Super Nanny stellt klar: "Es gab nie Drehbücher"
"Die Interessen aller Beteiligten waren ja schon immer unterschiedlich, aber dennoch über Jahre gut zu verbinden. Jetzt gehen die Interessen eben auseinander", stellt Saalfrank fest. Gegenüber "RTL" empfinde sie allerdings keinen Groll: "Im Ganzen bin ich sehr glücklich, dass ich diese aufklärerische Arbeit vor der Kamera bei RTL machen durfte".
Auch die Anschuldigungen, dass bei der "Super Nanny" nach Drehbuch geschauspielert wurde, weist Saalfrank von sich: "In dem Format wurde nie gescripted, es wurden nie Anweisungen gegeben, wir hatten keinerlei Drehbücher. Im Gegenteil, alles war echt. Die Familien, die Probleme, die Gewalt." Für die Diplom-Pädagogik nicht immer leicht: "Ich kam oft in Familien, in denen Eltern so taten, als seien ihnen die Kinder zugelaufen. Es war eine Herausforderung, manchmal auszuhalten, dass man am Abend nicht weiß, was der nächste Tag bringen wird."
Die wahren Probleme sah Katharina Saalfrank schließlich in der vergangenen Staffel, von einer "unnötige Dramatik" ist die Rede: "Der Druck ist hoch. Da wächst die Geschwindigkeit, mit der man arbeiten soll, es gibt schnellere Schnitte, Wiederholungen drastischer Szenen in Zeitlupe oder Großaufnahmen von traurigen Kinderaugen, außerdem hinterlegte Musik, eine Art unnötiger Dramatik". Damit kam die 41-Jährige nicht klar: "Ich brauche Ruhe und Zeit für längere Gespräche, um alles zu verstehen und dann auch gute Unterstützung leisten zu können."
Diese Eingriffe hatte Saalfrank auch in einer E-Mail erwähnt - kleinere Textpassagen wurden von "Spiegel Online" veröffentlicht. Darin hat sich die 41-jährige Diplom-Pädagogin bei "RTL" beschwert: "In meine Arbeit als Fachkraft in diesem Format wurde extrem und teilweise sogar gegen pädagogische Interessen eingegriffen", hieß es. Katharina Saalfrank hatte ihren Ausstieg aus der Sendung verkündet, der Sender stellte daraufhin das Format nach sieben Jahren ein.
Die "Super Nanny" alias Katharina "Katja" Saalfrank besuchte knapp 140 Familien. Nach Beobachtung und Analyse des familiären Umfeldes, versuchte sie mit Ratschlägen und Erziehungskonzepten eine Art Hilfestellung zu leisten. Die Sendung stand jedoch wegen der vielen dramaturgisch aufgebauten Kinderszenen im Zentrum enormer Kritik. So hatte der Deutsche Kinderschutzbund Nordrhein-Westfalen kurz nach Ausstrahlung der ersten Folge betont: "Die gesamte Ausstrahlung lässt jeglichen Respekt vor dem Kind und seiner Familie vermissen".
Trotz der Ablehnung wurde die Sendung 2007 mit dem "Deutschen Fernsehpreis" ausgezeichnet.
140 Meinungen zu ""Es gab nie Drehbücher""
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Kathrinoyo
Sonntag, 15.01.2012, 17:11 Uhr @Volksempfinder Ich glaube nicht eine Sekunde, dass die gute Frau auch nur einen Gedanken an irgendjemanden verschwendet hat, der bei diesen Formaten mitgemacht hat. Im Gegenteil dazu habe ich einige Berichte (Filmkritik.TV oder ähnliche Seiten) und Interviews mit ehemaligen "Teilnehmern" gesehen und gelesen, die Gegenteiliges ziemlich anschaulich behaupten. Da kann ich mich auf die Aussagen verschiedenster Quellen beziehen und nicht nur auf die Selbstbeurteilung der angeblichen "Helferin", die nur vom Format überflügelt wurde. Es wurde sehr oft deutlich, dass Saalfrank nur wenn die Kamera lief überhaupt zugegen war und das eine Kommunikation außerhalb der Sendung quasi nicht möglich war. Wahrscheinlich lief es so ab, wie in vielen anderen "Reality"-Formaten. Der Moderator ist kurz da, um ein bisschen publikumswirksam rumzueiern, ein paar Phrasen rauszuhauen und geht sich dann mit Desinfektionsmittel die Hände waschen, um nicht mehr an die "Unterschichtler" denken zu müssen, mit denen sie da arbeiten - geschweige denn an die lärmenden Bälger, die ihr laut einiger Aussagen der Mütter, die bei der Sendung mitmachten, gehörig auf den Zeiger gingen. Für mich ist die Sache klar, ohne die Sendung aktiv verfolgt zu haben: es war eine Formatsendung. Eine Familie wurde so dargestellt, wie es der Sender brauchte, Saalfrank ging kurz rein, sagte ihre Text auf und verschwand wieder. Dafür bekam sie einen Haufen Kohle und die Familie wurde öffentlich bloßgestellt, damit es gute Quoten gibt. Das sie jetzt aber die Frechheit besitzt und sich auf das Opferpodest stellt, ist richtig widerlich. Wahrscheinlich wurde ihr die Kritik zu viel und sie verließ das sinkende Schiff um eine reine Weste zu behalten - was natürlich nur funktioniert, wenn alle Welt ihre noblen Absichten schluckt. -
