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07.02.2012, 16:36 Uhr

Contador-Urteil spaltet den Radsport

Madrid (dpa) - Das harte CAS-Urteil gegen Alberto Contador spaltet den Radsport: Die Spanier verurteilen den Richterspruch, andere hoffen auf eine Signalwirkung. Contador selbst steht ganz anderen Problemen gegenüber - dem Rad-Star drohen Rückzahlungen in Höhe von zehn Millionen Euro.

Spaniens Presse reagierte entrüstet auf die Entscheidung aus Lausanne. "Der Internationale Sportgerichtshof hat den Verstand verloren", klagte die Sportzeitung "Marca" und bezeichnete die überraschend harte Zwei-Jahres-Sperre gegen den 29 Jahre alten Radprofi als "skandalösen Handstreich". Außerhalb Spaniens wird die Strafe dagegen auch als Beweis für effektiven Anti-Doping-Kampf gewertet. Contador selbst verschanzte sich erstmal am Dienstag stundenlang in seinem Haus in der Kleinstadt Pinto.

Unerwartet war die heftige Reaktion in Spanien freilich nicht. Schon während der 18 Monate langen Wartezeit auf das Urteil, das Contador mit seiner kühnen These von einem mit Clenbuterol verseuchten Steak verhindern wollte, hatten vom Verbandschef bis zu Teamkollegen, vom Tennis-Ass bis zum Sportminister alle für den 29-Jährigen Partei ergriffen. "Jämmerlich", twitterte Tennisprofi Rafael Nadal. Die Sperre sei "kompletter Irrsinn", schrieb "El Mundo". Die Strafe werde "vor allem Verwirrung stiften", kommentierte "El Periódico de Catalunya".

In anderen Ländern wird das Urteil der drei CAS-Richter hingegen als positives Signal gesehen. "Diese Warnung muss nun im Fahrerfeld von jenen erhört werden, die weiterhin gegen die Windrichtung in die Pedale treten", fand das französische Sportblatt "L'Équipe". Für den "Nouvel Observateur" ist die verhängte Sperre "der letzte Beweis dafür", dass Doper nicht mehr "durchs Netz schlüpfen können".

Alberto Contador

Spanischer Radprofi verliert den Tour-Titel von 2010. >

Italiens Radsport-Präsident Renato Di Rocco unterlegte seine Bewertung des Schuldspruchs mit einem Seitenhieb in Richtung Spanien. "Die Disqualifikation ist ein Akt der Gerechtigkeit. Zum spanischen Radsportverband erübrigt sich jeglicher Kommentar, genauso wie zur Haltung der spanischen Regierung in Bezug auf Doping. Zum Glück setzen übergeordnete Instanzen die Regeln durch."

Ähnlich sieht es Cadel Evans, im Vorjahr Sieger der Tour und am Sonntag noch neben Contador bei der Mallorca Challenge auf dem Rad. "Der Radsport hat mehr als genug getan, um zu beweisen, dass der richtige Weg eingeschlagen ist", sagte der Australier bei "Fox News". Kritik fand Evans für die lange Dauer des Verfahrens. Auch Tour-Direktor Christian Prudhomme klagte: "Das Urteil kam nach 565 Tagen. Das ist zu lange. Auch wenn die Sportjustiz in Ruhe arbeiten muss und der Fall außergewöhnlich komplex war, müssen Entscheidungen dieser Art schneller gefällt werden."

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, die neben dem Weltverband UCI beim CAS in Lausanne gegen Contador geklagt hatte, verteidigte das Vorgehen. "Wir hätten es bevorzugt, wenn es schneller gegangen wäre. Doch es war ein komplexer Fall mit rund 4000 Seiten Dokumenten", erklärte WADA-Präsident John Fahey. Knapp 100 Seiten benötigten die Richter für das Urteil, in dem Contadors These abgeschmettert wurde.

