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18.02.2013, 14:03 Uhr

Stefan Raab kann auch langweilig

Köln (dpa) - Mancher Journalist kann sich noch an eine politische Pressekonferenz erinnern, zu der Stefan Raab mit seinem "TV Total"-Team ausrückte, um die eine oder andere Nonsens-Frage loszuwerden.

Genervt blickten sich damals die richtigen Journalisten nach dem Störer um - fast so, als randaliere da ein Betrunkener. Jetzt wird Raab aller Voraussicht nach das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück mitmoderieren. So ändern sich die Zeiten.

Zwar hatte SPD-Herausforderer Steinbrück anfangs noch gesagt, Politik sei ein "ernstes Geschäft" und darum für Raab ungeeignet. Aber nachdem sich die Kanzlerin anderslautend geäußert hatte, sprach Steinbrück den denkwürdigen Satz: "Wenn Angela Merkel (...) auch mit Stefan Raab einverstanden ist, wird es so geschehen."

Stefan Raab und Peer Steinbrück

TV-Duell gegen Merkel: SPD-Politiker lehnt Entertainer nicht mehr ab. >

Vor diesem Hintergrund war Raab natürlich bestrebt, seine Eignung für das große Duell noch einmal unter Beweis zu stellen. Dafür bot sich die zweite Ausgabe seiner Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit" an. Die Sendung begann am Sonntagabend um 22.50 Uhr und endete am frühen Montagmorgen um 0.40 Uhr. Unter diesen Voraussetzungen besteht von vornherein Einschlafgefahr. Das TV-Publikum zog tatsächlich nicht mit: 800 000 Menschen schalteten ein. Der Marktanteil betrug 5,2 Prozent, beim jüngeren Publikum zwischen 14 und 49 auch nur 9,1 Prozent.

Und Kanzlerduellmoderationsbewerber Raab gab sich ungewöhnlich kontrolliert. Pointentechnisch beschränkte er sich auf einige wenige auswendig gelernte Kalauer, die nicht hinauskamen über: "Wir haben uns überlegt, ob wir heute Abend über das Thema Pferdefleisch diskutieren wollen, aber ich wollte mich nicht vergaloppieren."

Während Raab für September auf allerhöchste Politprominenz hoffen darf, scheinen bekannte Politiker seine Talkshow bisher noch zu meiden. In der ersten Ausgabe von "Absolute Mehrheit" war immerhin noch FDP-Querschläger Wolfgang Kubicki mit dabei, diesmal saßen nur unverbrauchte Gesichter auf der braunen Couch: Dorothee Bär, Katja Dörner, Linda Teuteberg, Yvonne Ploetz - das sind Namen, die nicht nur werberelevanten Zielgruppen eher weniger geläufig sein dürften. Wobei das natürlich nichts Schlechtes sein muss, denn eine der meistgehörten Klagen über die etablierten Talkshows ist ja die, dass dort immer dieselben Gesichter zu sehen seien.

So saß der Wok-WM-Präsentator, Lena-Entdecker und Frauen-Boxkämpfer Raab da nun also mit vier jungen Politikerinnen auf der Couch und stellte Fragen. Hin und wieder konfrontierte er sie mit harten Fakten, die er durch gewissenhaftes Googeln selbst recherchiert hatte, wie er einfließen ließ.

Stefan Raab und seine Show "absolute Mehrheit"

Wer bei "Absolute Mehrheit" zu Gast ist, wird aber noch nicht verraten. >

"Ich glaube, es gibt in jeder Partei Arschlöcher", bilanzierte der Musiker Olli Schulz, der als Volksvertreter mit auf der Couch saß. Die vier bei Raab vertretenen Politikerinnen gehörten mit Sicherheit nicht dazu, sie tauschten sehr verbindlich ihre auch nur teilweise unterschiedlichen Meinungen zu den Themen Frauenquote, "Tugendrepublik" und Mietpreisexplosion aus. "Ich hoffe, dass Sie einen Denkanstoß bekommen haben", sagte Raab gegen Ende der Sendung.

