Sporthilfe diskutiert Abschaffung der Medaillenprämien
"Die Prämien müssen bleiben, die sind sowieso nicht so hoch", sagte der Olympiasieger der Nachrichtenagentur dpa. "Es herrscht Geldmangel. Durch Kürzungen oder Umverteilung kann man sich aber keine Vorteile verschaffen", betonte der 27-jährige Berliner und forderte: "Man muss einen zusätzlichen Topf aufmachen für langfristige Maßnahmen."
Der Vorstandsvorsitzende der Sporthilfe, Michael Ilgner, hatte zuvor nach einem entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung erklärt: "Langfristige, verlässliche Förderung steht für uns im Fokus, nicht eine singuläre Maximalprämie. In einer Analyse der London-Spiele werden wir natürlich auch die Olympia-Prämien hinterfragen."
Extra-Zahlungen für WM- und EM-Medaillen soll es bei dem neuen Konzept ohnehin nicht mehr geben, auch nicht im Juniorenbereich. Die Sporthilfe baut mehr darauf, den Sportlern bei ihrer beruflichen Laufbahn unter die Arme zu greifen. "Die Sporthilfe hat längst begonnen, ihre Bausteine zur Förderung der dualen Karriere zu stärken: durch ElitePlus im Jahr 2011 und durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium für alle Studierenden unter den geförderten Sportlern - das sind etwa 300 - Anfang dieses Jahres", erklärte Ilgner. Dieses Konzept verfolge seine Organisation auch mit Blick auf Rio 2016 weiter.
Für Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel wäre eine Sport-Rente auf Lebenszeit eine denkbare Alternative zum Medaillenbonus. "Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass die Medaillenprämien komplett abgeschafft werden, aber da gibt es viele Möglichkeiten. Man muss sich alles anhören. Und bei einer Sport-Rente könnten Athleten auch im Alter noch von ihren Olympiasiegen oder Medaillen zehren", sagte der Potsdamer.
Doppel-Olympiasieger Michael Jung sieht die Prämien als "kleinen Bonus obendrauf". Entscheidend sei das langfristige Förderkonzept der Sporthilfe, das sich nach Meinung des 30-Jährigen bewährt hat. "Viel wichtiger ist es, dass man auf dem Weg zu großen Championaten unterstützt wird", sagte der Vielseitigkeitsreiter. "Das war für mich super, wie das die Sporthilfe bisher gemacht hat. Vielleicht kann man das noch optimieren." Aber generell sei dies der richtige Weg.
98 Prozent der Olympia-Teilnehmer von London werden von der Sporthilfe gefördert. Das Sozialwerk des deutschen Sports hatte am Ende der Sommerspiele angekündigt, mindestens 1,25 Millionen Euro an deutsche Teilnehmer auszuschütten. Die Prämien sind seit Sydney 2000 unverändert geblieben. Für Gold gab es seither 15 000 Euro, Silber und Bronze wurden mit 10 000 beziehungsweise 7500 Euro honoriert.
Die erst nach einer Gerichtsentscheidung veröffentlichten internen Medaillen-Zielvereinbarungen hatten eine große Diskussion um den Leistungssport ausgelöst. In London hat der deutsche Sport mit 44 Medaillen die eigentlich angestrebten 86 Plaketten deutlich verpasst. "Natürlich ist Kritik gerechtfertigt,", sagte Bernhard Schwank, Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), in der ARD-Sendung "Beckmann". "Aber nicht in dieser Art und nicht auf dem Rücken der Sportler. Wir sind immer noch die sechsterfolgreichste Nation dieser Welt bei den Olympischen Spielen."
Ilgner hatte schon während Olympia eingeräumt: "Wir sind absolut einig darüber, dass die Gesamtförderung bei uns zu gering ist." Er sei aber zuversichtlich, die gesamte Förderleistung von gegenwärtig knapp zwölf Millionen Euro im Jahr weiter ausbauen zu können. "Bei unserer Förderung geht es um langfristige, verlässliche Unterstützung besonders bei der Verbindung von Sport und Ausbildung oder Beruf."
