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30.01.2013, 16:59 Uhr

Super Bowl: Der Tod steht mit auf dem Feld

American Football ist der Lieblingssport der US-Amerikaner. Steht er vor dem Aus? Fans und Politiker in den Vereinigten Staaten diskutieren vor dem Super Bowl über eine "Epidemie" von schlimmen Verletzungen bei der wohl härtesten Sportart der Welt. Immer mehr ehemalige Spieler leiden an chronischen Hirnkrankheiten - und ein Spieler vom aktuellen Super-Bowl-Teilnehmer Baltimore Ravens, der am Sonntag gegen die San Francisco 49ers antreten wird, prophezeit gar den ersten Toten auf dem Feld.

Von WEB.DE Redakteur Jens Finger

Auch Barack Obama zeigt sich besorgt: "Hätte ich Söhne, würde ich mir genau überlegen, ob ich sie Football spielen lassen würde", sagt der US-Präsident. Und die Verlobte von Chicago-Bears-Quarterback Jay Cutler, Schauspielerin Kristin Cavallari, hat sich für ihren gemeinsamen Sohn schon festgelegt: "Ich werde ihn zu einem Sport bringen, der nicht so aggressiv ist - vielleicht Baseball". Doch warum werden so viele Liebhaber des American Footballs auf einmal mit den Folgen der teilweise extrem brutalen Sportart konfrontiert?

Selbstmorde erschüttern US-Sportszene

In den letzten Jahren erschütterten eine beispiellose Serie von Selbstmorden von ehemaligen Footballspielern und neue Erkenntnisse über die Spätfolgen der Gehirnerschütterungen, unter denen viele Spieler leiden, die US-Sportwelt. Insbesondere die Folgen der regelmäßigen Kollisionen der Köpfe der Spieler stehen im Mittelpunkt der Diskussion. Zahlreiche Fälle von Demenz sind dokumentiert und manche Spieler leiden nach dem Ende ihrer Karriere offenbar unter so starken Kopfschmerzen, dass sie den Freitod wählen.

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Junior Seau, Linebacker-Legende der San Diego Chargers, nahm sich im Mai 2012 das Leben. Acht Monate später wurde bekannt, dass er an einer chronischen Hirnkrankheit litt, die auf die Folgen der zahlreichen Kopfverletzungen während seiner Karriere zurückzuführen war. Gleichwohl wurde bei Seau niemals eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Nun verklagt seine Familie die National Football League (NFL) im Rahmen einer Sammelklage gemeinsam mit anderen Spielerfamilien. Der Vorwurf: Die Liga schütze ihre Spieler nicht ausreichend vor schweren Kopfverletzungen, obwohl ihr das Problem seit langem bekannt gewesen sei.

Die zahlreichen Berichte über heftige Spätfolgen und neue Forschungsergebnisse lasten wie ein Fluch auf der lukrativsten Sport-Liga der Welt. Zwar bemühen sich die Funktionäre nach Kräften, mit neuen Regeln die Verletzungen zu reduzieren: Direkte Treffer gegen den Kopf eines Gegenspielers sind nicht mehr erlaubt. Auch müssen alle Spieler, die während einer Begegnung Symptome einer Gehirnerschütterung zeigen, von einem unabhängigen Arzt am Spielfeldrand untersucht werden. Viele dürfen danach nicht mehr zurück aufs Feld und müssen über Wochen mehrere Tests absolvieren, bevor sie wieder spielen dürfen. Trotzdem könnten die Folgen der zahlreichen Kopfkollisionen dem Spielbetrieb in seiner derzeitigen Form den Garaus machen.

So meint etwa Bernard Pollard, Abwehrspieler der Baltimore Ravens und einer der gefürchtetsten Verteidiger in der NFL, in einem CBS-Interview, dass es die Liga in 30 Jahren nicht mehr geben werde. Der Grund dafür seien die Fans, die auf harte Männer und spektakuläre Tacklings stehen.

Wollen die Fans brutale Tacklings?

Je ungefährlicher die Sportart jedoch würde, desto weniger Akzeptanz der Zuschauer erwartet der Mann, der im Halbfinale den Kopf von Patriots-Receiver Wes Welker so hart traf, dass die NFL ihn mit einer Strafe in Höhe von 15.250 Dollar belegte. Obwohl die Maßnahmen der NFL für die Sicherheit der Spieler grundsätzlich richtig seien, käme es angesichts immer athletischerer Spieler einem Wunder gleich, dass noch niemand auf dem Spielfeld gestorben sei, so Pollard in dem Interview weiter.

Junior Seau

Vorzeigespieler soll sich mit Gewehr in die Brust geschossen haben. >

Wie krass die Kollisionen zwischen den Spielern wirklich sind, beschrieb zuletzt ein ehemaliger Mannschaftskamerad von Seau. Bei einem Trainingsspiel im Jahr 2001 stießen Seau und Fred McCrary so hart mit den Köpfen zusammen, dass McCrarys Helm auf einer Länge von 7,5 Zentimetern aufgerissen wurde. Beide Spieler berichteten danach von extremen Kopfschmerzen. McCrary sah den Rest der Saison ein weißes Licht und litt unter Gleichgewichtsstörungen. Gleichwohl waren sich beide Spieler einig, ihren Betreuern nicht von ihren zu Symptomen berichten. Die Sorge, ihren Platz in der Mannschaft und langfristig möglicherweise ihre Karriere in der NFL zu verlieren, wog stärker als die Angst vor möglichen Spätfolgen für ihre Gehirne.

