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02.09.2013, 14:17 Uhr

Quo vadis, Jan Ullrich?

IDer Profi-Radsport wird in seinen Grundfesten erschüttert und steht vor dem Zusammenbruch. Lance Armstrong hat sein beharrliches Schweigen gebrochen und bei der US-Talkerin Oprah Winfrey erstmals Dopingmissbrauch gestanden.

Von WEB.DE Redakteur André Elsner

Damit gibt nun auch der frühere Superstar des Profi-Radsports zu, tief im Doping-Sumpf zu stecken. EPO, Testosteron und Kortison gehörten jahrelang zu seinen Begleitern. Während er auch über hohe Funktionäre sprechen will, kündigte er an, andere Fahrer nicht belasten zu wollen. Die Frage stellt sich: Ist dies eher Fluch oder Segen für seine ehemaligen Konkurrenten?

Der Kampf gegen Dopingsünder wie Armstrong ist äußerst aufwendig. >

Nach Armstrongs lebenslanger Sperre und Aberkennung der sieben Tour-de-France-Siege durch den Weltverband UCI im Oktober des vergangenen Jahres wurden diese Titel nicht wieder vergeben. Armstrongs ärgster Rivale, Jan Ullrich blieben somit die vermeintlichen Tour-Titel in den Jahren 2000, 2001 und 2003 verwehrt. Schließlich kam er in diesen Jahren hinter Armstrong als Zweiter ins Ziel. Doch Ullrich wollte diese Titel über den Grünen Tisch auch gar nicht. Weil er ein schlechtes Gewissen hat?

Die Antwort kann nur Ullrich selbst geben. Oder der Internationale Gerichtshof CAS. Und der antwortet: Im Mai wurde der ehemalige Telekom-Star des Blutdopings überführt und verurteilt. Ullrich wurden sämtliche Erfolge vom 1. Mai 2005 bis zu seinem Karriereende aberkannt. Zudem wurde der Wahl-Schweizer für zwei Jahre bis 21.August 2013 gesperrt.

Ullrich gab nie direkt zu, gedopt zu haben

Das einzige, was Ullrich damals zugab, war, dass er "Kontakt" zu dem umstrittenen spanischen Arzt Eufemiano Fuentes hatte. "Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich bei allen aufrichtig entschuldigen - es tut mir sehr leid", erklärte er damals auf seiner Homepage und begründete den Kontakt damit, dass er bei der Tour 2006 unter enormen Erfolgsdruck gestanden habe, der später auch zu einer Burnout-Erkrankung geführt haben soll.

Direkt gab er aber nicht zu, jemals gedopt zu haben – und das, obwohl es der CAS eindeutig bestätigt hatte und ihn deshalb verurteilte. Weiter gehende Statements lehnte Ullrich damals auch ab. "Für mich ist damit das Kapitel meiner aktiven Radsportkarriere endgültig abgeschlossen und ganz persönlich ist es für mich und meine Familie das Ende einer über Jahre hinweg schwierigen Zeit." Beobachter sagen, dass der dreifache Familienvater einen Tag nach dem damaligen Urteil auf einem PR-Termin so gelöst wie lange nicht mehr wirkte.

Nach den jüngsten Ereignissen und dem offenen Doping-Geständnis von Lance Armstrong kommen auch für Ullrich die Geister der Vergangenheit wieder aus den Ecken gekrochen. Und eigentlich kann und muss sich Ullrich als ärgster Rivale von Armstrong nicht mehr vor ihnen verstecken. Denn das Kapitel ist ja eigentlich beendet. Nur wirkt es irgendwie unvollendet. Der eine wichtige Punkt fehlt noch. Und den kann und muss Ullrich setzen. Für den Radsport, für seine Glaubwürdigkeit für seine Fans und vor allem für sich selbst.

In einer ersten Reaktion auf Armstrong zeigte sich Ullrich gegenüber der "Bild" unbeeindruckt: "Das ist alles für mich nichts Neues. Ich nehme es zur Kenntnis. Aber die Zeit von Lance und mir im Radsport liegt schon so lange zurück, dass das auf mein Leben keinen Einfluss hat."

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