10 Meinungen zu "Werden Prämien abgeschafft?"
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Pumpeck
Samstag, 18.08.2012, 11:29 Uhr Das Grundproblem bei diesem Thema ist meiner Meinung nach die mediale Präsenz. Sportberichterstattung in Deutschland dreht sich zu mehr als 90% um Fußball und Formel 1. Sucht man Informationen zu anderen Sportarten erlebt man viele Endtäuschungen, selbst im Internet. Einzige Ausname sind alle 4 Jahre die olympischen Spiele. Man könnte fast meinen alles andere als Fußball und F1 wird geredezu totgeschwiegen. Unter diesen Bedingungen ist es natürlich schwierig finanzstarke Sponsoren zu finden. Wenn man bedenkt, wieviel Fernsehgebüren schon bezahlt werden sollte es doch kein wirkliches Problem sein gerade die öffentlich-rechtlichen Sender zu verpflichten für mehr Ausgeglichenheit in der Sportberichterstattung zu sorgen und auch andere Sportarten in den Focus der Öffentlichkeit zu bringen. Dadurch würden die Werbeeinnamen deutlich steigen und dazu führen, dass auch Leichtatlethen, Schwimmer und andere Sportler ähnlich gefördert werden können wie in England. -
bretagne
Samstag, 18.08.2012, 10:00 Uhr Wenn ein Herr Harting für eine grandiose Leistung in London 2012 schlappe 15Mille bekommt, dann ist dies ein Armutszeugnis für die deutschen Sportfunktionäre, die sich bei solchen Gelegenheiten gerne in den besten Hotels einquartieren und es sich einfach nur gut gehn lassen. Andere Länder in Europa zahlen hier - zu Recht - 6stellige Summen. Ein Herr Harting und seine Kollegen und Kolleginnen trainieren jahrelang um solche Leistung zu erbringen. Alle starren auf die Medaillenspiegel (auch die Politik) aber keiner will diese Leistungen honorieren. Komisch, gell !? -
hamburgermichel
Samstag, 18.08.2012, 09:31 Uhr um überhaupt so gut zu sein, dass es einem gelingt erfolgreich bei olympischen spielen zu sein, bedarf es jahrelangem training und entbehrungen. man erwartet das die sportler für unser land ihr bestes geben aber verweigert den lohn der ihnen zustehen sollte und muss. über die prämienabschaffung nachzudenken ist schon eine frechheit. bei den letzten spielen habe ich mir täglich stundenlang olympia reingezogen und wurde durch die sportler bestens unterhalten. also! prämien verdoppeln und nicht abschaffen. -
goodness
Samstag, 18.08.2012, 09:19 Uhr Nur für den einen Moment 4 Jahre lang alles Andere unterordnen und des Weiteren auf vieles verzichten zu müssen, dass ist schon ein hartes Dasein!!!!!!Dann erreicht man u.U. die Gold-Medaillie und bekommt lediglich ein Zubrot! Unsere Athleten sind mit weitem Abstand, die schlecht bezahltesten Athleten aller teilnehmenden Nationen und man berechnet nicht die inflationsrate nebst deren Preiserhöhungen an, weil seit dem Jahre 2000 keine Erhöhung stattgefunden hat! Aber die bedeutungslosen Funktionäre nebst Lobbyisten bekommen viel mehr Geld und genießen sich SELBST gegenüber das Beste vom Besten! Der DSV sollte sich in Sachen "Finanzen" einmal etwas Unterricht vom DFB geben lassen, denn das ist ein sehr, sehr reicher Verband und zahlt den 23 Spielern (ALLEN) eine fürstliche Prämie, an die die Olympioniken niemals heran kommen werden! Man muss beim DFB noch nicht einmal einen Titel holen, um an die enorm hohen Prämien zu kommen, die wihlgemerkt ALLE erhalten, ergo auch die Ersatzspieler!! Das ganze fiskalpolitische Thema beim DSV ist doch zu hinterfragen! Schade für die Athleten, die jeweils für 4 Jahre auf ein Leben verzichten, um den "One Moment in time" zu erleben! -
rongel
Samstag, 18.08.2012, 09:05 Uhr Die Prämien sind ja lachhaft,kann mir nicht vorstellen das die Athleten überhaupt damit zurecht kommen.Und dann soll das auch noch wegfallen??wer Leistung bringt soll das auch honoriert bekommen. 15000€ für Gold ist ja lachhaft -
brig1
Samstag, 18.08.2012, 07:46 Uhr So nebenbei, jeder Sportler, der bei solchen Wettkampf seine Bestleistung bringt, hat meine Anerkennung, wenn dies dann nur für den 10. Platz reicht ist es ok, aber er hat sein bestes gegeben und auf den Punkt vorbereitet. Was ich nicht ab kann, wenn sportler sagen: "mal sehen ..."
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