Obama sorgt sich um Nachwuchsspieler

Und nicht nur die Profiliga ist betroffen. So sorgt sich US-Präsident Barack Obama als Vater zweier Kinder - genauso wie viele andere Eltern in den Staaten auch - vor allem um die jungen Spieler. Denn im Gegensatz zu den NFL-Profis haben die Spieler am College und in der High School nicht die hervorragende medizinische Versorgung wie die Profis.

Und da viele Jugendliche von einer Karriere in der NFL träumen, verschweigen sie ihren Trainer und medizinischen Betreuern eher eine Verletzung, als dass sie eine Auszeit riskieren wollen. Ob die Sportart American Football in ihrer heutigen Form und unter diesen Bedingungen noch eine Zukunft hat, muss wohl die US-Gesellschaft entscheiden.

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116 Meinungen zu "Der Tod steht mit auf dem Feld"

  • Krauger
    Freitag, 03.05.2013, 12:56 Uhr
    Boxer bekommen auch gut auf die Birne und die haben noch nicht mal nen Helm auf....
  • Sonne345345
    Mittwoch, 06.02.2013, 12:49 Uhr
    Auch wenn dieser Bericht schon etwas älter ist, kann ich es mir nicht nehmen lassen, dazu noch meine Meinung zu schreiben. Mein Freund spielt American Football hier in Deutschland und durch ihn habe ich einiges vom Football hier und auch von dem in der USA mitbekommen, da wir vor allem die letzte Saison zusammen angesehen haben. Ich kann zu dem ganzen hier nur sagen, dass es typisch für Deutschland ist, was in diesem Artikel steht. Diese Sportart ist von sich her nicht gefährlich, es kommt nur darauf an, was die Leute, die sie spielen daraus machen. In den letzten Jahren ist da auch einiges geschehen, sodass jetzt die Raffs viel öfter ne Flag werfen. Ein richtig guter Defensespieler (die ja die meisten Hits machen), lernt normalerweise, wie er sauber, das heißt mit der Schulter und nicht mit dem Kopf tacklen kann. In diesem Interview wurde aber leider einer von diesen sogenannten "Schädlern" interviewt. Das sind die Defensespieler, die Kopf voran in die Gegner reinspringen, was ihnen zwar selbst nicht wehtut, den Gegner aber verletzen kann. Somit kann man aber sagen, dass die Gefahr für die Spieler nicht am Sport selbst liegt, sondern daran, wie einige Spieler (im Superbowl beispielsweise der Pollard) tackeln.
  • carstenmunich
    Freitag, 01.02.2013, 16:14 Uhr
    Sehr geehrter Jens Finger Haben sie sich je mit American Football beschäftigt? Wenn ich ihren Artikel lese, glaube ich, dass das nicht der Fall ist. Gehen sie doch mal zu einem Verein in ihrer Nähe und machen sie ein Probetraining mit. Dann sehen sie worauf es ankommt. Das fast alle Sportarten ein Risiko beinhalten, dass steht hoffentlich ausser Frage. Wie kann man, nur weil in den USA gerade wieder drüber geredet wird, so uninformiert sowas schreiben? Wird man da seiner Verantwortung als Journalist noch gerecht? Ich finde nicht! Meine Email Adresse ich ja bekannt, vielleicht bekomme ich ja ein Feedback.
  • joerninjo
    Freitag, 01.02.2013, 14:07 Uhr
    Betreibe den Sport seit 16 Jahren (Mitunter auch in der GFL -quasi Bundesliga im Football-). Abgesehen davon, dass der Artikel absolut schwachsinnig ist, stelle ich mich jedem Handballer und Fußballer zum Vergleich der körperlichen Verfassung bzw. der erlittenen Verletzungen und Schäden... Es ist ein harter Sport, dass steht außer Frage. Aber man wird im Training genau vorbereitet, dass eben nichts schlimmeres passiert als hier und da mal blaue Flecken. ...und bitte... Football hier im Forum mit Rugby zu vergleichen zeugt von Ahnungslosigkeit!
  • RaiderNation
    Freitag, 01.02.2013, 12:45 Uhr
    Leider zeigt sich hier im Forum wieder die Unwissenheit der meisten bezüglich der "Randsportart" American Football. Wie bereits einige Vorredner erwähnten, geht es im AF um wesentlich mehr als die angeführten Tackles. Diese sind zwar integraler Bestandteil des Spiels aber Kern ist Taktik und Strategie und zwar einerseits die den Ball in die gegnerische Endzone zu befördern und andererseits die den Gegner genau davon abzuhalten. Dass Football in seiner taktischen und strategischen Breite die meisten anderen Teamsportarten überbietet entgeht aber Otto-normal-Michel, der nur Fußball kennt. Und im übrigen, so mancher Zweikampf im Fußball ist nicht minder brutal, schauen wir doch mal auf's WM-Finale 2010 zurück (de Jongs Karateeinlage). Es liegt nicht am Sport selbst sondern an den Fans und Interessen dahinter, dass Spieler aggressiver vorgehen und um jeden Preis den Sieg erringen wollen. Also beim nächsten Mal bitte Fakten checken und sich etwas mehr mit der Materie auseinandersetzen, bevor man wieder etwas verreißt von dem man keine Ahnung hat.
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