professor1975
Freitag, 30.12.2011, 12:17 Uhr Da versucht sie aber, den Begriff der Drehbücher sehr stark zu überdehnen. Die Positionen der Erzieher werden von RTL KLAR vorgegeben, nicht jedes einzelne Wort. Aber sie wollte nicht mehr, weil der Sender ihr zuviel 'reingeredet' hat, ihre eigenen Worte. Und nun möchte sie erklären, dass es keine Initiierungen und Inszenierungen gab? Da sind leichte Logikfehler vorhanden gute Frau. -
Volksempfinder
Dienstag, 27.12.2011, 16:45 Uhr @Kathrinoyo Ich fürchte, daß Du insgesamt den besseren Durchblick hast als ich, der die Sendungen selten gesehen hat. Ich hatte den Eindruck,daß Frau Saalfrank durchaus Positives bewirken wollte, so wie damals Oswald Kolle. Leider ist das ganze Format aus dem Ruder gelaufen, und leider erst sehr spät wurde ihr klar, worauf sie sich da eingelassen hat und wes Geistes Kind die Agentur und ihr profitgeiles Management wirklich ist. Und die Manager von RTL kennen ja nun mal gar keine Scham und können getrost als Rufmörder und Dreckschleudern aller übelster Sorte bezeichnet werden. Leider tragen die neuen Unterhaltungsmedien - Fernsehen mit Dutzenden von Programmen, Playstation und Computer - immer mehr zur Verrohung, Verwahrlosung und Vereinsamung der Menschen selbst in Familien und Zurschaustellung der Privatsphäre völlig überforderter Familien bei. Frau Saalfrank war quasi permanent in einem Interessenskonflikt - sofern nicht wirklich alles "getürkt" war. Sie mußte gegen ihre Geldgeber aus der Werbung arbeiten, wenn sie die Familien aus ihrem Dilemma herausholen wollte - oft weg von den stupiden Unterhaltungsmedien und den ungesunden Ernährungsgewohnheiten. Ich glaube auch nicht, daß sie das alles kalt gelassen hat. Aber sie hat versucht, es professionell zu nehmen. Schließlich hat sie dann doch wohl festgestellt, daß sie Ihre Berufung doch ehr mitgenommen hat als sie verkraften konnte - einschließlich des genannten Konfliktes mit ihrem Brötchengeber. Ich empfehle Frau Saalfrank, ein Buch zu schreiben und Tabula Rasa mit RTL zu machen. Es ist an der Zeit, die Machenschaften dieser "ehrenwerten" Mediengesellschaft mal bloßzustellen - sowie sie es auch mit uns machen. -
Engel70
Dienstag, 27.12.2011, 16:00 Uhr Mensch, haut doch nicht immer alles in einen Topf. Ein kleines bisschen Aufklärungsnutzen will ich solchen Formaten schon zugestehen. Natürlich scheint eine neutrale Dokumentation sinnvoller, aber sie wäre ohne Wirkung, weil sie von niemanden angesehen wird. RTL verdient am Voyeurismus. Das bezweifelt doch auch keiner, oder? Ich frage mich auch, ob es grundsätzlich erlaubt ist, Kinder oder IQ-zweisteller vor die Kamera zu zerren. Das ist doch stets Eingriff in die Privatsphäre mit potentiell negativen Folgen. -
politicaluncorrect
Dienstag, 27.12.2011, 15:41 Uhr Super, wie viele Leute hier wieder "PROFITGIER! PROFITGIER!" schreien. Wat is denn mit der Tagesschau? Profitgierig ohne Ende, oder warum gibt es die GEZ? Oder "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", die Schauspieler, profitgeil ohne Ende! "Spongebob Schwammkopf", der Zeichner hat doch jetzt schon seine Schäfchen im Trockenen. Seht es doch mal bitte realistisch: Alles, was man in irgendeiner Form konsumieren kann (Auch das INternet, meine Lieben!), ist dazu geschaffen worden, dass man Profit macht. Und nur, weil uns manche mediale Veröffentlichung nicht gefällt (sprich sie nicht unseren GEschmack trifft), hat das noch lange nix mit Kommerz, Profitgier oder Geldgeilheit zu tun. Was hört ihr denn für Radiosender, besucht ihr denn für Websites und schaut ihr denn für Fernsehsendungen? -
Kathrinoyo
