrunde hatte Deutschland gegen den WM-Vierten mit 29:32 verloren, die bislang einzige Niederlage im Turnier

Nach der Zitterpartie gegen Norwegen hatte sich der sonst so kühle Bundestrainer Dagur Sigurdsson in die Arme von Teammanager Oliver Roggisch gestürzt, die Spieler waren glückstrunken durch die Halle gehüpft.

Nur Sekunden vor Schluss hatte Nachrücker Kai Häfner den WM-Siebten mit seinem fünften Treffer ins EM-Finale geworfen.

WM-Ticket ist gelöst

Damit ist die DHB-Auswahl nur noch einen Sieg vom ersten Titel seit dem WM-Triumph 2007 entfernt. Schon jetzt ist die direkte Qualifikation für die WM 2017 in Frankreich perfekt, beim Titelgewinn wäre auch das Olympia-Ticket für Rio gelöst.

"Wir sind unglaublich glücklich und stolz auf unsere Leistung", sagte der sichtlich erschöpfte Sigurdsson, "wer mehr Spannung braucht, ist glaube ich krank."

Auch der entscheidende Mann Häfner war überglücklich. "Ich habe schon vorher gesagt, wenn die Mannschaft mich braucht, werde ich alles geben und dann schauen, was rauskommt", sagte der erst während der EM wegen Verletzungen ins Team gerückte Rückraumspieler, dem der Bundestrainer eine "große Leistung" bescheinigte.

Tobias Reichmann ist bester Werfer

"Wir haben ein tolles Team", befand Torwart Andreas Wolff und versprach mit Blick auf das Endspiel am Sonntag: "Wir gewinnen auf jeden Fall."

Bester Werfer war Tobias Reichmann, der sieben seiner zehn Treffer vom Siebenmeterpunkt erzielte. "Einfach nur sensationell. Wir sind einfach eine geile Truppe", versicherte der zweite Keeper Carsten Lichtlein.

Im zweiten Halbfinale standen sich anschließend Spanien und Kroatien gegenüber. Zuvor hatte der Gastgeber im letzten Spiel des Deutschen Michael Biegler als Nationaltrainer Polens in Breslau das Spiel um Platz sieben mit 26:24 (12:12) gegen Schweden gewonnen.

Im ersten Halbfinale der neuformierten deutschen Mannschaft, die mit einem Altersschnitt von 24,6 Jahren eher wie einer verstärkte Junioren-Auswahl die EM bestritt, blieb sie ihrer Linie treu. Vor allem der coole Siebenmeter-Schütze Reichmann und der erneut starke Keeper Wolff hielten die Norweger in Schach.

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Sieg gegen Norwegen: Handballer greifen nach EM-Gold

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Norweger halten lang den Anschluss

Dank einer Zwei-Mann-Überzahl konnte sich der WM-Siebte zur Mitte der ersten Hälfte bis auf 9:5 absetzen. Die Norweger bewiesen aber, dass sie nicht umsonst erstmals in der Geschichte ihres Verbandes im Halbfinale standen.

Nervenstark hielten sie Anschluss. Allerdings verpasste es die DHB-Sieben auch durch einige leichtfertig vergebene Chancen, den klaren Vorsprung zu wahren. 14:13 hieß es zur Pause.

Viele vergebene Chancen

In Hälfte zwei machte sich die DHB-Auswahl das Leben weiter durch leichte Ballverluste schwer. So konnten die Norweger sogar in Unterzahl mit 17:16 in Führung gehen.

In dieser Phase wirkte die Sigurdsson-Schützlinge plötzlich gehemmt in ihren Aktionen und taten sich schwer im Angriff. Beim Stand von 17:19 drohte der deutschen Mannschaft die Partie kurz zu entgleiten.

Rune Dahmke rettet

Aber auch die Norweger konnten lange nicht an ihre bemerkenswerten Leistungen der vergangenen Tage anknüpfen und verpassten es, sich entscheidend abzusetzen.

Sogar eine 27:25-Führung genügte nicht, Rune Dahmke rettete die deutsche Mannschaft mit einem Treffer acht Sekunden vor Schluss in die Verlängerung.

Dort zeigte das DHB-Team dann erneut seine Willensstärke, erkämpfte sich die Führung und gab diesen Vorteil nicht mehr her. Häfner machte mit seinem Treffer in allerletzter Minute alles klar. (fte/dpa)© dpa