(am) - Die Leidensgeschichte von Lindsey Vonn geht weiter: Nach einer rätselhaften Darmerkrankung und einer Depressions-Beichte brach sie am Sonntag den Riesentorlauf im französischen Courchevel ab und trat prompt die Heimreise in die USA an – um sich wieder neu zu sammeln. Die österreichischen Ski-Damen haben für dieses Verhalten kein Verständnis und giften nun gegen die vierfache Gesamt-Weltcup-Siegerin.

Es war der erste Durchgang in Courchevel. Lindsey Vonn fuhr den Abhang hinunter, blickte auf ihre Ski und verließ plötzlich die Strecke. Die US-Amerikanerin rutschte neben der Piste ins Tal hinunter und verschwand durch den Hinterausgang. Die Journalisten warteten vergeblich, ihre Fragen blieben unbeantwortet. Vonn postete erst auf Facebook ein Statement, als sie sich bereits auf dem Weg Richtung Flughafen befand.

"Ich habe einen Stein mit meinem linken Ski im Riesentorlauf erwischt und bin vom Kurs abgefahren", rechtfertigte sie ihre Aufgabe. Doch das war anscheinend nicht der einzige Grund, warum sie ihren Lauf vorzeitig abbrach. Vonn schrieb, dass sie jetzt kämpfen müsse, um ihre Energie wiederzufinden. "Ich werde mir in den nächsten Tagen den Kopf zerbrechen, wie ich die nächsten Wochen anpacke und wie ich wieder stark werde", so Vonn weiter. Die US-Amerikanerin gab vor wenigen Tagen erstmals in einem Interview mit dem People-Magazin an, dass sie früher unter Depressionen litt.

Zweifel an den Aussagen Lindsey Vonns

Im Lager der österreichischen Skifahrerinnen stießen diese Äußerungen auf Unverständnis. "Ich weiß nicht, wie viel Wahrheit dahinter steckt", sagte Kathrin Zettel dem Radiosender "Ö3". Anna Fenninger legte nach: "Ich hab' so ein Bild, dass sie gern ein bisserl dramatisiert." Auch Michi Kirchgasser schenkte der US-Amerikanerin wenig Glauben. "Das ist hoffentlich kein PR-Gag", sagte sie. Nur Marlies Schild hielt sich mit kritischen Aussagen zurück: "Wenn man so viel gewonnen hat, ist es natürlich kaum zu glauben, dass man da noch andere Probleme in sich hat. Lindsey hat das offenbar gut kompensiert. So etwas wünscht man keinem."

Mit Ausnahme ihres Facebook-Posts am Sonntagmittag hat sich Lindsey Vonn nicht mehr zu ihrem Abgang in Courchevel und zu ihrem Gesundheitszustand geäußert. Ob sie am Riesentorlauf und am Slalom-Wettbewerb im schwedischen Are (19. und 20. Dezember) teilnimmt, ist mehr als fraglich. Laut übereinstimmenden Medienberichten werde Vonn auch auf den Riesentorlauf und auf den Slalom in Semmering am 28. und 29. Dezember verzichten.

"Fühlte mich wie ein Zombie"

Schon zu Beginn der Saison erkrankte Lindsey Vonn an einer rätselhaften Darm-Erkrankung. Wegen dieser musste sie mehrere Tage im Krankenhaus verbringen. Das Interview mit dem People-Magazin schürt nun neue Gerüchte über ihren Gesundheitszustand. In diesem gestand die 28-Jährige, dass sie seit der Scheidung ihrer Eltern im Jahr 2002 an Depressionen litt. "Nur auf der Piste war die Welt für mich in Ordnung", sagte Vonn.

Darüber hinaus sprach sie auch über ihre im letzten Jahr geschiedene Ehe mit Thomas Vonn. Dieser habe sie 2008 zur Einnahme von Antidepressiva gedrängt, als die Depressionen immer schlimmer wurden. "Ich kam nicht mehr aus dem Bett, konnte nicht einmal mehr weinen und fühlte mich wie ein Zombie", erklärte die vierfache Gesamt-Weltcup-Siegerin. Dank der Tabletten sei es ihr schnell besser gegangen.