Seit die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Handball-WM 2015 in Katar in das Viertelfinale eingezogen ist, liegt Deutschland im Handball-Fieber. Die meisten Bundesbürger können die Spiele aber gar nicht live im TV sehen, denn die Partien von Carsten Lichtlein, Uwe Gensheimer und Kollegen laufen nur beim Bezahl-Sender Sky. Warum konnten sich die öffentlich-rechtlichen keine Übertragungsrechte sichern?

DHB-Vizepräsident ist stolz auf Mentalität der deutschen Handballer.

Mit den Erfolgen der deutschen Handball-Nationalmannschaft werden die Diskussionen um die fehlenden Übertragungen der WM im frei empfangbaren Fernsehen immer intensiver. Vorläufiger Höhepunkt: Am Dienstag warf der CDU-Sportpolitiker Frank Steffel ARD und ZDF Sturheit bei den Verhandlungen über die TV-Rechte vor. Der Obmann im Sportausschuss des Deutschen Bundestages forderte die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten auf, umgehend mit dem Pay-TV-Sender Sky über eine Ausstrahlung der anstehenden K.o.-Spiele der deutschen Nationalmannschaft in Katar zu verhandeln. "Das ist meine Erwartung als Gebührenzahler und hat mit Politik gar nichts zu tun", sagte Steffel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Sky hatte zuvor mehrfach betont, dass keine WM-Spiele im Free-TV übertragen werden.

Viertelfinale definitiv nicht im Free-TV

"Ich bewundere, wie Herr Steffel die Erfolge der Handball-Nationalmannschaft ‎zur eigenen Popularisierung nutzen möchte", entgegnete ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Der Politiker ignoriere aber alle Vertragsinhalte und Äußerungen des Rechteinhabers. "Wir respektieren diese aber und werden keine weiteren Vorstöße mehr unternehmen, da auch der Rechtegeber uns unmissverständlich mitgeteilt hat, dass es keine Veränderung mehr geben wird." Rechteinhaber ist die Al-Jazeera-Tochter "beIN Sports", die bei der Vermarktung mit der englischen Agentur Pitch zusammenarbeitet.

Handball-WM 2015: Deutschland feiert Viertelfinaleinzug nach Sieg gegen Ägypten

DHB-Team feiert den Einzug ins Viertelfinale der Handball-WM. © SPIEGEL ONLINE

Auch ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz bestätigte, dass der Pay-TV-Sender mehrfach auf die Exklusivität seiner Rechte hingewiesen habe. Laut Gruschwitz hatten ARD und ZDF vor einigen Tagen noch einmal bei "beIN Sports" nachgefragt, ob eine kurzfristige Einigung und eine Ausstrahlung der deutschen Spiele im Free-TV möglich sei. "Das ist erneut abgelehnt worden", sagte der ZDF-Sportchef. "Herr Steffel hätte sich vor seinen Aussagen besser informieren sollen."

ARD und ZDF hatten die Verhandlungen mit "beIN Sports" ursprünglich Anfang Dezember abgebrochen, weil durch den geforderten Ausschluss der Satelliten-Übertragung rund 18 Millionen Haushalte kein Bild bekommen hätten. Sky hatte daraufhin die Rechte erworben und sendet nur verschlüsselt für seine Kunden.

IHF-Präsident macht ARD und ZDF verantwortlich

Hassan Moustafa, Präsident des Handball-Weltverbandes IHF, hat den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern die Schuld an den geplatzten Verhandlungen gegeben. "ARD und ZDF haben ein zu niedriges Gebot abgegeben, das noch unter dem der WM 2011 lag", sagte Moustafa der "Sport Bild". "Da wollte der Rechteinhaber mehr. Das ist völlig legitim."

Jetzt bloß nicht nachlassen! Nach den überzeugenden Leistungen in der Vorrunde steht für das DHB-Team heute um 16:30 Uhr das Achtelfinale der Handball-WM 2015 an. Die deutsche Nationalmannschaft trifft auf Außenseiter Ägypten. Geht das "Wüstenmärchen" für die Mannschaft von Dagur Sigurdsson weiter? Das Achtelfinale LIVE bei uns im Ticker!

Die beiden Sender weisen das aber zurück. "Das ist eine Frechheit, da kann ich nur den Kopf schütteln", sagte Gruschwitz. Der Präsident habe das Angebot als "in Ordnung" bezeichnet, berichtete der ZDF-Sportchef. Außerdem habe der Rechteinhaber "mit keiner Silbe über die finanzielle Seite des Angebots gesprochen". Auch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hatte mehrfach erklärt, dass mit dem Rechteinhaber nicht über Geld verhandelt worden sei. "Herr Moustafa irrt, wenn er meint, daran sei die Übertragung gescheitert."

Wo kann man das Spiel jetzt sehen?

Handballfans bleiben also nur zwei Möglichkeiten, die Spiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft live zu verfolgen. Um die Partien auf Sky oder mobil über Sky Go zu sehen, benötigen sie ein Abo und ein Sportpaket. Zusammen kostet das 16,90 Euro monatlich im 24-Monats-Abo, danach 34,90 Euro monatlich. Als Alternative gibt es für Sky-Abokunden ein Handball-Turnierticket für einmalig 20 Euro.

Eine kostenlose Alternative bieten Live-Ticker im Internet: Wie bereits das Achtelfinale, tickern auch wir die Viertelfinalbegegnung zwischen Deutschland und Gastgeber Katar am Mittwoch um 16:30 Uhr wieder live.

(dpa/smo)