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13.01.2013, 18:59 Uhr

Rückschlag für Handballer bei WM: Pleite gegen Tunesien

Granollers (dpa) - Die deutschen Handballer haben ihre Reifeprüfung bei der WM in Spanien nicht bestanden. Einen Tag nach dem glanzlosen 33:23-Auftaktsieg gegen Exot Brasilien verlor der EM-Siebte am Sonntag in Granollers mit 23:25 (13:13) gegen Tunesien.

Die erste Niederlage gegen den Afrikameister im zehnten Duell war ein Dämpfer auf dem Weg zum angestrebten Achtelfinale. Vor rund 4200 Zuschauern warf Sven-Sören Christophersen (7/3) die meisten Tore für das deutsche Team, das keine spielerischen Mittel gegen rustikale tunesische Abwehr fand.

"Es ist nichts verloren, wir müssen weitermachen und den einen Tag nutzen zur Regeneration. Kräfte bündeln, im nächsten Spiel gegen Argentinien Vollgas geben", sagte Christophersen. "Wir haben leider nicht das nötige Glück gehabt", sagte Bundestrainer Martin Heuberger und versicherte: "Ich bin stolz auf die Mannschaft, sie hat ein großes Herz." Nach einem spielfreien Montag ist Panamerika-Meister Argentinien am Dienstag (18.15 Uhr/ARD) der dritte Vorrundengegner für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB).

"Es ist gerade deprimierend, genauer gesagt scheiße. Aber es ist noch nichts passiert", meinte Torhüter Silvio Heinevetter. "Wir sind nicht ins Spiel gekommen, vorn nicht, hinten nicht, der Torwart nicht. Und wenn es nicht läuft, kommt auch noch Pech dazu", ergänzte der Keeper.

Schon vorher hatte Heinevetter vor dem unbequemen Gegner Tunesien gewarnt. Seine Prognose bestätigte sich schnell. Die auf Zerstörung angelegte Deckung überschritt teilweise die Grenze der Fairness. Spielerisch fiel der junge Wael Jallouz mit zahlreichen Treffern aus der Distanz auf, der ab der kommenden Saison für den THW Kiel spielt.

Doch die deutsche Mannschaft hielt mit Leidenschaft und Mut dagegen. Zwar musste sie einen 6:10-Rückstand (19.) hinnehmen, kämpfte sich aber nach einer Auszeit wieder mit 12:11 (27.) nach vorn und ging mit 13:13 in die Pause. Auch in der zweiten Halbzeit wurden Geduld und Leidensfähigkeit der Mannen um Spielmacher Michael Haaß in seinem 100. Länderspiel auf eine harte Probe gestellt. Nach dem 18:21 (49.) glich das deutsche Team beim 21:21 (54.) wieder aus. Zum Sieg aber reichte es nicht mehr.

Am Vortag hatte sich Dominik Klein nach Spielschluss unter dem einzigen Heizpilz gewärmt und Coach Heuberger mit einem heißen Kaffee gegen die Kälte in der Halle angekämpft. Im Eisschrank Palau d'Esports konnten die deutschen Handballer lediglich die Herzen ihrer Fans erwärmen. "Ein Grad bestimmt", vermutete Heuberger auf die Frage, ob denn die Temperatur inzwischen höher sei als beim ersten Training.

Trotzdem verließ der Bundestrainer die Arena mit einem wohligen Gefühl. Das am Ende deutliche Zehn-Tore-Sieg war ein Fall für 16 - Heuberger setzte seinen kompletten Kader ein. "Wir haben in der zweiten Halbzeit 21 Tore geworfen. Das ist ein Resultat aller unserer 16 Spieler. Wir können wechseln und dadurch unseren Tempo-Handball spielen", sagte Heuberger.

So verhalf der 48-jährige Schutterwälder gleich einem Sextett zur WM-Premiere. Kevin Schmidt, Steffen Fäth, Steffen Kneer, Tobias Reichmann, Patrick Wiencek und der siebenfache Torschütze Steffen Weinhold spielten erstmals bei einem Endrundenturnier. "Ich bin überzeugt von meinem Kader. Ich bin vor allem überzeugt von meinen jungen Spielern."

Kapitän Oliver Roggisch lobte ebenfalls dass alle zum Einsatz gekommen sind. "Jeder hat sein erstes Spiel gemacht, jeder hat den Ball mal aufs Tor geworfen. Gerade für die jungen Spieler ist es ganz wichtig, dass die Nervosität mal abgelegt ist."

