Furioser Berlinale-Start mit Wong Kar Wai
Der chinesische Regisseur, der gleichzeitig Vorsitzender der Berlinale-Jury ist, zeigte einen Kung-Fu-Film voller Poesie und Melancholie, aber auch jeder Menge Pathos. Wong (54) bewies schon mit "In The Mood For Love" und "2046" Mut zum ganz großen Liebesdrama. In "The Grandmaster" mischt er nun außerdem eine kräftige Portion Spektakel, Lebensphilosophie und politische Anspielungen in die Geschichte.
Wong ließ sich für seinen Film von der Lebensgeschichte des legendären Kampfmeisters IP Man inspirieren, dem Mentor von Bruce Lee. Exzellente Hauptdarsteller in "The Grandmaster" sind Tony Leung ("In The Mood For Love", "Gefahr und Begierde") und Zhang Ziyi ("Tiger & Dragon", "Die Geisha"). Schauplatz ist China Mitte der 1930er Jahre. Vor dem Hintergrund von Kriegswirren und japanischer Besatzung treffen die Kampfkunst-Meister Ip Man (Leung) und Gong Er (Ziyi) aufeinander - er aus dem Süden, sie aus dem Norden des Landes. Ein Spiel um Ehre, Liebe, Begehren, Verrat und Rache beginnt.
Vor fast 20 Jahren machte Wong mit "Ashes of Time" schon einmal einen Ausflug ins Martial-Arts-Genre. In "The Grandmaster" zeigt Wong nun eine neue Facette des Kampfkunst-Films: den philosophischen Actionfilm. Die in Zeitlupe durch die Luft wirbelnden Körper sind von Yuen Wo Ping ("Matrix", "Kill Bil") bis zur Vollendung choreographiert. Die auch erotischen Anziehungskräfte der Kämpfer spiegeln sich stets in ihren Bewegungen. Auch zersplitterndes Glas, tropfendes Blut und fallender Regen sind nicht nur Illustration, sondern haben immer eine tiefere Bedeutung. Die etwas zähe Handlung bleibt da oft auf der Strecke.
Wongs außer Konkurrenz laufender Film berauscht mit ausgeklügelten Kampfeinlagen, prächtigen Kostümen, feinsten Bildkompositionen und kongenialem Musikeinsatz. Den für westliche Betrachter manchmal schwer zu deutenden Ehrenkodex der Kung-Fu-Kämpfer überträgt Wong auf das Leben - ein Film voller Symbole und bedeutungsschwangerer Andeutungen, die die Story mitunter etwas prätentiös wirken lässt.
Erzählt wird die Geschichte oft aus dem Off mit den Stimmen der Hauptfiguren. Das schafft eine somnambule Distanz zu den dramatischen Ereignissen - der Zuschauer kann am Ende manchmal nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden, will das aber vielleicht auch gar nicht. "Der Film ist für mich ein Traumprojekt, das ich über viele Jahre hinweg entwickelt habe, und ich bin sehr glücklich, dass ich ihn in Berlin präsentieren kann", so Wong.
Rund 1600 prominente Gäste waren zur Eröffnungsgala mit Festivaldirektor Dieter Kosslick und Comedystar Anke Engelke in den Berlinale-Palast am Potsdamer Platz gekommen. Dort wurde auch die internationale Jury um Wong Kar Wai vorgestellt. Das siebenköpfige Gremium entscheidet über die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären. In der Jury sitzt auch der deutsche Regisseur Andreas Dresen ("Halt auf freier Strecke"). "Wir wollen Filme schätzen und anerkennen, die wir inspirierend und berührend finden", kündigte Wong als seine Maxime der Jury-Arbeit an.
Bis zum 17. Februar zeigen die Internationalen Filmfestspiele Berlin mehr als 400 Filme aus aller Welt. Im offiziellen Wettbewerb starten 19 Filme, darunter auch der deutsche Beitrag "Gold" von Thomas Arslan. In dem Western spielt Berlinale-Stammgast Nina Hoss die Hauptrolle. Auch die deutschen Schauspieler Martina Gedeck und August Diehl haben für ihre Auftritte in europäischen Koproduktionen Bären-Chancen.
Zahlreiche Stars haben sich zum Festival angekündigt, darunter Catherine Deneuve, Anita Ekberg, Nicolas Cage, Jude Law, Shia LaBeouf, Jeremy Irons, Isabelle Huppert, Amanda Seyfried, Anne Hathaway, Juliette Binoche und Geoffrey Rush. Bereits am Freitag wird der rote Teppich für Hollywoodstar Matt Damon ausgerollt. Er stellt zusammen mit US-Regisseur Gus Van Sant ("Good Will Hunting") das Öko-Drama "Promised Land" vor.
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