Die öffentliche Meinung dürfte Contador und sein Team weniger beschäftigen als der drohende finanzielle Schaden. Die UCI fordert eine Strafe von knapp 2,5 Millionen Euro und darüber hinaus 70 Prozent des Jahreseinkommens des Rundfahrtspezialisten, das auf rund fünf Millionen Euro geschätzt wird. Dazu kommen wohl Preisgelder, die zurückzuzahlen sind - und die Kosten für Contadors Anwälte. Ein Gesamtschaden von rund zehn Millionen Euro scheint realistisch.

Außerdem muss Contadors Team Saxo Bank die Aberkennung des Elitestatus befürchten. Wie die UCI bekanntgab, wird die Lizenzierungskommission prüfen, ob die Streichung aller Ergebnisse des Spaniers seit 21. Juli 2010 Folgen für die Equipe von Teamchef Bjarne Riis hat. Nach Angaben der UCI gingen 68 Prozent der 2011 erzielten Punkte von Saxo Bank auf das Konto Contadors. Ohne diese Zähler "erfüllt das Team nicht mehr die sportlichen Kriterien für die UCI WorldTour", teilte der Verband mit.

Immerhin will der Hauptgeldgeber Saxo Bank auch ohne Kapitän Contador weitermachen. Die Zwei-Jahres-Sperre "wirkt sich nicht auf unser Sponsoring aus", teilte das Geldhaus mit.

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7 Meinungen zu "Urteil spaltet den Radsport"

  • Tuon
    Freitag, 10.02.2012, 15:11 Uhr
    Lasst sie doch alle dopen. Was sind da bloß für scheinheilige Moralapostel am Werk? Verhindern lässt es sich nicht, also sollte man es allen erlauben. Die gesundheitlichen Risiken muss jeder selbst verantworten. Aber das ist ja beim Rauchen und Saufen nicht anders.
  • benutzer
    Donnerstag, 09.02.2012, 14:22 Uhr
    was soll die iberia-bildzeitung sonst schreiben? recht so? selbst wenn contador im vollrausch drei kinder über den haufen fahren würde, wäre die presse auf seiner seite. wurde zeit, diesem clown das handwerk zu legen. hoffentlich muss er seine unrechtmäßig "verdienten" millionen zurückzahlen. die sponsoren wirds freuen... dreckssport.
  • robzob
    Mittwoch, 08.02.2012, 11:14 Uhr
    Allen vermeintlichen Experten sei zuerst die Lektüre des Entscheides vom 6. Februar 2012 aufgetragen, welcher auf der Seite des Court of Arbitration for Sport eingesehen werden kann.
  • Karmapa
    Mittwoch, 08.02.2012, 09:19 Uhr
    Das mit dem verunreingten Fleisch glaubt doch kein Mensch mehr. Radsport kann auf dem Niveau nicht ohne Doping funktionieren.
  • JuppChillen
    Dienstag, 07.02.2012, 17:58 Uhr
    Die Srafe ist noch viel (!!) zu milde !!!
  • Clemens80
    Dienstag, 07.02.2012, 17:48 Uhr
    Signalwirkung? Der Herr hat 3/4 seiner Strafe aktiv am Radsport teilgenommen, die Sperre müsste jetzt erst starten und nicht rückwirkend. Ein Bankräuber der erst nach Jahrzehnten gefasst wird, wird die Zeit in Freiheit auch nicht angerechnet.
  • stoebermanoderfrau
    Dienstag, 07.02.2012, 17:08 Uhr
    Signalwirkung hin oder her. es werden immer welche sich einen vorteil verschaffen,aber erwischt werden die wenigsten egal welche sportart. irgendwann ist die leistungfähigkeit erschöpft. irgend wann setzt die menschliche anatomie eine grenze. Höher ,schneller, weiter . wie wäre es mit tiergenen im menschlichen erbgut? Da braucht man keine faulen ausreden mehr. Naja manche siegerehrungen schaut man sich nur noch unter vorbehalt an. schade nur für die wenigen ehrlichen.
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