Die Fernsehzuschauer konnten die ganze Zeit über per Telefon oder SMS kundtun, wer sie am meisten überzeugte. Linda Teuteberg aus dem FDP-Bundesvorstand lag dabei von Anfang an vorn und gewann am Ende, wenn auch nicht mit absoluter Mehrheit. Dadurch blieben die 100 000 Euro Preisgeld abermals im Topf - beim nächsten Mal geht es nun um die stattliche Summe von 300 000 Euro. Vielleicht lassen sich langsam doch prominentere Namen für die Sendung gewinnen.

Stefan Raab hat sein Ziel in jedem Fall erreicht. Wer das Ende der Sendung noch im Wachzustand erlebte, dürfte ihm ohne weiteres zutrauen, dass er sich im September geräuschlos in die Moderatoren-Phalanx des Kanzlerduells einreihen wird.

Alle News vom: 18. Februar 2013 Zur Übersicht: TV

85 Meinungen zu "Dröge genug fürs Kanzler-Duell"

  • Antiinfantilismus
    Montag, 20.05.2013, 14:48 Uhr
    Kaum jemand sonst hat dem Niveau einer Generation so viel schaden angerichtet.
  • Gillie
    Mittwoch, 27.03.2013, 16:28 Uhr
    Der kann nicht nur langweilig, sondern der ist langweilig.
  • bertl60
    Montag, 25.03.2013, 09:57 Uhr
    Herr Raab soll bei seinen Leisten bleiben - für Sendungen der ernsteren Art halte ich ihn für völlig ungeeignet. Seine Unsicherheit war mehr als deutlich zu erkennen. Und Talkshows haben wir schon genug bzw. gehen doch gerade baden - was soll da noch eine neue? Ich habe nur kurz hineingeschaut und nach kurzer Zeit wieder abgeschaltet. Für solche "Darbietungen" ist mir meine Zeit wirklich zu schade. Aber gottlob gibt es ja den "Aus-Knopf"!! Eine sehr gute Einrichtung am TV-Gerät.
  • eifeltiger99
    Dienstag, 05.03.2013, 17:47 Uhr
    Niveau lass nach dank Metzger Raab...ich denke da sind nur Journalisten zugelassen...mal sehen ob ich mir den quatsch überhaupt noch antue...das wäre übrigens meine erste Metzger Raab Sendung die ich anschauen würde....sorry, ich kann die H.....f..... nicht ausstehen...
  • dragonflynr1
    Dienstag, 05.03.2013, 17:45 Uhr
    Der Raab ist für mich nur ein Clown den ich schon seit vielen Jahren beukottiere! Jetzt soll Der als Ernsthaft verkauft werden? Nein, das Kanzler-Duell mit Raab schaue ich mir garantiert nicht an! Ich hoffe viele Menschen treffen die selbe Entscheidung!
  • kurtlesen
    Freitag, 01.03.2013, 13:51 Uhr
    ...sagt: Raab und Politik?? nein danke. Um mir eine Meinung zu bilden, habe ich es mir eine zeitlang angeschaut, dann wurde es mir zu dumm. Die ganze Sendung habe ich mir nicht antun können, die Wahrscheinlichkeit, dass es von hohl zu wertvoll wendet, war nicht vorhanden. Raab war nicht ausgewogen journalistisch fragend, sondern zeigte deutlich seine eigene politische Position/Vorlieben. Zudem war er teilweise nur dumm blödelnd. Qualität=0 MfG "Dr.errata-causa-guttenbergenis" Kurt Lesen
  • hotballoon
    Donnerstag, 28.02.2013, 10:44 Uhr
    Es geht nicht um dröge oder nicht dröge, sondern um das Thema:"was hat Clownerie mit Politik zu tun?" Nachdem wir in Italien erleben durften, wieviel gestandene Bürger(innen) bereit waren, Politclowns zu wählen, muss man dem in Deutschland nicht nacheifern, indem man politische Sendungen zu Lachnummern degeneriert.
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