Der US-amerikanische Basketball-Star Stephen Curry ist jenseits der 3-Punkte-Linie so außergewöhnlich treffsicher, dass bereits über Regeländerungen diskutiert wird. Doch nicht einmal dies könnte das Dreier-Ungeheuer der NBA stoppen.

Er trifft und trifft und trifft. Bei Stephen Curry sehen Dreipunkte-Würfe kinderleicht aus. Ganz egal, wo der Point Guard der Golden State Warriors auch steht: Der Ball landet wie an einer Schnur gezogen im Korb. Fast so, als wäre er eine Figur aus einem Computerspiel, die mit einem Cheat unbesiegbar gemacht wurde.

Der fast 28-Jährige lässt Bestmarken und Rekorde purzeln.

  • Zwei Spiele in Folge mit je mindestens zehn Dreier-Würfen: Rekord!
  • Zwölf Dreier in einem Spiel: Bestmarke eingestellt!
  • 288 Dreier in der laufenden Saison: Rekord!

Und das ist nur ein kleiner Auszug. Fast jede Bestmarke, die irgendetwas mit der Dreierlinie zu tun hat, hält Curry.

Selbst die Superstars des Basketballs verneigen sich vor dem Dreier-König. "Ich habe in der Geschichte des Basketballs noch nie jemanden wie ihn gesehen", twitterte Mega-Star LeBron James. Auch Legende Earvin "Magic" Johnson spricht von dem besten Schützen, den es jemals gab.

Auf den Spuren von Michael Jordan

Vergangene Saison führte Curry die Golden State Warriors zur Meisterschaft. Auch diese Saison spielen die Kalifornier in einer eigenen Liga. Der letzte Spieler, der einer Mannschaft zu so einer Dominanz verhalf, war in den 1990er Jahren Michael Jordan bei den Chicago Bulls.

Warriors-Trainer Steve Kerr war damals Teamkollege von Jordan und kann die beiden daher gut vergleichen: "Jordan spielte mit Wut im Bauch, Steph spielt mit Freude. Deswegen sieht man es bei ihm nicht unbedingt. In seinem Inneren ist Steph aber ein Killer."

Manche scheinen zu glauben, nur mit einer Regeländerung ließe sich die Dominanz von Curry stoppen. Das ist jedenfalls die Idee von Dirk Nowitzkis Boss Mark Cuban von den Dallas Mavericks. Er möchte die Dreierlinie nach hinten verschieben, damit es schwieriger wird, drei Punkte zu erzielen.

Dieser Vorschlag hat nicht nur mit Curry zu tun. In der gesamten NBA geht der Trend zu mehr Dreier-Würfen. Laut "Sport1" wirft eine Mannschaft durchschnittlich fast 24 Mal pro Spiel von hinter der Linie aus. Das sind fast zehn Distanzwürfe mehr als noch 2001. Curry ist das Gesicht dieser Entwicklung.

Mit einer Verschiebung der Dreier-Linie ließe sich die Anzahl der Würfe vermutlich ligaweit reduzieren. Curry dürfte das herzlich wenig ausmachen. Er trifft von überall aus. Die Dreier-Linie ist derzeit 7,24 Meter vom Korb entfernt.

Doch selbst aus über zwölf Metern Entfernung verwandelte er elf von 22 Würfen. Logisch: Auch das ist ein Bestwert. Er macht sich sogar einen Spaß daraus, beim Aufwärmen vom Spielertunnel aus Richtung Korb zu werfen - oft mit Erfolg.

Die Fähigkeiten von Curry stellen selbst Videospiel-Hersteller vor Probleme. In dem Videospiel NBA 2K16 sollen Dreier eigentlich eine Herausforderung sein - speziell aus dem Lauf heraus.

Doch weil Curry solche Würfe mit Leichtigkeit verwandelt, muss laut Game Director Game Wang noch einmal umprogrammiert werden. "Wir werden das Wurfsystem ändern, um der Einzigartigkeit von Stephs Spiel gerecht zu werden", verriet der Spielentwickler gegenüber dem Games-Portal IGN.

Lange Zeit unterschätzt

Trotz seiner Dominanz wird Curry um seinen Erfolg nicht geneidet. Er verkörpert den amerikanischen Traum des Nobodys, der mit Wille und Einsatzbereitschaft zum Helden wurde.

Anders als LeBron James, der bereits an der High School ein Superstar war und die College-Ausbildung übersprang, um als 18-Jähriger direkt in die NBA zu wechseln, wurde Curry lange unterschätzt.

Kein größeres College bot ihm ein Sport-Stipendium an. Letztendlich schrieb er sich beim wenig namhaften Davidson College ein, dessen Basketballmannschaft zuvor chronisch erfolglos war. Zudem wurde ihm seine Verletzungsanfälligkeit angelastet.

Bei den NBA-Draft 2009 ließen sechs Mannschaften die Chance verstreichen, Curry zu verpflichten. Erst die Golden State Warriors schlugen zu.

Stephan Curry hat den 130:114-Sieg der Golden State Warriors bei Orlando Magic zu einer "One-Man-Show" gemacht.

Die Fähigkeit, trotz aller Triumphe immer weiter an sich zu arbeiten, gilt als sein Erfolgsgeheimnis. Selbst nach der gewonnenen Meisterschaft gönnte er sich keine Pause, wie er im Interview mit "Spox" erzählte:

"Wir haben gefeiert und die Trophäe überall herumgezeigt. Aber das hat zusammen mit den ganzen Foto-Shootings und Sponsoring-Events den ganzen Sommer gedauert. Darum musste mein Personal Trainer mit mir reisen, da ich mich natürlich auch verbessern wollte. Man muss die richtigen Prioritäten setzen."

Es gibt nur eine Person, die Curry die Show stehlen kann: seine eigene Tochter. Bei einer Pressekonferenz saß die Zweijährige Riley auf dem Schoß ihres Vaters und sorgte mit Grimassen, Versteckspielen und ständigem Unterbrechen dafür, dass sich niemand mehr für Curry interessierte. Vielleicht sollten das seine Gegenspieler auch einmal versuchen.