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31.10.2009, 08:07 Uhr

Das unsichtbare Visier

Bis er 1976 in Ungnade fiel, war er der James Bond der DDR: Armin Mueller-Stahl alias Stasi-Agent Werner Bredebusch. Die TV-Reihe "Das unsichtbare Visier" (1973-1975) war Fernsehen, wie es die SED liebte, politisch motiviert, kontra West und überaus korrekt.

Von Gregor Jossé

Nichtsdestotrotz sind die Agentenkrimis ausgesprochen gut und nicht nur aus zeitgeschichtlicher Sicht spannend. Neu aufgelegt erscheinen die ersten acht Folgen, die insgesamt drei Episoden erzählen, nun im Rahmen der Retro-Reihe "Straßenfeger" - zeitgleich mit der westdeutschen Spionageserie "Die fünfte Kolonne" (1963-1968).

Während die Wessi-Agenten von Folge zu Folge wechselten (unter anderem spielten Günther Schramm, Hanns Lothar und Hellmut Lange die Hauptrollen), war Armin Mueller-Stahl das Gesicht hinter dem "unsichtbaren Visier" östlich der Mauer, bis ihn 1977 für die zweite Staffel Horst Schulze ablöste, weil Mueller-Stahl gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert hatte.

Geprägt von der Realität des Kalten Krieges erzählen beide Serien ihre Version der Geschichte. Spioniert wird jeweils jenseits der Mauer, dort, wo die Bösewichte ihr Unwesen treiben, wo die politischen Komplotte ihren Ursprung haben. So ermittelt Ost-007 Werner Bredebusch als Jagdflieger in der BRD gegen kapitalistische Konspirationen, stolpert nebenbei über die Atomwaffen-Pläne Westdeutschlands und kommt Faschisten, CIA-Handlangern und anderen Übeltätern auf die Schliche. Smart und charmant schlängelt sich Bredebusch durch das Dickicht der Interessenskonflikte - und vergisst dabei nicht einmal, seiner werten Mutter Blumen mitzubringen.

In den zwölf knapp einstündigen Folgen der "fünften Kolonne" dagegen werden die Beteiligten eher unfreiwillig in mörderische Pläne oder politische Verschwörungen hineingezogen. Und auch wenn es so offen nie gesagt wird, fast immer ziehen dunkle Ostmächte die Fäden.

Die "Straßenfeger"-Reihe der ARD schnürt beide Serien zu vier-DVD-Boxen zusammen. Technisch lassen beide Pakete zu wünschen übrig: Doch wer über den Stereosound und das körnige Bild hinwegsehen kann, erlebt deutsche Fernsehgeschichte. Immerhin wartet "Das unsichtbare Visier" mit drei interessanten Dokus auf - und stellt damit die West-Konkurrenz in puncto Bonusmaterial in den Schatten.

Das unsichtbare Visier

Genre: Kriminalfilm
Entstehungsland: DDR
Entstehungsjahr: 1973-1975
Regie: Peter Hagen
Hauptdarsteller: Armin Mueller-Stahl, Wolfgang Greese, Jessy Rameik u.a.
Vertrieb: Alive
Studio: ARD Video
Bildformat: 4:3 (Vollbild)
Tonsystem: Dolby Digital
Sprachen: Deutsch (2.0)
Untertitel: Keine
Extras: Hintergrundinfos; Dokumentationen über die Serie und Armin Mueller-Stahl
FSK: 12
Laufzeit: 609 Min.
Preis: ca. 30 Euro
VÖ: 28.09.2009
EAN-Code: 4031778960070

Bewertung

Filmbewertung Bild Ton Extras
ausgezeichnet mangelhaft mangelhaft befriedigend

© teleschau - der mediendienst GmbH

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