Ski-Star Lindsey Vonn ist beim Super-G von Soldeu in Andorra schwer gestürzt und hat sich augenscheinlich verletzt. Dennoch erwägt sie einen Start bei der Kombination am Sonntag.

Nach ihrem bösen Sturz in Soldeu war Lindsey Vonn vor lauter Helfern nicht mehr zu sehen. Im dichten Schneefall waren die Betreuer beim Super-G in Andorra minutenlang damit beschäftigt, den Superstar des alpinen Weltcups transportfähig zu machen und sicher ins Tal zu bringen.

Am Abend meldete sich Vonn via Facebook und Twitter bei ihren Fans. "Ich bin heute in den weichen Schnee gekommen und hart gestürzt. Röntgenbilder haben gezeigt, dass ich eine Haarrissfraktur im linken Knie habe", schreibt die 31-Jährige.

Für kommenden Montag ist ein MRT geplant. "Ich werde abwarten und schauen, wie es mir morgen geht, um zu entscheiden, ob ich fahren kann", so Vonn.

Lara Gut macht Jagd auf die Führung

Ein Ausfall der Rekordfrau aus den USA könnte die Entscheidung im Gesamtweltcup bringen. Denn Verfolgerin Lara Gut, die Vonn via Twitter gute Wünsche schickte, fehlen vor der Kombination am Sonntag nur noch acht Punkte auf Rang eins.

Dass die Schweizerin nicht schon am Samstag an ihrer Konkurrentin vorbeizog, lag auch an den schwierigen Bedingungen auf der bereits verkürzten Strecke.

Schneefall behindert die Favoritinnen

Gut musste nach der etwa 15 Minuten dauernden Verletzungspause nach Vonns Ausfall als Erste wieder auf die Piste, die durch den anhaltenden Schneefall deutlich verlangsamt wurde.

Österreicher baut Vorsprung in Gesamtwertung aus.

Die 24-Jährige beendete das Rennen auf Platz 16 und machte im Ziel eine wegwerfende Handbewegung. "Pech ist offenbar Teil des Spiels", schrieb Gut später.

Der Sieg ging an die Italienerin Federica Brignone vor der US-Amerikanerin Laurenne Ross (+ 0,13 Sekunden) und der Österreicherin Tamara Tippler (+ 0,37 Sekunden).

Tippler war zutiefst dankbar über ihren zweiten Podestplatz. "Mit dem Ergebnis bin ich superzufrieden", sagte die Steirerin. "Es war ein schwieriges Rennen. Ich hatte es sicher ein bissl besser als die Topgruppe. Man muss es aber auch ausnutzen und das habe ich gut gemacht."

Zufrieden war auch Überraschungssiegerin Brignone. "Heute hatte ich Glück, morgen hat es eine andere", sagte sie.

Rebensburg rettet sich auf Platz sieben

Aus der Topgruppe gelang einzig Viktoria Rebensburg mit ihrer Fahrt auf Rang sieben noch ein achtbares Resultat. Alle anderen Fahrerinnen, die nach der Pause starten mussten, verpassten die Top 10 deutlich.

"Das war kein leichter Tag", sagte die Oberbayerin mit Verweis auf die Bedingungen und die wegen Wind und Schneefall bereits um drei Stunden verschobene Startzeit.

"Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen. Mein Lauf war okay, ich hatte ein gutes Gefühl und das umgesetzt, was ich mir vorgenommen habe. Ich denke, ich habe das Maximum rausgeholt."

Wegen des frischen Schnees war die Strecke bei ihr dann aber schlicht zu langsam. An den Bedingungen übte sie aber keine Kritik. "Beim Fahren war es super, die Piste war in perfektem Zustand."

Die Termine im Weltcup-Winter

Vonn rutscht auf Innenski weg

Mit Startnummer 16 war Vonn zuvor klar auf Kurs Bestzeit, als sie erst eine Rechtskurve etwas zu weit fuhr und dann beim Schwungansatz zur folgenden Linkskurve auf dem Innenski wegrutschte. Womöglich war sie mit einem Ski auf den weichen und damit bremsenden Schnee abseits der Rennlinie gekommen.

An der alles andere als steilen Stelle schlitterte sie eingehüllt in eine Schneewolke mehrere Meter weit und blieb dann regungslos liegen. Helfer schnallten ihr vorsichtig die Ski ab und brachten sie schließlich auf einem Akia zur Untersuchung.

Verletzung könnte im Gesamtweltcup Entscheidung bringen

Erstmals seit ihrem Sturz bei der Ski-WM 2013 in Schladming und den daraus resultierenden schweren Knieverletzungen war Vonn in diesem Winter wieder frei von Handicaps unterwegs - und brach einen Rekord nach dem anderen. Vergangenes Wochenende sicherte sie sich bereits die kleine Kristallkugel für die Abfahrtswertung. Mit 20 Kugeln hat Vonn so viele gewonnen wie niemand zuvor - auch bei den Herren gibt es keinen erfolgreicheren Athleten.

Ob sie in diesem Winter aber noch ihre fünften Sieg im Gesamtweltcup holen kann, ist seit Samstagmittag offener denn je. (dpa/ank)© dpa