Dienstag, 27.12.2011, 14:32 Uhr @Volksempfinder Du bist ernsthaft davon ausgegangen, dass hinter der Sendung etwas anderes steckt oder jemals steckte, als Profitgier? Glaubst du ernsthaft, dass sie jemals in einem Interessenkonflikt standen, wie du ihn schilderst? Das sind ziemliche Zugeständnisse. Ich gehe fest davon aus, dass es den Produzenten und der sogenannten Pädagogin des Formats von Beginn an nur um die Zurschaustellung von "Freaks", sozial schwachen Familien und hochgepushten "Problemfällen" ging. Nimmt man hinzu, dass die ganzen Sachen nach Drehbüchern abliefen, wurde - wenn überhaupt - nur die Illusion einer wirklichen Hilfe dargestellt. Es ging darum, dem Publikum etwas zu Lachen zu geben - das wird auch immer noch mit Comedy gemacht. Hier ist das Problem allerdings, dass die Protagonisten "echt" sind, wenn auch ihre Probleme sicherlich überdramatisiert oder gänzlich aufgesetzt. Da werden Ahnungslose in Verträge reingezogen, die jedes Maß an Menschlichkeit vergessen lassen. Diesen einzigen Zweck teilen sich alle Formate ähnlicher Art und so lange die Menschen nicht endlich aufwachen und den Scheiß 1. nicht mehr gucken und sich 2. nicht mehr blauäugig daran beteiligen wird sich daran auch nichts ändern und profitgeile Menschen wie die hier besprochene Frau werden immer einen Nährboden haben, um sich auf den Rücken anderer zu bereichern. -
Volksempfinder
Dienstag, 27.12.2011, 08:32 Uhr Man weiß gar nicht, wo man die Kritik zuallererst ansetzen soll - so viele Fehler und Verstöße gegen Gesetze und Rechte der Kinder, Anstand und Moral wurden begangen. Frau Saalfrank brauchte also geschlagene sieben Jahre, um festzustellen, daß "In meine Arbeit als Fachkraft in diesem Format (wurde) extrem und teilweise sogar gegen pädagogische Interessen eingegriffen (wurde)". Mir kann Frau Saalfrank nicht erzählen, daß sie neben dem pädagogischen und psychologischen Beiträgen nicht auch ein gerüttelt Maß an Eigenwerbung und Selbstinszenierung im Sinn hatte. Als ausgebildete Diplom-Pädagogin hätte sie von Anfang an wissen müssen, daß die Öffentlichkeit in ihrer Arbeit nichts, aber auch gar nichts zu suchen hatte- im Gegenteil! War doch klar, daß extrem verhaltensgestörte Protagonisten (auch die Kinder!) von Zuschauern und Medien an den Pranger gestellt werden würden. Saalfrank wurde ja regelrecht als Wunderschnellheilerin inszeniert und konnte eine Familie binnen einer Woche total friedfertig machen. Sie erkennt also sehr schnell die Situation der Problemfamilie, scheint aber nicht erkennen zu wollen, daß der eigentliche Wunsch nach Aufklärung der Öffentlichkeit sich durch das Öffentlich machen der Protagonisten (besonders der Kinder!) eine negative Stimmng der nach Sensationen geifenden Zuschauerschaft erzeugen würde. Dabei waren die Ursachen der Verhaltensstörungen oft sonnenklar erkennbar: Fernsehen, Computer, Playstation, Fehlernährung durch Fertigprodukte -> alles genau das, was in der Werbung exzessiv beworben wird! Überteuerter und überzuckerter Dreck von Nestlè und Müllermilch neben Geiz ist geil und geil ist geil! Hauptsache geil eben! Der ALG2-Empfänger soll sich auf Raten den Flachbildschirm kaufen, um dann in jeder Sendung beschuldigt zu werden, ihn sich ja eigentlich gar nicht leisten zu können - so schreibt es ihm jedenfals das "gesunde Volksempfinden" vor! Anfangs hatte ich ja selbst noch gedacht, endlich mal jemand, der den Hebel an der Wurzel ansetzt und Problemfamilien Wege aus ihrer Sackgasse zeigt. Die weiteren Folgen zeigten jedoch schnell den Interessenskonflikt, in den Frau Saalfrank und das Aufnahmeteam oddensichtlich gerieten - auf der einen Seite der Wunsch nach Aufklärung und Hilfe - auf der anderen Seite die Gier nach Exzessen, Schlägereien, Ausraster und bedienen der Präkariats-Klischees. Hinzu kommt noch, daß die "Macher" von RTL sowie die Agentur nur und ausschließlich "auf Quote" und Profitmaximierung gehen, koste es was es wolle. Weitere Formate wie z.B. der grauenhafte "Frauentausch" , "Messies" oder der lächerliche "Schuldenberater aus Berlin" gehen meist ebenso über das erträgliche Maß hinaus und schüren nur das Klischee und den Klassenkampf, den Arbeitslose und benachteiligte Familien auszuhalten haben.
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