Zakopane (dpa) - Erst führte Severin Freund die deutschen Ski-Adler im Hexenkessel von Zakopane zum überlegenen Sieg im Teamwettbewerb, dann bejubelte er beim Heim-Triumph von Kamil Stoch Rang drei im Einzel.

Doch noch wertvoller als der sportliche Erfolg war eine großartige menschliche Geste. Mit der Spende ihres Preisgeldes von 30 000 Schweizer Franken aus dem Mannschaftsspringen für den nach einem schweren Sturz an der Wirbelsäule verletzten Amerikaner Nick Fairall bewiesen die deutschen Skispringer beim Weltcup auch abseits der Schanze Größe.

"Dem Kerl geht es wirklich nicht gut. Er hat eine lange Reha-Phase vor sich. Wir haben uns zusammengesetzt und sind im Team auf die Idee gekommen, unser Preisgeld zu stiften. Wir denken, das ist angebracht", sagte Routinier Michael Neumayer am Samstagabend nach dem Erfolg im Mannschafts-Weltcup vor Österreich und Slowenien.

Im Einzel zeigte dann aus dem deutschen Team nur Freund sportliches Format. In einem hochklassigen Wettbewerb musste er am Sonntag nach Sprüngen auf 131 und 133 Meter lediglich dem von 30 000 Fans frenetisch gefeierten Doppel-Olympiasieger Stoch und Vierschanzentourneegewinner Stefan Kraft aus Österreich den Vortritt lassen. "Es war ein absolut cooler Wettkampf mit einem verdienten Sieger. Bei mir war leider kein Bombensprung wie am Vortag dabei", sagte Freund.

Nicht so gut lief es für seine Kollegen. Richard Freitag konnte nicht an seine tolle Vorstellung im Team anknüpfen und wurde nur 13. Markus Eisenbichler landete direkt dahinter auf Rang 14. Weltcup-Punkte sammelten auch Neumayer als 20. und Stephan Leyhe auf Platz 24. Team-Olympiasieger Marinus Kraus verpasste als 35. das Finale.

Freund fehlten am Ende etwas mehr als neun Punkte zum Sieg, den er am Samstag als Schlussspringer für die deutsche Mannschaft abgesichert hatte. Schon bei der Landung nach seinem finalen Sprung auf 134 Meter hatte der 26-Jährige gejubelt. "Ich hatte zwei gute Sprünge. Vor allem der zweite war großartig", befand Freund.

Am Ende setzte sich das DSV-Quartett, dem ferner Neumayer, Kraus und Freitag angehörten, deutlich durch. "Wir haben uns vor der Saison geschworen, in jedem Wettkampf gut springen zu wollen. Das haben wir heute getan. Vor solch einem Publikum und mit solchen Kollegen ist es einfach nur geil", schwelgte Freund nach dem zweiten Team-Sieg im WM-Winter.

Der 26-Jährige hatte schon zuletzt mit einem Sieg beim Skifliegen am Kulm und Rang drei in Wisla seine Klasse demonstriert. In der Weltcup-Gesamtwertung ist er mit 753 Punkten Vierter hinter den Österreichern Kraft (877) und Michael Hayböck (799) sowie dem Slowenen Peter Prevc (764).

Gefreut haben dürften sich Freund & Co. über die neuesten Informationen aus dem Krankenhaus in Schwarzach, wo Fairall nach seinem Crash beim Tournee-Finale in Bischofshofen liegt. "Nick ist in einem stabilen Zustand und macht jeden Tag Fortschritte. Er hat mit der Rehabilitation begonnen und ist auf dem Weg der Besserung", teilte der US-Skiverband am Samstag mit. Eine Verlegung des 25-Jährigen in seine Heimat sei aber wegen der ebenfalls erlittenen inneren Verletzungen noch nicht möglich.© dpa