Statistik:

Tunesien: Sfar, Magaiez, Helal - Hedoui 1, Toumi, Gharbi 1, Tej 1, Touati 2, Bannour 6, Alouini 1, Jallouz 8, Sanai, Ben Salah 2, Boughanmi 3/2, Hosni, Chouiref

Deutschland: Heinevetter (Füchse Berlin), Lichtlein (TBV Lemgo) - Kneer (SC Magdeburg) 1, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Wiencek (THW Kiel) 1, Reichmann (HSG Wetzlar), Schmidt (HSG Wetzlar), Fäth (HSG Wetzlar) 3, Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten) 1, Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) 1, Weinhold (SG Flensburg-Handewitt) 4, Strobel (TBV Lemgo), Haaß (Frisch Auf Göppingen), Pfahl (VfL Gummersbach) 2, Klein (THW Kiel) 3, Christophersen (Füchse Berlin) 7/3

Schiedsrichter: Leifsson/Palsson (Island) - Zuschauer: 4200

Strafminuten: 10 / 8

Disqualifikation: - / -

Alle News vom: 13. Januar 2013 Zur Übersicht: Sport

86 Meinungen zu "Handballer blamieren sich"

  • taunus10
    Dienstag, 15.01.2013, 15:16 Uhr
    Das Problem, dass zuviel auf ausländische Stars in der DHB gestzt wird, hatte damals schon Heiner Brandt mehrfach kritisch angesprochen. Das Heranzüchten und die Reifung junger Spieler sind mangelhaft, weil sie zu oft auf den Ersatzbänken und im unbedeutenden Hintergrund versauern müssen.
  • Muchti
    Dienstag, 15.01.2013, 12:26 Uhr
    nicht vergessen andere Mannschaften können auch Handball spielen und was sollte man letzten Endes von dieser jungen Mannschaft erwarten? Klar ist die Enttäuschung groß aber nun gleich wieder von Versagen etc. zu sprechen halte ich für masslos überzogen. Und wenn es eben dieses Mal mit einer ziemlich runderneuerten Mannschaft nicht wirklich rund läuft.... die nächste Meisterschaft kommt bestimmt.
  • paxvobiscum
    Montag, 14.01.2013, 17:37 Uhr
    >>Natürlich sind wieder die Ausländer daran schuld -- wie IMMER -- wer den sonst. << Gewinnt man, dann sind es die Deutschen, die gewonnen haben, verliert man dann muss ja wohl jemanden, an der Sache, schuldig gewesen sein, bloß wir nicht, toll! Also: wem geben wir die Schuld? Natürlich den bösen Ausländer! PS: Populismus go Home !
  • icebird
    Montag, 14.01.2013, 17:32 Uhr
    es wurde gesagt: man hat zu viele chancen liegen gelassen. gut, gegen ein team wie tunesien hätte man mit offensiverer deckung und kontern mehr erfolg gehabt - 6:0 kann man gegen rustikale gegner nur dann anwenden, wenn die wenig distanzwürfe versuchen.
  • Robecas
    Montag, 14.01.2013, 17:20 Uhr
    Was nützt einem die "stärkste Liga der Welt", wenn die Nationalmanschaft nicht gewinnt. Darüberhinaus hat Spanien eine mindestens ebenwürdige Liga. Brasilien war einfach kein Maßstab. Tunesien ist halt traditionell stark. Argentinien und Montenegro hauen wir weg und Frankreich wird dann nochmal richtig spannend.
  • nacle1013
    Montag, 14.01.2013, 16:32 Uhr
    Gutes Bemühen kann kreative und variantenreiche Spielkunst nicht ausgleichen. Die wenigen überraschenden und gefälligen Spielzüge waren viel zu selten zu sehen. Wie bei Trainer H. Brandt hatte ich als geneigter Fernsehzuschauer das Gefühl, die Athleten verstehen nicht, was sie tun sollen. Sie verharren in gleichen, unzweckmäßigen Bewegungsabläufen. Oder krasser, die taktische Grundausbildung der Spieler ist mangelhaft; da Blitzdenken, spritziges Handeln und überhaupt die Schnelligkeit der Handlungen fehlt, kann jeder Gegenspieler das müde Umhertapsen ausrechnen. Ich wünsche der Mannschaft alles Gute für den Rest des Turniers
  • Gedanke55
    Montag, 14.01.2013, 16:26 Uhr
    Man kann es kaum noch hören, "die stärkste Liga der Welt" Warum, weil die Liga zu viele ausländische Stars beheimatet. Unsere wirklich jungen Nachwuchsspieler bekommen kaum Zugang zur Liga und das ist der Knackpunkt im DHB. Hier muß angesetzt werden. Diese junge Mannschaft hat gegen den 4. der letzten WM verloren. Sicherlich auch etwas unglücklich aber verdient. Sie hatten viele Chancen bei geringer Trefferquote aber sie haben die Rückraumspieler nicht in den Griff bekommen, weil sie zu passiv standen. Das ist aber Sache des Trainers, der die 6:0 Abwehr offensiver hätte stellen müssen. Die Bereit sich 60 Min zu bewegen, war nicht immer erkennbar. Aber in Mannschaft steckt ein großes Potenzial. Dazu sollte man die anderen Nachwuchsspieler mit einbinden in der Liga, dann haben wir eine Zukunft und werden die stärkste Liga mit mehr eigenen Spielern und einer erfolgreichen Nationalmannschaft.
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